Waiblingen

Verrückt nach Elektroautos

E-Mobilität E-Auto Waiblingen Dieter Bindel Hegnach Kleinhegnach_0
Ohne seinen weißen E-Golf ist Dieter Bindel nie unterwegs. Hier beim Laden auf dem Discounter-Parkplatz. © Habermann/ZVW

Waiblingen. In der Szene der E-Mobilisten kennt er Hinz und Kunz, hat ein Dutzend Lade-Apps auf dem Smartphone und leitet geführte Ausfahrten für Anfänger: Energieberater Dieter Bindel gehört zu den vielen positiv-verrückten Fans der Elektromobilität. Für den Eisentaltag im September organisiert er einen Elektroauto-Treff.

Kommt die Rede auf Elektromobilität, gerät Dieter Bindel ins Schwärmen. Ein spezielles Fahrvergnügen. Beim Start an der Ampel hängt er mit dem E-Golf jeden Porsche locker ab. Und auf schwach frequentierten Waldstraßen ohne krachende Verbrennerautos lässt er die Scheiben runter und fühlt sich der Natur ganz nah: „Das ist wie E-Bike-Fahren.“ Das leise Surren klingt wie Musik in seinen Ohren. „Je nach Untergrund kann’s aber durchaus nerven, dass die Reifen so laut sind“, sagt der 59-Jährige grinsend.



Da denkt einer offensichtlich in anderen Kategorien von Lautstärke – welcher Benzin-Fahrer würde denn groß auf sein Reifen-Geräusch achten? Mit schwarzem Humor bringt es der Kleinhegnacher auf den Punkt: „Es gibt zwei Dinge, die richtig süchtig machen: Heroin und Elektromobilität.“

Geführte Überland-Touren für Elektroauto-Neulinge

Ein Einstieg liegt gerade drei Jahre zurück, doch seither hat sich viel getan. Ob der Elektromobilitäts-Aktionstag „AtEm“ in Stuttgart, ob E-Golf-Treffen in Berlin oder am Bodensee – hier trifft Dieter Bindel Bekannte aus ganz Deutschland. Manchmal ist schon der Weg das Ziel. Nicht etwa, weil die Fahrt besonders lange dauert, sondern wegen der Begegnungen an den Ladesäulen. Sie sind die Informationsbörsen, an denen die Fans die heißesten, praxiserprobten Insider-Tipps austauschen. Etwa den für die Ladekarte der Maingau Energie GmbH aus Südhessen, die unterwegs oft den günstigsten Tarif gewährt. Via App steht der Hardcore-Fan ständig in Kontakt mit anderen und verfolgt ihre Route und Ladesäulen-Suche bei Fernfahrten, um bei Engpässen mit Tipps weiterzuhelfen. In Foren wie Going Electric diskutiert er leidenschaftlich mit.

Klar: Es gibt „Kollegen“, die länger dabei sind. Der Schorndorfer Elektrohändler Peter Schwan zum Beispiel, den Dieter Bindel ob seiner Erfahrung respektvoll „erhaben“ nennt. In der kurzen Zeit hat sich aber auch der Neustädter Wärmedämmungs-Fachmann ein breites Wissen erworben, das er mit fast missionarischem Eifer weitergibt. So hat er schon geführte Ausfahrten geleitet, bei denen Elektroauto-Anfänger eine kurze Einweisung bekommen und dann selbstständig ans Ziel, zum Beispiel tief im Pfälzer Wald, fahren. Geht der Strom zur Neige oder will eine Säule nicht laden, ist der Tour-Kapitän sofort erreichbar und hilft. Als stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Energieberater wirbt er mit Vorträgen und Aktionen besonders beim Fachpublikum, mit gutem Beispiel voranzugehen.

86 000 Kilometer mit dem E-Golf

Er selbst fährt inzwischen nur noch elektrisch. Geladen wird der E-Golf daheim oder öffentlich. Vorbei die Zeiten, als er sich zur Mittagspause mit Arbeits-Laptop und Vesper auf dem Discounter-Parkplatz platzierte, um die Ladezeit abzuwarten. Während Verbrenner-Fahrer quasi immer volltanken, gewöhnen sich Elektromobilisten an, mit dem „Tanken“ schon bei 50 oder 70 Prozent Batteriestatus aufzuhören – eben wenn der Einkauf erledigt ist. Sucht Dieter Bindel ein Hotel in einer fremden Stadt, prüft er zuerst, ob dort eine Ladestation vorhanden ist. Wenn nicht, ist das eine Ausschlusskriterium.

86 000 Kilometer hat der E-Golf nunmehr zurückgelegt. Die erste Fernfahrt nach Berlin glich noch einem Abenteuer. Nach einer quälenden Zeit vorsichtigen Fahrens ohne Heizung erreichte er mit zehn Kilometern Restreichweite schweißgebadet die rettende Ladesäule im Grunewald. Mittlerweile hat sich das Netz spürbar verbessert. Mit einem Dutzend Lade-Apps und fünf Lade-Karten ist er für alle Tarif-Eventualitäten gerüstet. Beim Laden unterwegs ist Vorsicht geboten, denn Roaming-Gebühren gibt es nicht nur im Mobilfunk, sondern eben auch in der Elektromobilität.

So macht er mit seiner Lebensgefährtin heute Sonntagsausflüge, die er früher nicht gemacht hätte. Mal eben zur neuen Ladesäule bei Schwäbisch Gmünd – „die Drei-Kaiser-Berge habe ich seit 30 Jahren nicht mehr gesehen“.


E-Mobil-Treff

Beim Eisentaltag am Sonntag, 9. September, treffen sich wieder E-Mobilisten und zeigen rund um die Gewerbestraße 11 ihre Fahrzeuge. Von 11 Uhr an gibt’s Vorträge über Anschlüsse, Fotovoltaik-Nutzung und Fahrzeug-Präsentationen mit Schwerpunkt für Handwerker. „Marktplatz-Gespräche für jedermann“ über E-Mobilität, Stromerzeugung und Lade-Infrastruktur werden von 12.30 bis 13.30 Uhr geführt.

Veranstalter sind die Energieagentur Rems-Murr, die Stadt Waiblingen und die Stadtwerke.

Der Energietag ist Teil des Eisentaltags, des Tags der offenen Tür im Waiblinger Gewerbegebiet.