Waiblingen

Vermieter im Keller eingesperrt

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© Pixabay (CC0 Creative Commons)

 

Waiblingen. Der Betreiber einer Weinstädter Dönerbude soll seinen Vermieter absichtlich im Keller eingesperrt haben. Die Polizei musste kommen, um den Mann zu befreien. Dem Ganzen war offenbar ein Streit um den Verkauf des Geschäfts, die Nutzung des Kellers und eine angebliche Körperverletzung vorausgegangen. Nun stand der Dönerverkäufer vor Gericht.

Es sei kein gutes Mietverhältnis gewesen, das die beiden, den Betreiber des Dönerladens und den Eigentümer des Hauses, seit knapp vier Jahren verband. Dies bestätigen beide vor Gericht. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn was am späten Abend des 13. August des vergangenen Jahres geschah, das schildern der Angeklagte und der Geschädigte vollkommen unterschiedlich.

Dem Vermieter zufolge, der vor Gericht als Geschädigter auftritt, hat der Angeklagte ihn ohne Vorwarnung im Keller eingesperrt und erst wieder freigelassen, als die Polizei eingriff. So steht es auch in der Anklageschrift. Er selbst, so sagt der Hausbesitzer aus, habe im Keller Überreste einer Baustelle beseitigen wollen: Eimer, Schutt und Baureste wegräumen. Dabei habe er wohl den Schlüssel stecken lassen, den der andere dann einfach im Schloss umgedreht habe. Etwa eine halbe Stunde lang sei er eingesperrt gewesen.

Wer hat nun die Polizei gerufen?

Der Betreiber der Dönerbude (eigentlich ist er mittlerweile wegen gesundheitlicher Probleme bei seiner Frau angestellt, welche den Dönerladen betreibt – er sieht sich aber immer noch als selbstständig) zeichnet ein anderes Bild des Geschehens. Ja, er habe die Kellertür geschlossen, teilt er über einen Dolmetscher mit. Aber er habe damit nur weiteren Schaden abwenden wollen. Denn zuvor seien „Gegenstände“ aus seinem Keller gestohlen worden, Pfandflaschen, genau genommen. An besagtem Abend habe er seinen Vermieter „erwischt“. Er habe dann selbst die Polizei verständigt. Den Hausbesitzer bezeichnet er als Lügner, er traue ihm nicht. Daher habe er ihm zwei Wochen vor dem Vorfall Hausverbot erteilt gehabt.

Außerdem wirft er ihm Erpressung vor: Als er seinen Dönerladen habe verkaufen wollen, habe der Vermieter Geld von ihm gefordert, er würde sonst dem Verkauf nicht zustimmen.

Auch hier widerspricht der Hauseigentümer. Sein Mieter habe gar kein Recht, den Keller zu nutzen, und in dem Streit um den Verkauf des Geschäfts habe der andere ihn gezwungen, einer längeren Mietdauer zuzustimmen als ursprünglich vertraglich vereinbart. Den Vorwurf, aus dem Keller etwas gestohlen zu haben, möchte er vor Gericht nicht kommentieren.

Im weiteren Prozessverlauf wird klar, dass derzeit wegen einer Mietsache ein Zivilrechtsverfahren zwischen den beiden anhängig ist. Zudem hatte der Vermieter den Mieter unabhängig von dem aktuellen Fall wegen Körperverletzung angezeigt: Jener habe ihm ins Gesicht und den Schritt geschlagen und den Arm gebrochen, so die Anschuldigung. Auch diese Vorwürfe bestreitet der Angeklagte und nennt zahlreiche Zeugen.

Angeklagter will aus Selbstschutz gehandelt haben

Zwei Polizeibeamte, die als Zeugen aussagen, bringen wenig Neues: Ein Notruf sei eingegangen, nach kurzer Diskussion habe der Angeklagte die Tür geöffnet. An mehr können sie sich nicht erinnern. Am Ende sieht der Staatsanwalt den Vorwurf der Freiheitsberaubung dennoch als erwiesen an und fordert eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen à 30 Euro, insgesamt also 900 Euro.

Der Verteidiger hingegen wirbt für Verständnis für seinen Mandanten. Dieser habe aus Selbstschutz gehandelt: „Was würden Sie tun, wenn aus Ihrem Keller etwas gestohlen worden wäre? Und der einzige Verdächtige nun in Ihrem Keller wäre“, stellt er in den Raum. Da der Angeklagte von seinem Vermieter bereits einmal zu Unrecht der Körperverletzung beschuldigt worden sei, sei es doch nur verständlich, dass er so gehandelt habe.

Mit seiner Forderung nach einem Freispruch trifft er bei dem Vorsitzenden Richter Dautel allerdings nicht auf Gehör. Er sieht den Vorwurf ebenfalls bestätigt und keine Gründe, welche die Tat rechtfertigen könnten. Der Dönerladenbetreiber hätte seinen Vermieter also keinesfalls einsperren dürfen und muss nun 750 Euro Strafe zahlen. Gegen das Urteil kann er innerhalb einer Woche Rechtsmittel einlegen.