Waiblingen

Waiblingen: Musik-Zeitreise in "Zimmerlautstärke" im Haus der Stadtgeschichte

Austellung „Zimmerlautstärke“
Museumsleiterin Kristina Kraemer im Wohnzimmer der Ausstellung. © ALEXANDRA PALMIZI

Die knallige, orange gemusterte Tapete sticht beim Betreten des Hauses der Stadtgeschichte in Waiblingen sofort ins Auge. Davor steht ein brauner Wandschrank, der als Ablagefläche für einen Plattenspieler dient. „Genau wie früher“, werden die einen staunen, „hier sieht es ja aus wie bei meinen Großeltern“, sagen die anderen.

In jedem Fall sorgt das Siebziger-Jahre-Szenario für Gesprächsstoff bei Groß und Klein. Und genau das hat sich Kristina Kraemer, Leiterin des Hauses, mit der Sonderausstellung „Zimmerlautstärke“ erhofft. „Wir wollen die Besucher weniger belehren, sondern vielmehr zum Nachdenken anregen.“

Der Raum soll ein Gefühl vermitteln

Seit dem 6. Mai kann das Wohnzimmer im Haus der Stadtgeschichte besucht werden. „Hier darf alles angefasst werden“, betont Kristina Kraemer. Das dunkelgrüne Sofa lädt zum Verweilen ein und bietet die Möglichkeit, durch eine Ausgabe des Magazins „Musik Express“ aus dem Jahr 1973 zu blättern. Plattenliebhaber können in der Plattenbörse nach alten Schmuckstücken stöbern und auch welche dort lassen.

„An diesem Ort sollen Erinnerungen an die Musik hochkommen.“ Die siebziger Jahre sind dabei nur der Ankerpunkt der Sonderausstellung. „Zimmerlautstärke“ betrachtet nach Angaben des Museums fast 400 Jahre häusliche Musikgeschichte. „In den Siebzigern waren die technischen Geräte für die breite Masse verfügbar“, sagt Kristina Kraemer, außerdem sei die Anschaffung preiswerter geworden, so dass mehr Menschen Zugang zur Musik erhalten konnten.

Das Aufzeichnen von Liedern auf Tonbandgeräten und das Bangen darum, ob der Moderator das Lied unterbricht, Sparmaßnahmen für den eigenen Plattenspieler oder Konzert-Erinnerungen sind Nährstoff der Ausstellung. „Wir haben hier schon tolle Gespräche erlebt“, sagt die Leiterin des Hauses. Neben dem Wohnzimmer hat ein Teil der Ausstellung auch den üblichen Museumscharakter. „Wir haben bewusst nicht den gesamten Raum gestaltet“, ein Teil sei der Ausstellung vorbehalten. Hinter Vitrinen befinden sich Ausstellungsstücke aus vergangener Zeit: Vom Tonbandgerät über den Plattenspieler zum iPod entsteht eine Zeitreise durch die Musikgeschichte.

Die Ausstellung verändert sich flexibel

Da von diesen Schätzen viel mehr vorhanden sind, als derzeit im Haus der Geschichte ausgestellt, verändert sich die Ausstellung mit der Zeit. Laut Kristina Kraemer werde der Inhalt der Vitrinen immer mal wieder ausgetauscht. Die Gegenstände stammen größtenteils aus dem Depot des Museums selbst, teilweise aus Privathaushalten oder Haushaltsauflösungen. Lediglich bei der Tapete handelt es sich um eine Nachbildung. „Es war wichtig, dass wir nicht zu viele Leihgaben bekommen, damit wir flexibel bleiben“, sagt Kristina Kraemer. Durch die Corona-Pandemie sei lange Zeit unklar gewesen, ob und in welcher Form die Ausstellung stattfinden kann. Daher gibt es derzeit auch erst einen Raum für „Zimmerlautstärke“.

Das soll sich in Zukunft jedoch ändern. Ende Juni soll ein zweiter Raum im Obergeschoss des Museums eingerichtet werden. Dieser wird den Schwerpunkt „Subkultur“ haben. „Hier beschäftigen wir uns mit der Frage ,Was macht Musik mit der Gesellschaft?‘“, so Museumsleiterin Kristina Kraemer.

Eine zentrale Fragestellung wird beispielsweise auch sein, wie sich Stereotype bilden: „Warum gelten musizierende Menschen als ,spießig‘?“

In Zusammenarbeit mit der Kunstschule soll die Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte auch für Schulklassen zugänglich gemacht und um andere Events ergänzt werden. „Ich selbst werde auch wissenschaftliche Vorträge zu dem Thema halten“, sagt Kristina Kraemer. Bis zum 4. Dezember kann die Ausstellung besucht werden. 

Die knallige, orange gemusterte Tapete sticht beim Betreten des Hauses der Stadtgeschichte in Waiblingen sofort ins Auge. Davor steht ein brauner Wandschrank, der als Ablagefläche für einen Plattenspieler dient. „Genau wie früher“, werden die einen staunen, „hier sieht es ja aus wie bei meinen Großeltern“, sagen die anderen.

In jedem Fall sorgt das Siebziger-Jahre-Szenario für Gesprächsstoff bei Groß und Klein. Und genau das hat sich Kristina Kraemer, Leiterin des Hauses, mit der

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