Waiblingen

Verwalterpleite: Drei Jahre Haft

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen/Stuttgart. Es war ein Fall mit zahllosen Opfern, einem immensen Schaden und großem Unglück für die Beteiligten – jetzt wurde das Urteil gesprochen: Das Stuttgarter Landgericht hat den Waiblinger Ex-Hausverwalter Thomas Schreiber wegen Untreue und Urkundenfälschung in insgesamt 146 Fällen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen Beihilfe bekam sein Sohn eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten. 6000 Euro muss er je zur Hälfte an die Staatskasse und ein Hospiz überweisen.

Wie konnte es so weit kommen? Diese Frage hat in den vergangenen Monaten viele umgetrieben, diese Frage hat der Vorsitzende Richter der 13. Wirtschaftskammer, Frank Maurer, auch am Tag der Urteilsverkündung gestellt. Der Verwalter habe das Vertrauen von mehr als 70 Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) genossen und es missbraucht, sagte Maurer. Am Ende habe Schreiber sich strafbar gemacht, sich selbst, seinen Sohn und seine beiden Firmen hinuntergezogen. 4,5 Jahre lang habe er regelmäßig die Eigentümer getäuscht und ihnen großen Schaden zugefügt. So sei von den WEGs völlig unbemerkt ein Schaden von 915 000 Euro entstanden. „Es gab keine intensive Kontrolle der Beiräte“, resümierte der Richter. So sei es nicht aufgefallen, dass sich Schreiber bei den Konten bedient habe. Was mit einer Tat anfing, sei schließlich zum Selbstläufer geworden.

Die zweite Firma wurde künstlich am Leben gehalten

Reich geworden ist der Ex-Verwalter dabei anscheinend nicht. „Das Motiv war die wirtschaftliche Schieflage der zweiten Firma“, stellte der Richter fest. Spezialisiert war diese auf Abdichtungsverfahren für Flachdächer, doch die Aufträge liefen schlecht. „Es gab Löcher zu stopfen“, so der Richter. Schreiber habe seine Firma künstlich am Leben gehalten, auch weil sein Sohn der Geschäftsführer war. „Heute stehen wir vor einem Scherbengericht“, sagte Frank Maurer. Persönlich bereichert habe sich Schreiber allerdings nicht: Einen luxuriösen Lebensstil habe er nie geführt.

Nach Ansicht des Gerichts gilt dies auch für Schreibers Sohn. Dieser habe die Taten des Vaters gefördert und sich der Beihilfe schuldig gemacht, indem er Konten zur Verfügung gestellt und den Vater zu den Taten auch noch bestärkt habe. Aber auch er habe nicht im Luxus gelebt. Es gebe keine Hinweise, dass das Sportboot mit diesen Geldern finanziert worden sei. „Sein Motiv war, dass er der Sohn war“, so der Richter. „Er hatte nicht die Persönlichkeit, dem Vater zu widersprechen, war aber auch Profiteur davon.“

Das Geständnis sei glaubhaft

Strafmildernd haben sich bei Vater und Sohn deren umfassenden Geständnisse ausgewirkt. „Sie haben die Hosen runtergelassen und ihre Reue zum Ausdruck gebracht“, bescheinigte der Richter dem Ex-Verwalter. Das Geständnis sei glaubhaft und von vielen Zeugen bestätigt worden. Das Gericht habe aber auch Einblick gehabt in das Maß des Vertrauens, das Schreiber genossen und enttäuscht habe.

„In rechtlicher Hinsicht ist der Fall relativ einfach“, befand der Richter. Weil es die gerechte Strafe nicht gebe, habe sich das Gericht dem Thema genähert. Für Schreiber habe auch gesprochen, dass er nicht vorbestraft ist und die Taten lange zurückliegen. Auch das Opferverhalten habe eine Rolle gespielt. Zu seinen Lasten seien der lange Zeitraum der Taten und der hohe Schaden gegangen. Am Ende sei aus den vielen Einzelstrafen eine Gesamtstrafe gebildet worden. Ein geringes Gewicht der Tat attestierte der Richter Schreibers ebenfalls geständigem und nicht vorbestraftem Sohn. Dieser wurde in einem Fall der Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Lang und belastend

Das Gericht hat eine rechtsstaatswidrige Verzögerung des Verfahrens anerkannt. Eindreiviertel Jahre sei das Verfahren bei der Kammer gelegen, die aber mit einer Reihe noch älterer Verfahren betraut gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter. Zur Kompensation der besonderen Länge und Belastung gelten für das Gericht bei Schreiber deshalb drei Monate, bei seinem Sohn ein Monat als vollstreckt.