Waiblingen

Vorbestrafter Waiblinger massiert Jugendlichem gegen Geld die Füße: Bewährung

Symbolfoto Amtsgericht
Amtsgericht Waiblingen. © Joachim Mogck

Wegen versuchten und vollendeten sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen ist ein Waiblinger zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Sie wurde zur Bewährung ausgesetzt. Auch des Erwerbs, Besitzes und der Verbreitung von kinderpornografischen Schriften ist der Mittdreißiger schuldig gesprochen worden. Die Gesamtfreiheitsstrafe setzte das Amtsgericht Waiblingen mit einem Jahr und sechs Monaten fest.

Der Angeklagte stand nicht zum ersten Mal vor dem Richterpult. Dorthin geführt hatten ihn diesmal wachsame Mütter, die im Sommer 2019 genau hingehört hatten, was ihre Kinder erzählten. Sie alarmierten sich zunächst gegenseitig und dann die Polizei. Einer der Mütter war aufgefallen, dass ihr jugendlicher Sohn mit einer angeblichen „Sarah“ und einem weiteren User chattete. Hinter diesen Fake-Namen verbarg sich der Angeklagte, mit dem sich der Junge verabredet und auch getroffen hatte. Der Jugendliche hatte 30 Euro dafür erhalten, dass er dem Mann seine Füße ins Gesicht streckte und sie sich von diesem massieren ließ.

Den Wunsch des Mannes, ihm in den Mund zu koten und ihm seine Exkremente zu verkaufen, hatte der Junge abgelehnt. Bei einem weiteren heimlichen Treffen waren auch noch zwei Freunde des Jungen dabei. Nach diesem Treffen hatte der Angeklagte mit den Jungen einen Bankautomaten aufgesucht, um von seinem Konto das mit ihnen für die Bezahlung der Handlungen vereinbarte Geld abzuheben. Dabei entstand eine Videoaufzeichnung, die für die weitere Strafverfolgung allerdings nicht herangezogen wurde, da die Bank die Zusammenarbeit mit der Polizei verweigerte.

Polizei vergleicht Phantombild mit bekannten Tätern

Die Anzeige durch die Mütter löste intensive polizeiliche Ermittlungen nach dem Angeklagten aus, berichtete die verantwortliche Beamtin dem Gericht. Nach Angaben der Jungen wurde ein Bild angefertigt und mit dem vorhandenen Bildmaterial von einschlägig bekannten Tätern mit einem ähnlichen Neigungsprofil abgeglichen. Dadurch konnte er identifiziert werden. Dies wiederum führte zu einer Durchsuchung des Zimmers des Angeklagten, der bei seiner Mutter in der Wohnung lebt.

Die Polizisten fanden Datenträger mit jugend- und kinderpornografischem Material und das Mobiltelefon mit dem Chatverlauf mit den drei Jungen und einem weiteren Sechzehnjährigen, mit dem sich der Angeklagte zwischen Dezember 2016 und Januar 2017 getroffen hatte und der die gewünschten Handlungen an ihm für 30 Euro vorgenommen hatte.

Therapie und Arbeit: Richter sieht positive Sozialprognose

Die Freiheitsstrafe gegen den Mann wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, gegen eine Geldbuße in Höhe von 1200 Euro an die Olgälestiftung und von 1200 Euro an die Sozialberatung Stuttgart. Er wird der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt, hat die Kosten des Verfahrens zu tragen und jeden Wechsel des Wohnsitzes unaufgefordert dem Gericht zu melden.

Erschwerend für den Angeklagten, so der Richter in seiner mündlichen Urteilsbegründung, komme hinzu, dass er zum Zeitpunkt der Taten unter Bewährung stand und mehrere Einträge im Bundeszentralregister aufzuweisen habe, darunter wegen zehnfachen sexuellen Missbrauchs. Zu seinen Gunsten spreche, dass er vor Gericht ein volles Geständnis ablegte und es dadurch den Jugendlichen erspart habe, als Zeugen in der Verhandlung aussagen zu müssen.

Zugutehalten müsse man ihm auch, dass die Taten teilweise sehr lange zurücklägen und dass er sich zwischenzeitlich einer anscheinend erfolgreichen Therapie unterzogen habe. Dass er in das Leben der Eltern fest eingebunden sei und über einen Arbeitsplatz im technischen Bereich verfüge, erlaube eine positive Sozialprognose.

"Letzte Chance vor dem Gefängnis"

Allerdings, gab ihm der Richter mit auf den Weg, stelle dies „die letzte Chance vor dem Gefängnis“ dar. Es sei wohl nachvollziehbar, dass es eine Belastung darstelle, mit einer Neigung zurechtzukommen, die sich jenseits der üblichen Norm befinde. Aber man könne Versuchungen auch widerstehen.

Die Grenze werde vom Gesetz gezogen, und das sage: „Finger weg von Kindern und Jugendlichen!“ Der Angeklagte verzichtete auf Rechtsmittel. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Wegen versuchten und vollendeten sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen ist ein Waiblinger zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Sie wurde zur Bewährung ausgesetzt. Auch des Erwerbs, Besitzes und der Verbreitung von kinderpornografischen Schriften ist der Mittdreißiger schuldig gesprochen worden. Die Gesamtfreiheitsstrafe setzte das Amtsgericht Waiblingen mit einem Jahr und sechs Monaten fest.

Der Angeklagte stand nicht zum ersten Mal vor dem Richterpult. Dorthin geführt hatten ihn

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