Waiblingen

Wählerwanderungen: Wer hat wen gewählt?

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Die meisten Wähler konnte die AfD bei der CDU und den Nichtwählern abschöpfen. © Christine Tantschinez

Waiblingen. Die Christdemokraten haben vor allem an die AfD Wähler verloren. Die Grünen haben gleichermaßen vom Zustrom ehemaliger SPD- wie von CDU-Wählern profitiert. Das Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung in Ulm hat für unsere Zeitung die Wählerwanderungen im Rems-Murr-Kreis sowie in ausgesuchten Städten und Gemeinden analysiert.

Wir betrachten die Wählerwanderungen für den gesamten Rems-Murr-Kreis und für ausgewählte Gemeinden; und zwar für solche, die am Sonntag Hochburgen von bestimmten Parteien waren. Zum Beispiel die Gemeinde Rudersberg. Fast jeder vierte Wähler (22,1 Prozent) hat in Rudersberg seine Stimme für die AfD abgeben. Woher kamen diese 1356 Stimmen für die Rechtspopulisten? Dem Institut für Wahl- , Sozial- und Methodenforschung zufolge zu fast einem Drittel von ehemaligen CDU-Wählern (443) sowie aus dem Fundus der Nichtwähler (255), aber auch von ehemaligen SPD-Wählern (228) und Grünen (160).

Keine Sorge: Das IWSM hat am Sonntag den Wählern weder in den Wahlkabinen in Rudersberg noch sonstwo über die Schulter geschaut, wenn sie ihre Stimmzettel ausfüllen. Bei den Wählerwanderungen handelt sich um rein statistische Größen, in die amtliche Repräsentativstatistik einfließen sowie Vor- und Nachwahlbefragungen beispielsweise der Forschungsgruppe Wahlen und Forsa, heißt es in den Erläuterungen des IWSM (siehe unten: „Wählerwanderung“).

Im Mittelpunkt der Grafiken steht in aller Regel die AfD, weil sie die erstmals bei einer Landtagswahl angetreten ist. An ihrem Beispiel zeigen sich die Wählerströme am deutlichsten, da sie nur in eine Richtung gingen. Die AfD konnte eben keine Stimmen an andere Parteien abgeben. Bei den anderen Parteien, zu denen im Übrigen auch die Nichtwähler gezählt werden, sieht das ein bisschen anders aus. In Ruderberg sind laut IWSM netto 259 Stimmen von der CDU zur FDP „gewandert“. Tatsächlich aber war der Austausch sogar noch größer: 290 ehemaligen CDU-Wähler machten ihr Kreuz bei der FDP, aber auch 31 ehemalige FDP-Wähler wechselten zur CDU, so dass netto ein Wanderungssaldo von 259 Wählern entstanden ist.

Das Wieslauftal gehört wie auch die Gemeinde Alfdorf und die Stadt Welzheim in unserem Verbreitungsgebiet seit jeher zu den Hochburgen der Rechten, wie die starken Ergebnisse der Republikaner im Jahr 1992 zeigten. In Rudersberg strömten viele CDU-Wähler zur AfD, so das die CDU dort stärker als im Wahlkreis Schorndorf und im gesamten Rems-Murr-Kreis an Stimmen einbüßte, nämlich beachtliche 16 Prozentpunkte.

In der Grünen-Hochburg Winterbach (31,5 Prozent) war die SPD der größte Netto-Verlierer bei den Landtagswahlen: Die Zahl ihrer Wähler hat sich von über 1000 auf 550 fast halbiert. Der größte Teil wechselte zu den Grünen. Aber auch die AfD scheint für viele enttäusche SPD- und Grünen-Wähler eine Alternative zu sein, wie die Wanderungssalden zeigen.

Ergebnisse der Landtagswahlen im Rems-Murr-Kreis

In den drei Rems-Murr-Wahlkreisen Waiblingen, Schorndorf und Backnang ist die Wahlbeteiligung von 70,7 auf 73,5 Prozent gestiegen. Die Grünen sind 2016 zwar in den Wahlkreisen Schorndorf und Waiblingen an der CDU vorbeigezogen, doch über alle drei Wahlkreise hinweg blieb die CDU im Landkreis Rems-Murr auch am 13. März 2016 die stärkste Partei:

CDU 26,5 (38,9) %, -12,4 %

Grüne 25,8 (22,1) %,  + 3,7 %

SPD 14,0 ( 23,5) %,  -9,5 %

FDP 10,8 (8.1) %,  +2,7 %

Linke 2,3 ( 2,7) %,  -0,4 %

Piraten 1,0 (1,6) %,  -0,6 %

AfD 16,5 (-) %,  +16,5 %


Die PDFs mit den Wählerbewegungen für die einzelnen Orte gibt es hier zum Download:

Wählerwanderungen

Das Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung in Ulm wurde 1980 gegründet. Das IWSM wurde 1980 gegründet und steht eigenen Angaben zufolge für mathematisch-statistische Methodenforschung auf allen Gebieten der empirischen Wahlforschung.

Die Wählerwanderungen werden mit einem statistischen Verfahren berechnet, das ein Maximum an individuellem Wählerverhalten mit einbezieht, verweist das IWSM auf Stimmensplitting aus der amtlichen Repräsentativstatistik, wissenschaftliche Vor-/Nachwahlbefragungen sowie Vorwahlbefragungen von Forschungsgruppe Wahlen und FORSA. Der durchschnittliche Fehler bei den einzelnen Wanderungssalden zwischen den Parteien liege auf der Gemeindeebene absolut unter 0,01 Prozent der Wahlberechtigten.

Als Ergebnis können ausschließlich Wanderungssalden oder Nettowanderungen dargestellt werden. Ein Beispiel: Hat die CDU von der FDP drei Prozent der Wahlberechtigten erhalten, aber ein Prozent an sie abgeben müssen, dann beläuft sich der Netto-Wanderungsgewinn für die CDU auf zwei Prozent. In unseren Grafiken weisen wir lediglich die absoluten Wanderungssalden aus und verzichten auf Prozentangaben.