Waiblingen

Waiblingen: Händler spüren Krisen-Folgen im Weihnachtsgeschäft - was hilft?

Weihnachtsshopping
Stimmt der Schnee die Waiblinger erst recht aufs Weihnachtsfest ein? © ALEXANDRA PALMIZI

Die Wochen vor Weihnachten sind für den Einzelhandel sehr wichtig, Geschenke fürs Fest bedeuten für Läden unverzichtbare Einnahmen. Doch Inflation und unsichere Aussichten verringern die Kauflust – das Weihnachtsgeschäft ist bislang „spürbar“ geringer, heißt es von Waiblinger Händlern. Es habe in den letzten Tagen aber auch „eine gewisse Dynamik“ gegeben, gibt sich die Wirtschaftsförderung optimistisch. Der Weihnachtsmarkt – erstmals seit 2019 wieder ohne Corona-Beschränkungen – hilft auch. Und noch etwas stimmt die Innenstadt-Kaufleute zuversichtlich.

Klar ist: „Wir leben nicht im luftleeren Raum“, so Max Pfund. Der Inhaber des Haushaltswarengeschäfts Villinger-Zeller ist auch Vorsitzender des Vereins Innenstadtmarketing und weiß, was die Waiblinger Händler umtreibt. Die Krise mit steigenden Kosten treffe sie. Man habe damit sowieso nicht mit einem so guten Weihnachtsgeschäft wie früher gerechnet, so Pfund. Erst recht nicht so wie in den Corona-Jahren, in denen der Umsatz vor Weihnachten allen Einschränkungen zum Trotz durchaus gut gewesen sei.

Zurückhaltung der Kunden auch bei "erschreckend kleinen Beträgen"

Dieses Jahr sei alles deutlich gedämpft, was Max Pfund auf die unsicheren Aussichten zurückführt, die dazu führten, dass Verbrauchern das Geld gerade nicht so locker sitzt. In seinem Haushaltswarenladen kämen zurzeit manche Kunden mehrfach, bis sie sich schließlich zum Kauf durchringen. Ein Beispiel: zwei Kochtöpfe, die zusammen 100 Euro kosteten. Da seien die Kunden vor zwei Wochen da gewesen, dann noch mal, und jetzt erst hätten sie zugeschlagen. Gleiches bei einem Brotbräter, auf den andere Kunden ein Auge geworfen hatten. Es brauche mehr Zeit, bis sich die Privatleute Wünsche erfüllen, beobachtet der erfahrene Geschäftsmann. Und das bei „erschreckend kleinen Beträgen“.

Positiv: Loyale Kunden wollen Geschäfte in Waiblingen unterstützen

Pfund sieht aber auch positive Entwicklungen. Dass die Waiblinger bewusst vor Ort kaufen, um den Handel zu unterstützen. Dass Verbraucher sich nur im Laden beraten lassen und danach im Internet-Shop bestellen, gebe es „aktuell definitiv weniger“. Aus der ganzen Stadt höre er von Kollegen: Die Kunden sind loyal und treu. Sie wollten auch künftig noch im Geschäft nebenan einkaufen können. Erfreulich entwickeln sich laut Pfund auch die Adventssamstage, an denen viele Geschäfte länger als üblich geöffnet haben. Von den Händlern höre er, dass das Sinn macht.

Gerade in Verbindung mit dem Weihnachtsmarkt oder Ausstellungen wie der „ART-verwandt“ im Schlosskeller. „Da kommen wirklich Leute nach Waiblingen, die dann auch hier einkaufen. Das zieht über die Stadtgrenzen hinaus“, so Max Pfund. Auch aus Stuttgart kämen Interessierte. Der Innenstadtmarketingverein finanziert an den Adventssamstagen erstmals seit Beginn der Pandemie auch wieder eine kostenlose Kinderbetreuung in der Familienbildungsstätte (FBS). Das werde gut angenommen, mit steigender Tendenz.

Insgesamt schätzt Pfund den Umsatz im Weihnachtsgeschäft allerdings als definitiv geringer ein als in den Vorjahren. Angesichts der Gesamtsituation müsse man das aber positiv sehen. „Es ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“

Wirtschaftsförderer: „Sehr zufrieden bis verhalten“

Der Waiblinger Wirtschaftsförderer Marc Funk sagt: „Den Rückmeldungen der Einzelhandelsbetriebe ist zu vernehmen, dass die Konsumenten insgesamt noch zurückhaltend sind und die Umsätze sich noch unter dem Niveau der Vorjahre bewegen.“ Die Rückmeldungen der Betriebe fielen unterschiedlich aus. „Von sehr zufrieden mit deutlichen Steigerungsraten über zufrieden bis verhalten ist alles an Rückmeldungen vorhanden.“

Insgesamt wirkten sich die steigenden Preise für Energie und sonstige Lebenshaltungskosten „sicher auf die Kauflaune der Kunden aus“, so Marc Funk. „Die Menschen achten mehr auf ihr Geld und sind preissensibler als in den Vorjahren. Hinzu kommt, dass der Online-Handel dem stationären Handel auch im Weihnachtsgeschäft zusetzt.“

Der Chef der städtischen Wirtschaft Tourismus und Marketing GmbH (WTM) sagt aber auch: „In den letzten Tagen ist aber auch eine gewisse Dynamik zu spüren. Die Zeit bis Heiligabend wird kürzer und auch das winterliche kalte Wetter führt dazu, dass die Menschen in Weihnachtsstimmung kommen und in den letzten Tagen bis zum Weihnachtsfest noch ihre Geschenke einkaufen werden. Folglich sind wir zuversichtlich, dass es für den Waiblinger Einzelhandel noch ein gutes Weihnachtsgeschäft gibt.“

Vorverkauf für Konzerte in Waiblingen läuft wie vor Corona

WTM betreibe mit der Touristinformation selbst ein Ladengeschäft. „Hier können wir sagen, dass die Nachfrage nach Tickets für Konzerte in den letzten Tagen stark angezogen hat und sich die Besucherzahl in der Adventszeit wieder auf dem Niveau von 2019 bewegt.“

Buchhandlung Taube spürt den Spardruck nicht

„Gute Stimmung“ nimmt Markus Schneider wahr. Der Inhaber der Buchhandlung Taube setzt auch darauf, dass das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr etwas länger geht, weil der Kalender heuer nach dem 4. Advent (18. Dezember) noch sechs Einkaufstage bereithält – inklusive dem 24. Dezember, der auf einen Samstag fällt. Bislang spüre er keinen Spardruck seitens der Kundschaft, so Schneider. Vielleicht wirke dieser sich eher bei höherpreisigen Produkten aus als bei Büchern, so seine Vermutung.

Auch der Weihnachtsmarkt trage zum Erfolg bei und sei für die Händler ganz wichtig: „Das ist ein Magnet für jede Innenstadt.“

Die Wochen vor Weihnachten sind für den Einzelhandel sehr wichtig, Geschenke fürs Fest bedeuten für Läden unverzichtbare Einnahmen. Doch Inflation und unsichere Aussichten verringern die Kauflust – das Weihnachtsgeschäft ist bislang „spürbar“ geringer, heißt es von Waiblinger Händlern. Es habe in den letzten Tagen aber auch „eine gewisse Dynamik“ gegeben, gibt sich die Wirtschaftsförderung optimistisch. Der Weihnachtsmarkt – erstmals seit 2019 wieder ohne Corona-Beschränkungen – hilft auch.

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