Waiblingen

Waiblingen: Angelika Neudek setzt sich vom Rathaus aus für Frauenrechte ein

Neuendek
Angelika Neudek steht mit ihrem Amtsantritt vor aktuellen Themen: Häusliche Gewalt in der Corona-Pandemie und die Unterstützung von Frauen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, beschäftigen sie derzeit. © ZVW/Gabriel Habermann

Seit Juli hat sie ihr eigenes Büro in den Räumlichkeiten der Stadtverwaltung, von dort aus setzt sie sich vor allem für eines ein: Frauenrechte. Angelika Neudek ist die Nachfolgerin von Gabi Weber, die bereits im Februar vom Rathaus in das Sozialministerium wechselte. Im Sommer dann besetzte Neudek die Stelle, sie arbeitete zuvor in der Esslinger Stadtverwaltung. Nun ist sie die neue Beauftragte für Chancengleichheit und zusätzlich zuständig für das Netzwerk Asyl. In ihrem neuen Amt wird sie auch als Geschäftsführerin des Bürgergremiums Frauenrat tätig sein.

Ihr Motto: „Es ist wichtig, immer wach durch die Welt zu laufen.“ Frauen-Themen haben die 53-Jährige stets interessiert, ihr sei es wichtig, Dinge verändern zu können. Dass sie den Mut dazu hat, beweist Angelika Neudek, als sie ihr Leben mit Mitte 30 noch einmal komplett umkrempelt.

Angelika Neudek beginnt nach 16 Jahren in einer Bank ein ganz neues Studium

Nicht immer habe sie in der Stadtverwaltung gearbeitet, ursprünglich sei sie gelernte Bankkauffrau. 16 Jahre lang war sie in ihrem erstgelernten Beruf tätig, bis sie den Entschluss fasste, mit Mitte 30 noch einmal etwas anderes zu machen. Ihr Mann sei es gewesen, der sie schlussendlich dazu ermutigt habe, ihren Wunsch, Soziale Arbeit zu studieren, in die Tat umzusetzen. „Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagt Angelika Neudek, die mit ihrem Mann in Hegnach lebt und zwei Kinder hat.

Mit der 50-prozentigen Auslastung durch die beiden Arbeitsfelder Chancengleichheit und Netzwerk Asyl gestaltet sich das neue Arbeitsfeld von Angelika Neudek vielfältig. „Ich kann gar nicht sagen, wie so ein typischer Arbeitsalltag abläuft, weil jeder Tag verschieden ist.“ Am Ende haben jedoch alle eines gemeinsam: Der Alltag für Frauen in Waiblingen soll sicherer werden.

Und das ist durch die Corona-Pandemie gar nicht so einfach. „Inhaltlich ist die Herausforderung sehr groß“, so Neudek. „Themen wie häusliche Gewalt haben wieder zugenommen.“ Darauf möchte sie aufmerksam machen, Menschen, die etwas mitbekommen haben oder selbst betroffen sind, dazu ermutigen, etwas zu sagen. Am 25. November ist Tag der häuslichen Gewalt, Angelika Neudek möchte diesen Anlass nutzen, um die Thematik in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe sollen beispielsweise Plakate gestaltet werden, auf denen die Telefonnummer des Hilfetelefons abgedruckt ist. „Dadurch entsteht eine niederschwellige Anlaufstelle“, sagt Neudek.

Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg bringen neue Aufgaben mit sich

Genauso aktuell und wichtig sei die Organisation von Hilfsangeboten für ukrainische Frauen und Kinder, die vor dem russischen Angriffskrieg geflohen sind. Nach dem Eintreffen erster Familien in Waiblingen wurde der Begegnungstreff ins Leben gerufen, dessen Organisation Angelika Neudek übernimmt.

Darüber hinaus wird sie Projekte wie den Weltfrauentag im März oder den Weltmädchentag im Oktober gestalten. Unabhängig von den organisatorischen Aufgaben sieht die 53-Jährige ihre Pflicht aber auch darin, auf Alltagssexismus aufmerksam zu machen. „Wenn ich ein sexistisches Plakat sehe oder bemerke, dass ein Veranstalter hauptsächlich männliche Referenten einlädt, dann spreche ich die Verantwortlichen darauf an.“ Auch eine genderneutrale Sprache in redaktionellen Texten sei ihr wichtig.

Wenn ein Thema aufkommt, nimmt die Geschäftsführerin es mit in den Frauenrat

Themen, auf die sie aufmerksam machen möchte, trage sie weiter in ein Gremium, den Frauenrat, der sich für die Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft einsetzt.

Bestehend aus Vertreterinnen verschiedener Parteien und Vereine, teilt sich der Frauenrat Waiblingen in verschiedene Arbeitsgruppen ein. Jede Einzelne kümmert sich dann um einen jeweiligen Themenschwerpunkt. Der Frauenrat steht Angelika Neudek zufolge in engem Kontakt mit anderen Gremien, wie beispielsweise dem Seniorenrat. Dieser Austausch sei wichtig, damit der Frauenrat die Themen der anderen Gremien aufgreifen oder aber Aufmerksamkeit für eigene Themen schaffen kann.

Im Falle des Seniorenrats sei das beispielsweise Altersarmut von Seniorinnen: „Viele bekommen eine kleine Rente, weil sie früher kaum gearbeitet haben.“ Gerade angesichts der aktuell hohen Preise stelle sich da die Frage, wie von Armut betroffene Seniorinnen diese Krise meistern können. „Für viele ist es unangenehm, sich Hilfe zu holen“, sagt Neudek.

Diese und andere Hürden möchte sie abbauen und problematische Strukturen hinterfragen. Ihr Platz in der Stadtverwaltung ist dafür ein geeigneter Ort, denn: „Hier sind die Wege nicht weit, so kann ein guter Austausch stattfinden.“

Seit Juli hat sie ihr eigenes Büro in den Räumlichkeiten der Stadtverwaltung, von dort aus setzt sie sich vor allem für eines ein: Frauenrechte. Angelika Neudek ist die Nachfolgerin von Gabi Weber, die bereits im Februar vom Rathaus in das Sozialministerium wechselte. Im Sommer dann besetzte Neudek die Stelle, sie arbeitete zuvor in der Esslinger Stadtverwaltung. Nun ist sie die neue Beauftragte für Chancengleichheit und zusätzlich zuständig für das Netzwerk Asyl. In ihrem neuen Amt wird sie

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