Waiblingen

Verschimmeltes Fleisch und Madenbefall: Betriebe in Waiblingen am Hygienepranger

Lebensmittelkontrolle
Mit einem speziellen Messgerät überprüfen Kontrolleure die Temperatur in Kühlschränken von Betrieben. © Diana Feuerstein

Vergisst man zu Hause Fleisch im Kühlschrank, so dass das Verbrauchsdatum überschritten und es nicht mehr genießbar ist, hat das keine Konsequenzen, sofern man es entsprechend entsorgt. Ist man aber Betreiber eines Supermarkts, Discounters, Imbisses oder Restaurants, hat das ein Nachspiel. Die Betreiber müssen mindestens eine Strafe von 350 Euro bezahlen und werden auf einer Liste aufgeführt, welche sechs Monate lang auf der Internetseite des Landkreises zu finden ist sowie auf der Seite des Landes Baden-Württembergs unter www.verbraucherinfo-bw.de.

Auf der Liste ist allerdings kein Betrieb im Kreis aufgeführt, der lediglich wegen einer ungenießbaren Fleischpackung kritisiert wurde. Was die Kontrolleure der amtlichen Lebensmittelüberwachung des Landkreises teils bei ihren Kontrollgängen erleben, lässt bei vielen die Nackenhaare sich sträuben. Die Rede ist von Schimmelbefall, aber auch Exkrementen von Nagern.

Das Bittenfelder Restaurant am Zipfelbach, das laut Liste wiederholt negativ aufgefallen ist, ist mittlerweile geschlossen, was aber einen Betreiberwechsel als Ursache habe und keine Folge der Kontrolle sei, betonen die Kontrolleure der amtlichen Lebensmittelüberwachung. In der Liste ist davon die Rede, dass der Betrieb „wiederholt in einem schmutzigen und unstrukturierten Zustand vorgefunden“ worden sei. Schränke, Einbauten, aber auch technische Geräte seien von einem gelblich-braun verfärbten Fettfilm überzogen gewesen. Darüber hinaus fand man im Keller und an der Biergartentheke Schadnagerexkremente. Fleisch im Kühlschrank, aber auch Obst und Gemüse auf dem Arbeitstisch seien verschimmelt gewesen, heißt es. An einer Zucchini im Kühlschrank klebten dunkle Haare.

Lebensmittelmarkt in Neustadt taucht wiederholt auf der Liste auf

Gleich mehrmals auf der Liste taucht der Lebensmittelmarkt Karizma in Neustadt auf, weil dort etwa Obst und Gemüse in der Auslage nicht mehr einwandfrei gewesen sei und man Trauben im Kühlhaus fand, die so keiner mehr kaufen möchte. Zu solchen Beanstandungen kam es laut Liste der Lebensmittelüberwachung bei insgesamt fünf Kontrollen. Allerdings habe der Betreiber die Ware umgehend entsorgt, heißt es.

Von verschmutzten, ungereinigten Gerätschaften ist bei einer weiteren Kontrolle im September in der dortigen Metzgerei die Rede. In einer Bandsäge, die zum Zerteilen von Lammfleisch verwendet wird, ist von kleinen Fliegen und Maden die Rede. Im Kühlhaus wurde verdorbenes Fleisch gefunden, das grünlich verfärbt gewesen sei. Abgepacktes Hühnerfleisch war laut Verbrauchsdatum verfallen. Der Fleischwolf schien längere Zeit nicht gereinigt worden zu sein ebenso die Aufschnittmaschine. Auf die Beanstandungen gibt der Geschäftsführer der Karizma GmbH zur Auskunft, dass sie sich von der Metzgerei schon im Dezember getrennt hätten. „Diese war untervermietet“, betont er, der namentlich nicht genannt werden möchte. Im Nachgang der Kontrollen hätten sie weniger eingekauft, sodass es nicht mehr zu Beanstandungen beim Obst- und Gemüseangebot im Markt komme, betont er. „Wir kaufen stets zeitnah ein“, sagt er. Manchmal sei der Absatz weniger gewesen, manchmal hätte die Ware bereits schon Druckstellen direkt vom Großmarkt gehabt. „Wir bemühen uns sehr, dass es nicht mehr vorkommt“, sagt er.

14 Kontrolleure für den gesamten Rems-Murr-Kreis

Insgesamt 6000 Betriebe gibt es laut Auskunft des Dezernats IV, in welchem das „Veterinäramt und Lebensmittelüberwachung“ angesiedelt ist. 14 Kontrolleure sind in Betrieben im Rems-Murr-Kreis unterwegs. 14 Betriebe waren im vergangenen Jahr derart auffällig, dass sie auf der Liste der amtlichen Lebensmittelkontrolle aufgeführt werden. Ganze acht Betriebe davon befinden sich in Waiblingen. Alle Beanstandungen werden durch Fotos dokumentiert. Dass diese öffentlich gemacht werden, regelt der Paragraf 40, 1a Lebensmittel- und Futtergesetzbuch, erklärt der Amtsleiter für den Bereich Veterinäramt und Lebensmittelüberwachung Thomas Pfisterer. Bevor ein Fund in die öffentliche Liste eingetragen werde, sind vier Mitarbeiter involviert. Generell gelte, dass nur die Beanstandungen aufgeführt werden, „die erheblich sind und mindestens mit einem Bußgeld geahndet werden“, betont Peter Herrschlein, einer der Kontrolleure. Die Strafen können auch härter ausfallen – je nach Vergehen.

Bevor es zu einer Veröffentlichung kommt, werde die Sachlage dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dargelegt. Außerdem müsse der Inhaber des Betriebs zustimmen, erklärt Thomas Pfisterer. Legt der Inhaber sein Veto ein, werde ein verwaltungsgerichtliches Verfahren eingeleitet.

Bevor ein Kontrolleur einen Betrieb betritt, „schauen wir uns die Historie an“, sagt Peter Herrschlein. Außerdem werde berücksichtigt, wann ein Ruhetag ist oder wann Hochbetrieb in der Küche herrsche, so Herrschlein. „Wir kontrollieren nicht um 12 Uhr einen Imbiss, wenn viel los ist“, sagt er. Anders dagegen werde es bei einer Beschwerde gehandhabt. „Da müssen wir rein, egal welche Uhrzeit das ist“, sagt er. Bei einer Kontrolle werden die Gerätschaften angeschaut, Lebensmittel kontrolliert, die Sauberkeit und Hygiene sowie die Kühltemperatur überprüft. Außerdem werde eine Beratung angefügt, wobei die Kontrolleure dem Inhaber Tipps geben, wie er Verstöße künftig vermeiden kann. Grundsätzlich gibt es eine Nachkontrolle, bei der sämtliche Mängel behoben sein müssen.

Nur selten kommt es zu Schließungen

Zur Schließung eines Betriebs komme es nur in Ausnahmefällen und bei wirklich gravierenden Mängeln. Als schwerwiegend etwa zähle, wenn verdorbene Lebensmittel „vorsätzlich in Verkehr gebracht werden“, erklärt Thomas Pfisterer. Generell könne man auch eine Teilschließung erlassen.

Vor Ort seien die Rechtfertigungen und die Aussagen, wie es zu den Versäumnissen kam, „breitgefächert“, berichtet Peter Herrschlein. Manchen fehle das Wissen darüber, andere zeigen sich über die Funde überrascht. Manchmal sei es einfach auch Betriebsblindheit, dass man nicht dran denke auch mal in dieser Ecke zu putzen.

Erstmals taucht das Restaurant Bachofer auf der Liste auf

Eben das könnte einer der Gründe sein, warum Bernd Bachofer mit seinem Waiblinger Restaurant erstmals ebenso auf der Liste gelandet ist. Bei einer Kontrolle Anfang Dezember entdeckte man Ablagerungen an der Eiswürfelmaschine. Bachofer betont im Gespräch mit der Lokalredaktion, dass das Eis lediglich zum Kühlen von Getränken oder Nachspeisecremes verwendet wurde. „Cocktails bieten wir ja nicht an“, betont er. Als Grund dafür sieht Bachofer einen Fehler am Gerätetyp, dem Marktführer im Übrigen, der sich nicht so einfach abschalten und reinigen lasse. Außerdem fand der Kontrolleur benutzte Schüsseln und Küchenmaschinen, die laut Bachofer vom Catering-Auftrag am Vorabend stammten, als sehr spät in der Nacht Betriebsschluss gewesen sei.

Der Fehler des Waiblinger Sternerestaurants sei gewesen, die Sachen nicht direkt am nächsten Morgen vor Betriebsbeginn gereinigt zu haben. „Das passiert uns nicht noch einmal“, versichert Bernd Bachofer und betont, dass er für eine offene und transparente Küche wirbt. „Die Gerätschaften lagen bereits am Spültisch“, sagt er. „Mein Anspruch ist es, dass der Betrieb tadellos ist, so wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist!“

Vergisst man zu Hause Fleisch im Kühlschrank, so dass das Verbrauchsdatum überschritten und es nicht mehr genießbar ist, hat das keine Konsequenzen, sofern man es entsprechend entsorgt. Ist man aber Betreiber eines Supermarkts, Discounters, Imbisses oder Restaurants, hat das ein Nachspiel. Die Betreiber müssen mindestens eine Strafe von 350 Euro bezahlen und werden auf einer Liste aufgeführt, welche sechs Monate lang auf der Internetseite des Landkreises zu finden ist sowie auf der Seite des

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