Waiblingen

"Waiblingen first": Hesky hat als OB für seine Stadt gelebt

Abschied Hesky
OB Andreas Hesky beim Abschied zwischen seiner Frau Andrea und Tochter Kerstin. © Benjamin Büttner

Nach 16 Jahren hat Oberbürgermeister Andreas Hesky die Amtskette abgelegt. Nur noch bis Sonntag bleibt er im Dienst – dann folgt etwas, das seine Wegbegleiter und auch er selbst sich kaum vorstellen können: Hesky im Ruhestand – als „Alt-OB“. Beim Festakt zu seiner Verabschiedung äußerten die Redner ihre Bewunderung über seinen nahezu grenzenlosen Einsatz. Als prägnantes Beispiel für sein exorbitantes Arbeitspensum durfte in keinem Grußwort der Hinweis auf seine berühmten nächtlichen E-Mails fehlen. Die Tagesordnung zur montäglichen Dezernentenrunde, verriet Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr, wurde meist am Sonntagabend verschickt, wenn andere gerade ihren „Tatort“ angesehen haben.

"Waiblingen first"

Für seinen Traumberuf Oberbürgermeister habe Hesky gebrannt, sagte Landrat Richard Sigel. Die Interessen der Stadt standen stets obenan: „Sie haben ,Waiblingen first’ gelebt.“ Trotzdem habe Hesky, der 2009 als Stimmenkönig in das Regionalparlament gewählt wurde, den Spagat zwischen Oberbürgermeister und Kreisrat geschafft. „Sie waren eben nicht nur Oberbürgermeister, sondern Sie sind mit Ihrer Haltung und Ihrer Einstellung auch ein Verfechter und Verteidiger der Grundprinzipien unserer Demokratie. Sie hatten eben doch nicht nur Waiblingen, sondern immer auch das große Ganze im Blick.“

Er habe einen wichtigen Beitrag für das Zusammenwachsen des Rems-Murr-Kreises und das Überwinden früherer Gräben geleistet. Gemeinsam trieben Landkreis und Stadt das Neubaugebiet Klinik-Areal voran und fanden einen Standort für eine neue Rettungsleitstelle und das Deutsche Rote Kreuz gegenüber der Rundsporthalle.

Freund und Ratgeber Hans Wössner

Alle konnten es während dieser 16 Jahre spüren: OB zu sein, das war für Andreas Hesky erfüllend, trotz der 80 Arbeitsstunden pro Woche. „Das Amt war mir nie eine Last“, bestätigt er. Es sei nicht immer leicht gewesen, aber für Stadt und Bürgerschaft zu arbeiten habe immer wieder Mut und Zuversicht geschenkt und ließ ihn „mit einem Strahlen ins Büro gehen, genauso wie in Sitzungen“. Zu danken gab es vielen, unter anderem dem Gemeinderat, den Bürgern, seinem Ratgeber und Freund Hans Wössner, seinem Vor-Vorgänger Ulrich Gauss, Vereinen und Kirchen, früheren Chefs und nicht zuletzt seiner persönlichen Referentin Gabriele Simmendinger.

Familie kam zu kurz

Nicht seine Frau Andrea habe die Entscheidung getroffen, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten, beteuerte das scheidende Stadtoberhaupt: „Gut erinnere ich mich daran, dass meine Frau es anfänglich für einen meiner ,üblichen kleinen Scherze’ hielt, als ich ihr sagte, dass ich mir überlege, nicht mehr zu kandidieren.“ Das Familienleben sei stets zu kurz gekommen. „Unsere Kinder habe ich, als sie klein waren, meist nur schlafend oder beim Frühstück gesehen.“ Als Grund fürs Aufhören nannte Hesky bereits bei einer Pressekonferenz am 2. Juli die überraschende Notwendigkeit einer neuen Lebensperspektive nach rund 30 Jahren als (Ober-)Bürgermeister.

Immer offenes Ohr für Unternehmen und Vereine

Den Menschen zugewandt und anpackend – so habe er Andreas Hesky schon bei einem ersten Kennenlern-Gespräch 2006 erlebt, als dieser noch OB-Kandidat war, erinnerte sich Ullrich Villinger, BdS-Vorsitzender und Geschäftsführer des Zeitungsverlags Waiblingen. Er sprach namens der Waiblinger Unternehmen, Vereine und Organisationen. So zupackend erlebe man den OB nun auch angesichts des Ukraine-Krieges. „Seit zwei Wochen leben wir nicht mehr in einer normalen Zeit. Die Auswirkungen des Krieges und die Fluchtbewegungen werden uns schon bald erreichen.“ Sofort engagierte sich der Rathauschef für die Organisation von Wohnraum und Hilfen für Geflüchtete. Für Bürger, Unternehmen und Vereine habe er immer ein offenes Ohr gehabt – und habe versucht im Konsens vernünftige Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Mathias Klopfer und die OB-Kollegen

Von freundschaftlichen Kontakten im OB-Sprengel berichtete der frühere Schorndorfer und jetzige Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer. „Wenn sechs Oberbürgermeister sich gemeinsam zum Mittagessen trafen, schellten im Landratsamt alle Alarmglocken.“ Andreas Heskys Wort habe Gewicht im Rems-Murr-Kreis und beim Städtetag. Apropos Oberbürgermeister: Beim Festakt zugegen war auch der frühere Waiblinger Erste Bürgermeister Martin Staab, der unlängst bei der angestrebten Wiederwahl als OB in Radolfzell am Bodensee verlor. Und jetzt: Er genieße jetzt den Ruhestand, sagte der sichtlich entspannte 57-Jährige.

Der Gemeinderat verlieh dem OB nicht nur Verdienstplakette der Stadt in Gold, sondern schenkte dem Ehepaar Hesky eine Gartenbank für gemeinsame Gespräche. Stadtrat Siegried Bubeck würdigte seine Omnipräsenz, seine Überzeugugskraft und seinen entschlossenen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Nach 16 Jahren hat Oberbürgermeister Andreas Hesky die Amtskette abgelegt. Nur noch bis Sonntag bleibt er im Dienst – dann folgt etwas, das seine Wegbegleiter und auch er selbst sich kaum vorstellen können: Hesky im Ruhestand – als „Alt-OB“. Beim Festakt zu seiner Verabschiedung äußerten die Redner ihre Bewunderung über seinen nahezu grenzenlosen Einsatz. Als prägnantes Beispiel für sein exorbitantes Arbeitspensum durfte in keinem Grußwort der Hinweis auf seine berühmten nächtlichen E-Mails

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