Waiblingen

„Waiblingen liefert“ wandelt sich: Nun fragen einsame Menschen nach Unterstützung

Waiblingen lieferrt
Ehrenamtliche belieferten in der Corona-Krise Menschen, die nicht einkaufen gehen konnten, weil sie zum Beispiel zur Risikogruppe gehörten. © Gaby Schneider

Alleinstehenden, Älteren und Menschen, die zu den Corona-Risikogruppen gehören, haben Angebote wie „Waiblingen liefert“ durch die schwere Zeit geholfen. Inzwischen sind etliche Regeln gelockert worden, das Coronavirus scheint vielerorts eingedämmt zu sein. Läuft das Hilfsprojekt „Waiblingen liefert“ überhaupt noch?

Überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft

Hilfsbedürftige und Ehrenamtliche hat die Initiative unter der Leitung der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen zusammengebracht – und somit eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut. Pfarrer Sönke Finnern von der evangelischen Kirchengemeinde in Bittenfeld schwärmt: „Ich bin überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft.“

Die Zahl der Helfer habe die Hilfsbedürftigen überstiegen: Mehr als 40 Personen meldeten sich bei der Gemeinde und boten ihre Hilfe an. Nur zwei Personen nahmen diese in Anspruch.

Ein gutes Zeichen, findet Pfarrer Finnern. Er glaubt, dass viele Leute, die Unterstützung brauchten, sich direkt an Nachbarn gewandt haben. „Die Leute im Dorf haben genug soziale Kontakte“, sagt Finnern. Und bei denen, deren Familie weiter weg lebt oder ebenfalls zur Risikogruppe gehört, half eben „Bittenfeld liefert“. Aktuell benötigt niemand in Bittenfeld die Nachbarschaftshilfe. „Sie läuft aber weiter, wenn sie jemand in Anspruch nehmen möchte“, betont Finnern. Zumindest bis zu Beginn der Sommerferien. Dann soll entschieden werden, ob der Lieferservice bleibt oder nicht.

Das Projekt bietet Chancen, sagt Pfarrer Wagner

Pfarrer Matthias Wagner von der Michaelskirche ist überzeugt davon, dass „Waiblingen liefert“ Chancen bietet – und zwar über die Corona-Hilfe hinaus. Aktuell bieten 50 Personen ihre Hilfe an, zwölf Leute nehmen sie in Anspruch. Wagner sagt: „Die Bedürftigkeit von Leuten, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, steigt.“ Personen, die sich lange nicht getraut hätten, sich um Hilfe zu bemühen, nähmen jetzt ihren Mut zusammen.

Er erzählt von zwei Personen, die keine coronabedingte Hilfe benötigen, sich aber trotzdem bei „Waiblingen liefert“ gemeldet haben. Hier sei der Wunsch nach einer Unterstützung in der Krise so stark geworden, dass diese auch nach Corona bleiben soll. Sie sind allein und benötigen Hilfe. „Wenn ein Impfstoff da ist, ändert sich für diese Menschen nichts“, sagt Pfarrer Wagner. Anders als für die Menschen, die „Waiblingen liefert“ in erster Linie aus Angst vor einer Infektion mit Corona in Anspruch genommen haben.

Auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die über Corona hinaus helfen

Eine der beiden Personen ist eine Frau, die sich wünscht, nur von einer Frau beliefert zu werden – und das langfristig. „Es geht nicht nur darum, eine Einkaufsliste abzugeben, sondern um Gespräch und Kommunikation“, so Wagner. „Das ist eine sehr anspruchsvolle Geschichte.“ Er sucht deshalb Ehrenamtliche, die über die Corona-Hilfe hinaus Erledigungen machen und Gesellschaft leisten.

„Waiblingen liefert“, das als coronabedingte Nachbarschaftshilfe angefangen hat, entwickelt sich nun in Richtung Quartiersarbeit, sagt Pfarrer Wagner und sieht das als Chance. „Aus meiner seelsorgerischen Arbeit weiß ich, dass es zwei unterschiedliche Formen von Alleinsein gibt: die bewusste Entscheidung, allein zu sein, und die Einsamkeit“, so Wagner. „Wenn Alleinsein zur Einsamkeit wird, dann ist das schlecht.“

Die Bedürftigkeit rückt in den Fokus

Genau das passiere aber vor allem in Krisenzeiten. „Corona verschärft die Situation von einsamen Menschen natürlich“, berichtet der Pfarrer. „Es gibt Menschen, die schwer damit zu kämpfen haben.“

Genau für diese Menschen wünscht sich Pfarrer Wagner, dass die Nachbarschaftshilfe bleibt. Die Bedürftigkeit von älteren Menschen sei in der Corona-Krise in den Fokus von vielen gerückt. Das gemeinsame Erleben und die Zusammenarbeit in der Krise könnten jetzt dazu beitragen, dass sich einsame Menschen öffnen, glaubt Wagner: „Ich könnte mir vorstellen, dass Menschen sich zu ihrer Einsamkeit bekennen und vernetzen.“

Auf dem Weg zur Quartiersarbeit

Dass es neben „Waiblingen liefert“ noch weitere Projekte gibt, wie zum Beispiel den Nachbarschaftsdienst des FSV Waiblingen, freut den Pfarrer. „Ich hoffe und wünsche mir, dass das Ganze zu einer Quartiersarbeit wird“, sagt er. Vereins- oder Religionszugehörigkeit solle schließlich keine Rolle spielen.

Alleinstehenden, Älteren und Menschen, die zu den Corona-Risikogruppen gehören, haben Angebote wie „Waiblingen liefert“ durch die schwere Zeit geholfen. Inzwischen sind etliche Regeln gelockert worden, das Coronavirus scheint vielerorts eingedämmt zu sein. Läuft das Hilfsprojekt „Waiblingen liefert“ überhaupt noch?

Überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft

Hilfsbedürftige und Ehrenamtliche hat die Initiative unter der Leitung der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen

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