Waiblingen

Verwilderte Stückle: Bußgeld droht

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Karl-Heinz Schmid von der Interessengemeinschaft Streuobst vor einem verwilderten Stückle am Ortseingang von Rommelshausen. © Büttner / ZVW

Kernen. Verwilderte Gartengrundstücke beschäftigen die Gemeinde seit Jahren. Die Interessengemeinschaft Streuobst hat einst eine Liste mit mehr als 400 solcher Stückle erstellt. Deren Eigentümer wurden in den vergangenen Jahren zum Handeln aufgefordert. Bei rund einem Drittel fruchtete das, bei einigen Problemfällen schlägt das Ordnungsamt nun einen schärferen Ton an.

Seit einigen Jahren wird im Ordnungsamt des Kernener Rathauses ein Kampf gegen verwilderte Stückle geführt. Hauptsächlich ist die Verwaltung damit beschäftigt, Besitzverhältnisse klarzustellen und die Eigentümer der verwahrlosten Wiesen anzuschreiben. Die Minimalforderung lautet: Wiese mähen, Verwilderung beseitigen. Bislang hat die Gemeinde diesen Kampf geführt, ohne mit den Muskeln zu spielen: Ganz bewusst hat sie den Besitzern nicht mit rechtlichen Konsequenzen gedroht.

Gesetzlich verpflichtet, zu mähen

Bei einigen besonders hartnäckigen Fällen verschärft sich der Ton nun: Die Gemeinde droht vereinzelt mit Bußgeldern. Denn Stücklesbesitzer sind nach dem baden-württembergischen Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz dazu verpflichtet, sich um ihre Streuobstwiesen zu kümmern. Ordnungsgemäß beweidet oder mindestens einmal im Jahr gemäht werden sollen sie laut Gesetzgeber. Auch wer aufforsten möchte, braucht eine Genehmigung.

Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Streuobst, Karl-Heinz Schmid, begrüßt die „härtere Gangart“ der Verwaltung. Das heißt aber nicht, dass die sanfte Tour bislang keinen Erfolg gezeigt habe: Laut Schmid hat sich der Zustand circa eines Drittels der erfassten Grundstücke in den vergangenen Jahren deutlich verbessert: „Das ist eine relativ gute Erfolgsquote. Andere Gemeinden packen das Problem erst gar nicht an.“

Stückle oft im Besitz von mehreren Personen

Seinen Verein sieht der Vorsitzende als Antreiber. Immer wieder taucht er im Ordnungsamt auf, um nach dem Stand der Dinge zu fragen. Doch er ist auch als Berater im Einsatz. Einer seiner Ratschläge an die Eigentümer: Ein Stückle sollte einen Besitzer haben, nicht mehrere.

Dabei ist es gar nicht so einfach, überhaupt herauszufinden, wem ein ungepflegtes Gartengrundstück gehört. Oftmals ist es im Besitz von mehreren Personen, die teilweise gar nichts davon wissen. In Erbengemeinschaften finden sich bis zu 30, 40 Eigentümer, weiß Karl-Heinz Schmid. Angenommen, der ursprüngliche Besitzer einer Obstwiese sei in den 60er Jahren gestorben: „Da kann der Besitz sich immer weiter auffächern, das ist sehr kompliziert“.

Sinnvollste Option: Verkaufen

In vielen Fällen hält der IG-Vorsitzende den Verkauf des Grundstücks für die sinnvollste Option, insbesondere dann, wenn die Besitzer weit entfernt wohnen: „Da muss ich mich fragen: Macht das Sinn, das Stückle zu behalten, nur weil ich da als Kind mal drauf gespielt habe?“ Findet sich ein neuer Besitzer, ist das Problem der Verwilderung oft rasch gelöst – wer eine Obstbaumwiese neu erwirbt, kümmert sich in aller Regel auch um sie. Die Verkäufer hingegen müssen manchmal schlucken: Sie bekommen viel weniger bezahlt, als sie womöglich vor Jahren ausgegeben haben.

Im Kampf gegen verwilderte Wiesen sind übrigens nicht nur Privatleute in der Pflicht: Auch die Gemeinde selbst sollte sich um einige ihrer Stückle intensiver kümmern. Das forderte SPD-Gemeinderätin Ingrid Möhrle in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses. Aus dem Rathaus heißt es, das Problem soll zeitnah angegangen werden. Allerdings sei der Bauhof derzeit ausgelastet.


Fusion gescheitert

Seit zehn Jahren gibt es die IG Streuobst. Zuletzt hatten die Verantwortlichen eine Fusion mit den Obst- und Gartenbauvereinen Stetten und Rommelshausen angestrebt. Die Stettener Gruppe löste sich schließlich auf, mit den Rommelshausenern wurde weiterverhandelt. Doch trotz weit fortgeschrittener Gespräche sagte der OGV Rommelshausen laut Karl-Heinz Schmid, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Streuobst, kurz vor der Zielgeraden „überraschend“ ab. Die IG prüft nun, welche Reformgedanken sie selbst übernehmen kann.