Waiblingen

Vor Gericht: Vier junge Männer brechen zahlreiche Zigarettenautomaten auf

Zigarettenautomat
Symbolfoto Zigarettenautomat - Gerichtsprozess - Jugendliche haben Automaten aufgebrochen - Foto Gaby Schneider 20.11.2020 - hier in Grunbach © Gaby Schneider

Das Amtsgericht hat am Freitag vier junge Männer wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall verurteilt. Zwei von ihnen haben 23 Zigarettenautomaten in der gesamten Region aufgebrochen und Bargeld entwendet. Die anderen beiden sollen sie dabei unterstützt haben. Wie kam die Polizei den Tätern auf die Spur?

„Wie Gzuz“, witzelt einer der jungen Angeklagten vor dem Bürgerhaus Waiblingen, in dem die Verhandlung wegen des Coronavirus stattfindet, noch zu einem seiner Kumpels. Er bezieht sich auf einen bekannten Rapper, der erst kürzlich zu einer 18-monatigen Haftstrafe und einer Geldstrafe von über einer halben Million Euro verurteilt wurde. Ein anderer Angeklagter, der im Gerichtssaal zwei Reihen vor ihm sitzt, macht mit seinen Fingern ein Peace-Zeichen in Richtung der Zuschauer. Freunde der Angeklagten verfolgen den Prozess. Die vier jungen Männer in Sneakern und Jeans geben sich betont cool. Erst als der Richter und zwei Schöffen den Gerichtssaal betreten werden ihre Gesichter ernster.

Das Duo war an vielen Automaten zugange

Was hier heute verhandelt wird, ist nicht irgendeine Bagatelle. Einem 24-jährigen Italiener und einem 20-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, im vergangene Jahr zwischen Mitte April und Anfang Juli 22 Zigarettenautomaten aufgebrochen zu haben. Sie sollen die Taten gemeinsam geplant und verübt haben. Wer ursprünglich die Idee dazu gehabt habe, das könnten sie heute nicht mehr sagen. Unter anderem Automaten in Fellbach, Waiblingen, Winnenden, Leutenbach, Berglen Kernen und Weinstadt waren betroffen.

Hoher Schaden

Vor allem auf Zigarettenautomaten in Industriegebieten hatte es das Duo abgesehen. Bei einzelnen Geräten scheiterte der Diebstahl und es blieb bei einer Sachbeschädigung, an anderen Tagen erbeuteten sie teils über 1000 Euro. Neben den Zigarettenautomaten hatten es die beiden auch auf den Automaten einer Fellbacher Autowaschanlage abgesehen. Doch der Versuch, das Gerät dort aufzubrechen, scheiterte. Insgesamt erbeuteten die vier Männer mindestens 10 675 Euro. Der Sachschaden beträgt ein Vielfaches.

Die Angeklagten geben ihre Taten zu

Die Angeklagten räumen die Taten vor Gericht vollumfänglich ein. Warum es zu den Taten kam? Der 24-jährige Angeklagte erklärt sie mit den Geldproblemen, die sie damals auf die Idee gebracht hätten. Inzwischen habe er sich gebessert, nach der Untersuchungshaft sei er nach Nordrhein-Westfalen gezogen und sei der Arbeit in einer Eisdiele nachgegangen. Er wolle sich künftig mehr um seine drei Jahre alte Tochter kümmern.

„Automat ist sein Leben“

Im Fall des 24-Jährigen besonders erstaunlich: Wegen eines Magendurchbruchs war er im Sommer im Krankenhaus, doch schon wenige Tage danach, begann er wieder mit dem Aufbrechen von Geldautomaten. Auch die Mittäter waren offenbar davon erstaunt. „Automat ist sein Leben“, schrieb einer der Angeklagten laut Akten in eine gemeinsame Chat-Gruppe.

Der 20-jährige Mann aus Kernen, der mit ihm die Taten durchgeführt hat, sagt Ähnliches aus. Auch er habe sich geändert. „Ich war faul“, sagt er vor Gericht. Jeden Tag habe er gekifft. Inzwischen bezahlt er jeden Monat 75 Euro zur Wiedergutmachung an eine der geschädigten Firmen. Außerdem sei er inzwischen drogenfrei und mache eine Ausbildung zum Altenpfleger.

Brecheisen kommt zum Einsatz

Anfangs hätten sie sich beim Aufbrechen der Automaten mit Brecheisen und Zange noch schwergetan, doch irgendwann ging es dann leicht. Einer der Anwälte spricht von einem Rausch, den die Taten in den jungen Männern ausgelöst hätten.

Die beiden anderen Angeklagten, die ebenfalls aus Kernen sind, bekamen von den Taten ihrer Freunde mit und hätten mitmachen wollen. Auch sie hätten Geld gebraucht. „Das war eine richtig dumme Idee“, sagt einer von ihnen vor Gericht. Er bereue es inzwischen. In drei Fällen sollen die beiden anderen Angeklagten das Duo unterstützt haben. Von den insgesamt über 10 000 erbeuteten Euro haben sie aber nur jeweils zwischen 200 und 500 Euro bekommen.

Polizei leistet Fleißarbeit

Die hohe Zahl an aufgebrochenen Zigarettenautomaten fiel bei der Polizei auf, erklärt der ermittelnde Kriminalkommissar vor Gericht. In einer der Tatnächte seien die beiden Haupttäter schließlich von einem Taxifahrer beobachtet worden, der die Polizei informierte. Die beiden Haupttäter konnten ermittelt und festgenommen werden. In Untersuchungshaft gestand der 24-Jährige die Taten. Über Mobilfunkdaten der Handys konnte schließlich auch zweifelsfrei die Beteiligung der anderen Täter ermittelt werden. Der Richter lobte die Arbeit des Kommissars, er habe „große Fleißarbeit“, geleistet.

Die Männer haben Vorstrafen

Die vier Angeklagten, die an diesem Tag vor Gericht sitzen, sind allesamt polizeibekannt und haben diverse Vorstrafen. Trotzdem werden ihre Haftstrafen auf Bewährung ausgesetzt. Der Richter spricht von einer milden Strafe. Man rechne den beiden Haupttätern hoch an, dass sie sich inzwischen gebessert hätten. Der 24-Jährige habe sich geständig gezeigt und auch gegen die anderen Täter ausgesagt. Er wurde zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Für ihn gilt Erwachsenenstrafrecht. Auf die anderen drei Täter wird das Jugendstrafrecht angewendet.

Auch der 20-Jährige aus Kernen sei mit seiner Ausbildung im sozialen Bereich inzwischen auf dem richtigen Weg. Eine Haftstrafe bedeute wohl das Ende der Ausbildung, das wolle man verhindern. Er wurde zu zwei Jahren Bewährung verurteilt. Doch der Richter mahnt, dass er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen dürfe und sagt: „Zwischen Ihnen und die Justizvollzugsanstalt passt kein Blatt mehr“. Die Helfer des kriminellen Duos müssen Arbeitsstunden ableisten. Die Taten werden sie aber wohl noch eine ganze Weile spüren. Den erbeuteten Betrag müssen die vier anteilig zurückzahlen.

Das Amtsgericht hat am Freitag vier junge Männer wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall verurteilt. Zwei von ihnen haben 23 Zigarettenautomaten in der gesamten Region aufgebrochen und Bargeld entwendet. Die anderen beiden sollen sie dabei unterstützt haben. Wie kam die Polizei den Tätern auf die Spur?

„Wie Gzuz“, witzelt einer der jungen Angeklagten vor dem Bürgerhaus Waiblingen, in dem die Verhandlung wegen des Coronavirus stattfindet, noch zu einem seiner

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