Waiblingen

Vom Schnürsenkel bis zum Kochtopf

Krämermarkt
Sommerhosen für zehn Euro – Einkaufen auf dem Krämermarkt ist günstig. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Käse, Taschen, Socken, Schmuck. Auf dem Krämermarkt gibt’s fast alles und meist zu günstigen Preisen. Aber wer verkauft dort eigentlich? Ein Rundgang.

Luftige Stoffhosen für zehn Euro. Gürtel für fünf Euro gibt’s an einem anderen Stand. Jedes Teil ein Euro verspricht das nächste Schild. Daneben warten Nähgarn, Plastikkämme, Küchenmesser, Karabinerhaken und Schürsenkel auf Käufer.

Wer weitergeht, entdeckt auch Exotischeres: bunte Paschminaschals zum Beispiel, Besteck aus Olivenholz oder Spezialitäten aus dem Piemont. Ein Mann preist Spiegelputztücher an, ein anderer über Mikrofon seinen Gemüseschneider. Viel Kundschaft ist allerdings noch nicht da an diesem sonnigen Dienstagmittag.

"Verkaufen ist einfach mein Ding"

„Kommen Sie, einfach mal durchschauen“, ruft ein Händler. Es ist der Waiblinger Timo Kurz. Er ist 27 Jahre alt und verkauft seit sieben Jahren: zuerst Versicherungen, dann Gold und Silber, dann Kinderspielzeug – und jetzt Schmuck. „Das ist einfach mein Ding“, sagt er.

Auf etwa 200 Märkte jährlich fährt er und das deutschlandweit. Auch im Winter? Klar, bei jedem Wetter, antwortet er. Und das ohne Heizung: „Da zieht man Thermounterwäsche an und dann heißt’s hardcore durch.“ Verkaufen mache ihm Spaß. In einem Laden stehen will er aber nie wieder. Der Markt, das sei für ihn Gefühl. Er bedeute Unabhängigkeit, ungebunden zu sein. „Ich bin da mein eigener Herr und kann selbst entscheiden, wann ich morgens aufmache und wann ich abends zumache“, erklärt Kurz.

Am Stand von Monika Waschek dreht sich alles um Socken: Damensocken, Herrensocken, Kindersocken. Seit 36 Jahren verkauft die Bopfingerin sie. Zu ihrem Marktstand gekommen ist Waschek durch ihren Mann. Dessen Eltern hatten Spielwaren auf Märkten verkauft. „Für ihn war immer klar, er wird mal Marktfahrer“, erzählt sie.

Also habe sie mitgezogen. Bis zu 300 Märkte haben die beiden pro Jahr besucht, inzwischen haben sie etwas zurückgefahren und sind nur noch auf etwa 150 vertreten.

Der Markt härtet ab

Bereut hat sie ihre Entscheidung nie, an die Kälte und den Wind im Winter gewöhne man sich, das Verkaufen auf dem Markt härte ab. „Ich stehe im T-Shirt da, wenn alle anderen noch die Winterjacke anhaben“, sagt die ältere Dame mit den rot gefärbten Haaren. Und satt hat sie die Socken auch noch nicht, im Grunde mache es schon Spaß. Nur sei das Geschäft heute nicht mehr das, was es mal war.

„Es ist nicht mehr so gut wie früher und die Leute sind auch so meckrig. Die sind insgesamt unzufrieden und das geben sie weiter“, analysiert sie. Umso besser, dass sie ihre Stammkunden habe, die immer wieder kämen.

Gerlinde Summer aus Remshalden schenkt sich den Winter lieber. „So fünf, sechs Grad brauch’ ich schon. Sonst frieren mir ja die Hände ab“, sagt die 63-Jährige. Früher ist sie mit ihrer Brillenpflege auch auf Messen gegangen, aber die Zeiten sind vorbei: „Ich kann nicht mehr so gut stehen“, sagt sie und deutet auf den Klappstuhl neben ihrem Stand, auf dem sie sich hin und wieder ausruht.

Zu ihrem Marktstand ist sie durch ihren Job in einem Imbiss gekommen. „Die haben diese Pflege vor unserer Bude verkauft“, berichtet Summer. Und da habe sie gedacht: „Das probiere ich auch mal.“ Zehn Jahre ist das nun her und sie ist froh, den Schritt gewagt zu haben. Zwar mache es mal mehr, mal weniger Spaß, aber das sei wohl in jedem Beruf dasselbe.


Ein besonderes Flair

Das besondere Flair ist es, was wohl viele Kunden auf den Krämermarkt zieht. So beschreibt es zumindest Marliese Schäfer. Die Waiblingerin kommt regelmäßig auf den Markt. „Auch wenn man hier eigentlich den Wecker danach stellen kann, dass schlechtes Wetter ist“, sagt sie.