Waiblingen

Vormittagsbetreuung in Waiblingen: Anfragen von Eltern nehmen zu

Wichtelstube
Despina Eberle und Deniz Paul sind „mit Herz“ bei der „Wichtelstube“ dabei. © Gabriel Habermann

Keine Vollzeit-Kita, sondern ein Ort, an dem Kinder an einem, zwei oder maximal drei Vormittagen in der Woche betreut werden – und zwar meist von Müttern oder Omas. Das ist das Konzept des Vereins „Wichtelstube“ aus Waiblingen. 1991 haben Eltern ihn gegründet, weil es keine Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gab. Heute besteht zumindest ein theoretischer Anspruch darauf.

In der Vormittagsbetreuung der „Wichtelstube“ können die Kleinkinder im Alter von ein bis drei Jahren den Kindergarten-Alltag „im kleinen Rahmen üben“ und erste Erfahrungen mit Gleichaltrigen sammeln, erzählt die Erste Vorsitzende Despina Eberle. Die Eltern haben Zeit für sich oder für Erledigungen und zahlen dafür einen monatlichen Beitrag. Allerdings fehlt es auch dem Verein an Personal: Was in der Kita Fachkräfte sind, die fast überall dringend gesucht werden, sind beim Verein Ehrenamtliche. Und auch kommen immer mehr Anfragen von Eltern, die sich einen Platz für ihre Kinder wünschen, sagt Eberle. Die Wichtelstube sucht deswegen weitere Mitstreiter.

„Die Wichtelstube wurde aus einer Elterninitiative heraus gegründet“, berichtet Despina Eberle. Das Motto des Vereins: „Von Müttern für Mütter“. Die 37-Jährige kam selbst als Mutter zweier Kinder vor sechs Jahren zur Kinderbetreuung, um das Angebot zu nutzen. Inzwischen ist sie seit mehr als drei Jahren im Vorstand und kümmert sich um „den bürokratischen Teil“ der Kinderbetreuung. Deniz Paul, Zweite Vorsitzende, ist voll berufstätig als Versicherungsberaterin. Auch die 44-Jährige hat zwei Kinder. Sie kam im April 2021 als Betreuerin zum Verein, kurz darauf auch in den Vorstand.

Aktuelle Betreuerinnen haben pädagogische Erfahrung

Gemeinsam sind Eberle und Paul für die Auswahl der Betreuerinnen verantwortlich. Besonders wichtig ist ihnen Erfahrung im Umgang mit und in der Erziehung von Kleinkindern. Bislang seien es stets Mütter und Omas, die sich um die Betreuung der Kleinkinder kümmern. „Es hat sich wohl bewährt“, sagt Deniz Paul. Erste Erfahrungen mit eigenen Kindern erleichterten die Tätigkeit. Denn die meisten Mütter wüssten bereits, worauf man im Umgang mit jungen Kindern achten müsse.

Laut den Vorsitzenden haben die drei aktuellen Betreuerinnen aber auch pädagogische Erfahrung. Zwei der drei Betreuerinnen seien zurzeit auch in der Tagesbetreuung von Schulen tätig – die dritte sei vor der Rente Erzieherin im Kindergarten gewesen.

Um Betreuerin zu werden, müsse man sich „auf klassische Weise“ – mit einem Vorstellungsgespräch – bewerben, sagt Despina Eberle. Bei der Auswahl legten sie Wert auf den Lebenslauf, hörten aber auch auf ihr „Bauchgefühl“ – das habe bis jetzt immer gut funktioniert.

Vor einer Zusage arbeiten die Bewerberinnen, die für ihren Einsatz eine Aufwandsentschädigung erhalten, zunächst Probe – so können beide Seiten schauen, ob es tatsächlich passt. Ebenso sei wichtig, dass es sich um ein zuverlässiges und langfristiges Mitglied handelt. „Die jungen Kinder brauchen Beständigkeit“, so Deniz Paul.

Zweiter "Wichtelstube"-Standort wäre denkbar - früher gab es fünf

Der Verein „Wichtelstube“ hat momentan mehr als 40 Mitglieder – diese sind aber im ständigen Wechsel. Denn die aktiven Mitglieder sind die Eltern, deren Kinder in der Wichtelstube betreut werden. In der Regel ist ein Kind für ein Jahr in der Vormittagsbetreuung, bis es dann einen Platz im Kindergarten bekommt. Der Verein wird durch die Beiträge der Eltern sowie Spenden finanziert. Die Beiträge orientieren sich an der Betreuungszeit des Kindes. Die Betreuung wird von Montag bis Mittwoch angeboten, jeweils von 8.45 bis 12 Uhr.

„Die meisten Kinder sind an allen drei Tagen da“, berichtet Despina Eberle. Das sei auch wichtig, da sich die Kinder nicht richtig an die neue Umgebung gewöhnen könnten, wenn sie nur einmal pro Woche dort wären. Zudem sei die Betreuung eine große Entlastung für die Eltern, die das Angebot nutzen – so die Rückmeldung der Mitglieder. Darunter sind Mütter, die noch ein weiteres Kind bekommen haben und sich um das Baby kümmern müssen, Alleinerziehende, Vollberufstätige.

Despina Eberle ist froh, dass die Nachfrage wieder steigt. „Es sind rund zehn Wichtel auf der Warteliste“, sagt sie. In den letzten 15 Jahren sah es nämlich noch anders aus: Bis 2008 gab es in Waiblingen fünf Standorte der „Wichtelstube“. Im Jahr 2011 waren es bereits nur noch drei Häuser. Seit 2018 gibt es das Betreuungsangebot nur noch im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der Talstraße. Doch inzwischen, so Deniz Paul, sei die ehrenamtliche Kinderbetreuung durch „herzliche Weiterempfehlung“ der Mitglieder sowie Pressearbeit wieder präsenter. Zudem wird nicht mehr wie früher an vier Tagen pro Woche betreut, sondern nur noch an drei.

Schwierige Suche nach Räumen und nach Betreuern

Wegen der vielen Anfragen überlegt der Verein nun, wieder einen zweiten Standort zu eröffnen. Im Moment dürfen maximal zehn Kinder pro Tag angemeldet sein. Ansonsten wird es zu unübersichtlich und dadurch möglicherweise gefährlich, da die Betreuerinnen nur zu zweit sind. Doch die Suche nach einem weiteren, kindergerechten Ort sowie nach weiteren Betreuern gestaltet sich laut den Vorsitzenden schwierig. Darum gibt es noch keine konkreten Perspektiven für die Erweiterung des Betreuungsangebots.

Keine Vollzeit-Kita, sondern ein Ort, an dem Kinder an einem, zwei oder maximal drei Vormittagen in der Woche betreut werden – und zwar meist von Müttern oder Omas. Das ist das Konzept des Vereins „Wichtelstube“ aus Waiblingen. 1991 haben Eltern ihn gegründet, weil es keine Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gab. Heute besteht zumindest ein theoretischer Anspruch darauf.

In der Vormittagsbetreuung der „Wichtelstube“ können die Kleinkinder im Alter von ein bis drei Jahren

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