Waiblingen

Viele Händler offen für Tupper und Co

1/5
Viele Händler offen für Tupper und Co_0
Helena Marques von der Metzgerei Weißschuh findet es klasse, wenn Verpackungsmüll gespart wird. © Palmizi / ZVW
2/5
Tupperdose
Hannelore Staiger füllt den Behälter mit Pilzen. © Benjamin Büttner
3/5
Tupperdose
Hier ist Tupper tabu. © Benjamin Büttner
4/5
Tupperdose
Von Reiner Medinger bekomme ich Mirabellen. © Benjamin Büttner
5/5
Tupperdose
Mirka Lewandowska packt den Camembert in meine Tupperdose. © Benjamin Büttner

Waiblingen. Die Champignons in der Plastikschale, den Emmentaler eingeschweißt, die Wurst doppelt verpackt: Beim Einkaufen tragen wir tagtäglich Unmengen an unsinnigem Plastikmüll nach Hause. Das muss doch auch anders gehen, habe ich mir gedacht. Und bin für den zweiten Teil meines Selbstversuchs mit Tupperdosen einkaufen gegangen. Siehe da: Nicht überall, aber bei vielen Händlern renne ich mit meinen Mehrweg-Dosen offene Türen ein.

Seit ich meinen Selbstversuch begonnen habe, haben wir schon einiges an Verpackungsmüll gespart. Obst und Gemüse kaufen wir nur noch offen ein, tabu sind Plastikschalen aus dem Discounter und dem Supermarkt. Die Meersalzbutter im Plastikbecher wurde zugunsten aluverpackter Butter gestrichen. Milch und Sahne kaufen wir im Glas, die sinnlos mehrfach verpackten Kekse sind gestrichen. Und meine Hautcreme kommt aus der Tube statt aus einem aufwendig verpackten Tiegel.

Verpackt und eingetütet wird aber auch an der Frischetheke im Supermarkt, beim Metzger und auf dem Wochenmarkt. Wobei, das zeigt sich schnell bei meinen Testkäufen, die meisten Händler bei mitgebrachten Behältern und Körben ausgesprochen entgegenkommend sind.

Eine Tüte, um die Tasche zu schonen

„Guten Morgen, wir möchten auf Verpackungen verzichten. Können wir bei Ihnen mit der Tupperdose einkaufen?“ Die Frage auf dem Wochenmarkt zaubert ein breites Lächeln in Hannelore Staigers Gesicht. „Natürlich geht das, wir sind selber dran an dem Thema“, versichert die Waiblingerin.

Nach ihrer Erfahrung kommen viele Leute mit Leinentaschen und Netzen zum Einkaufen, vieles habe sich verbessert. Andererseits, sagt sie, hätten manche eine Tasche dabei und verlangten eine Tüte, um die Tasche nicht schmutzig zu machen. 800 Gramm Champignons lasse ich mir von Hannelore Staiger in meine Tupperdose abwiegen. Zuvor kommt der Behälter auf die Waage, die wird auf Null gestellt – alles ganz unkompliziert.

Dafür sind meine Behälter ein paar Meter weiter beim Stand mit griechischer Feinkost unerwünscht: Oliven und Schafskäse kann ich so nicht kaufen. „Es geht nicht, leider“, beteuert Konstantinos Dragolas. Der Wirtschaftskontrolldienst (WKD) verbiete dies aus Hygienegründen, was Dragolas gleich zweimal bedauert. Zum einen wegen der sinnlosen Verpackungen, zum anderen, weil diese ihn auch richtig Geld kosten: „Für mich ist das ein Verlust.“

700 bis 800 Euro gibt Reiner Medinger, Erzeuger und Händler aus Stetten, im Jahr allein für Tüten aus. Dazu kommen seine Beerenschalen aus Holzschliff, von denen eine sieben Cent kostet. Immerhin seien die nicht nur geruchsneutral und abbaubar, sondern auch gut für die Beeren. Verpackungsmaterial ist für die Händler also durchaus auch ein wirtschaftlicher Faktor.

Doch nicht nur deshalb freut sich Reiner Medinger, dass immer mehr Kunden Taschen, Körbe und Tupperdosen mitbringen. „Es rückt ins Bewusstsein, dass der Müll immer mehr wird und am Ende im Meer landet“, sagt er, während er mir in meiner Tupperdose süße kleine Aprikosen abwiegt. Andererseits gebe es aber auch das andere Extrem: Leute, die sich noch eine Extratüte geben lassen, um die anderen Tüten nach Hause zu tragen.

Offen und aufgeschlossen sind auch Ivo Bunoza von Querbeet und Daniel Schmid vom Hofmarkt Schmid in Beinstein. Immer mehr Menschen bringen ihre eigenen Behälter mit, bestätigt auch Daniel Schmid. „Die Kunden auf dem Wochenmarkt sind überlegter und kaufen gezielt ein“, attestiert er seinen Kunden. „Uns ist das am allerliebsten, es ist ja auch ein Kostenfaktor.“ Dass die Kunden umweltfreundlich ohne großen Verpackungsmüll einkaufen können, empfindet er als den großen Vorteil auf dem Wochenmarkt im Vergleich zu den Discountern.

Die Tupperdose kommt auf die Theke

Nach der Abfuhr bei den Oliven bin ich gespannt, ob ich am Stand von Käse Widmann meine Tupperdosen einsetzen kann. „Natürlich“, sagt Mirka Lewandowska. „Da freue ich mich.“ Die Tupperdose wird oben auf die Theke gestellt, mein halber Camembert abgewogen und reingelegt. Ganz stressfrei und easy. Ebenso praktiziert es Marcel Gleich an seinem mobilen Metzgerstand. „Aus Hygienegründen darf ich die Tupperdosen nicht rübernehmen und auf die Ablage stellen“, erklärt er. „Deshalb lasse ich die Tupperdosen oben hinstellen.“

Noch verfeinert hat man diese Praxis in der Metzgerei Weißschuh. Dort kaufen immer mehr Kunden auch ihren Sonntagsbraten in einem mitgebrachten Behälter ein. Wurst, Fleisch und Käse müssen nicht mehr eingewickelt und eingetütet werden, sondern wandern in die mitgebrachten großen und kleinen Behälter. Die Tupperdosen werden auf die Theke gestellt, aus Hygienegründen wird ein Stück Papier untergelegt.

Für größere Einkäufe mit mehreren Behältern stellt die Metzgerei Tabletts bereit. Nach dem Einkauf werden sie mit 90 Grad gespült – hygienisch einwandfrei. Dass immer mehr Kunden umweltbewusst einkaufen, finden Helena Marques und ihre Kollegen von der Metzgerei Weißschuh richtig toll. Gut für die Umwelt und vor allem für die Meere, die voller Plastik seien. Offen zeigt sich auch Sebastiano Pilu von Caffé Pilu in der Langen Straße. „Ich kann den Kaffee aus dem großen Eimer abfüllen, kein Problem“, versichert er. Allerdings müsse er es vorher wissen, damit genügend offener Kaffee im Laden vorrätig ist.

Die Hähnchenbrust vom Metzger, die Pilze vom Wochenmarkt, der Kaffee aus der Rösterei – solche Einkäufe sind nicht nur umständlich, sie kommen auch teuer, sagen viele, die bisher im Discounter eingekauft haben. Stimmt das? Wie teuer das wirklich ist, wollen wir im nächsten Teil unseres Selbstversuchs rausfinden.


Rewe sagt Nein

Auf der Suche nach umweltfreundlichen Einkaufsmärkten in Waiblingen war ich auch bei Rewe am Postplatz. Dort gab es zu dieser Frage keine Antwort, von der Zentrale in Köln kam folgende Stellungnahme:

„Eine Annahme von mitgebrachten Behältern und die Befüllung durch das Verkaufspersonal ist aufgrund der Verantwortung des Lebensmittelunternehmers und des schwer prüfbaren Hygienezustandes der mitgebrachten Behälter aus unserer Sicht als kritisch einzustufen. Um hier nicht nur den hygienerechtlichen Anforderungen zu genügen, sondern auch und insbesondere einen maximalen Verbraucherschutz zu gewährleisten, würde es der Installierung eines weitreichenden Handhabungskonzeptes in unseren Märkten bedürfen, um Ihrem Wunsch gerecht zu werden.

Wir haben dies bereits 2017 in ausgewählten Märkten getestet und mussten unter anderem aufgrund der schwierigen Praktikabilität in diesen Märkten sowie der zurückhaltenden Kundenakzeptanz wieder ausschließlich zur herkömmlichen Handhabe zurückkehren. Zudem erfordert die Reinigung von Mehrwegbehältern in den Märkten, so wie es gerade andere Tests machen, ein hohes Maß an Energie und Temperatur, vergleichsweise aggressive, chemische Spülmittel und viel Wasser, da diese mit Spezialmaschinen erfolgen muss, um eine hygienische Reinheit in jedem Fall gewährleisten zu können.

Wir arbeiten weiter daran, hier praktikable und für unsere Kunden zumutbare Lösungen zu finden“, so Pressesprecher Thomas Bonrath.