Waiblingen

Waiblingen: Nicolas Kriesten (22) aus Neustadt als Fußballtrainer in Südafrika

Nicolas Kriesten im Tor
Nicolas Kriesten beim Training mit Kindern der „Young Bafana“. © Privat

„Es hat mich direkt angesprochen“: Für Nicolas Kriesten ist das Praktikum bei der Organisation „Young Bafana Soccer Academy“ in Südafrika, in der Nähe von Kapstadt, genau das Richtige. Der 22-Jährige aus Waiblingen-Neustadt trainiert dort Fußball mit Kindern und Jugendlichen, deren Familien oft arm sind und in Townships leben. Kriesten, der noch mindestens bis Februar in Südafrika bleibt, hat uns geschildert, was er dort erlebt.

Der 22-jährige Neustädter, der in diesem Jahr seine kaufmännische Ausbildung im Groß- und Außenhandel abgeschlossen hat, hat bereits beim FSV Waiblingen und dem TSV Neustadt Erfahrungen als Fußballtrainer sammeln können. Seit September bringt er sich bei „Young Bafana“ ein. Die Organisation bietet nicht nur Fußballeinheiten für Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen an, sondern auch Englischunterricht oder Kurse zu Social Skills.

Von den Mitarbeitern und ihren Schützlingen sei er „sehr gut“ aufgenommen worden, sagt Nicolas Kriesten. Sie seien sehr offen, sehr freundlich und hilfsbereit. „Man fühlt sich direkt wohl und als ein Teil des Teams.“

Auch im Township wird Fußball gespielt - mit einem Ball aus Tüten

Ein typischer Arbeitstag beginnt für den Praktikanten meistens um 10 Uhr. Zuerst erledigt er „etwas für das Marketing“. Danach kümmert er sich um die Trainingsvor- und Nachbereitung, plant die Spiele gegen andere Teams am Wochenende und bewertet einzelne Spieler. Am Nachmittag findet dann das Training statt. Zurzeit ist Kriesten der U-12-Gruppe zugeteilt, in der Kinder zwischen elf und zwölf Jahren kicken. Er unterstützt andere Trainer oder übernimmt selbst ganze Trainingseinheiten. Außerdem gibt er dreimal die Woche Einzeltraining.

Neben dem sportlichen Aspekt des Praktikums sollen die Teilnehmer auch die Chance bekommen, neue Eindrücke zu sammeln und die Kultur des Landes kennenzulernen, so der Gedanke der Organisation. Beispielsweise seien für den Dezember schon einige Ausflüge geplant. Beispielsweise zum Gleitschirmfliegen, zum Tauchen mit Weißen Haien und auf eine Safari.

Doch auch die sozialen Verhältnisse im Land sollen die jungen Gäste kennenlernen: Kriesten berichtet von dem für ihn bislang bedeutsamsten Erlebnis, dem Besuch eines Township, eines Armenviertels. Dort hat er gesehen, wie die Menschen dort auf „engstem Raum und in sehr einfach zusammengebauten Häusern leben“. „Die Familien haben fast gar nichts und müssen mit sehr wenig auskommen“, so sein Eindruck. Kinder hätten dort statt mit einem Ball mit zusammengeknoteten Tüten Fußball gespielt.

Schwere Umstände, freundliche Leute

Eindrücklich erinnert er sich auch daran, wie fünf Bewohner „ein kaputtes Autodach mit Seilen“ über die Straße gezogen haben. Der Ausflug ins Township bewegte den 22-Jährigen. Er sei „etwas überrascht“ gewesen, „wie offen und freundlich die Leute trotz der schweren Umstände sind“.

Südafrika verzeichnet eine hohe Kriminalitätsrate. Laut Auswärtigem Amt steigt mit der Wiederbelebung des Tourismus nach dem Wegfall der Corona-Einschränkungen „die Wahrscheinlichkeit, dass auch Touristen wieder Opfer krimineller Handlungen im Land werden“. Auch Nicolas Kriesten meint, man müsse immer vorsichtig sein. Der Waiblinger wohnt – wie auch viele Einheimische, die es sich leisten können – in einem gesicherten Areal der Fußball-Akademie mit verschiedenen Bereichen. Dort stehen auch Häuser, die an die Praktikanten vermietet werden. Versorgen muss sich der Neustädter selbst: „Es muss alles aus eigener Tasche bezahlt werden.“

Bislang hat Kriesten vor allem Positives erlebt. Zu einer unschönen Situation sei es aber bei einem Sichtungstraining gekommen, bei dem sich Kinder und Jugendliche bei einem Probefußballspiel beweisen können, um eine Chance auf einen Trainingsplatz zu bekommen. Er und ein Mitarbeiter der „Young Bafana“ waren, so erzählt es Kriesten, am Eingangstor eingeteilt, um die Spieleranzahl zu kontrollieren. Als genügend Spieler auf dem Spielfeld waren, schlossen sie das Tor. Viele von denen, die nicht eingelassen worden waren, und ihre Eltern seien daraufhin „aggressiv und immer lauter“ geworden. Dann hätten sich circa 30 Eltern zusammengeschlossen und den Eingang „gestürmt“. Durch die aggressive Atmosphäre sei es nicht möglich gewesen, die „auf den Platz gestürmten Spieler“ wieder außerhalb des Areals zu leiten. „So hatten wir dann ein Sichtungstraining mit rund 350 Kindern.“

Seine Erlebnisse in Südafrika lassen bei Nicolas Kriesten durchaus „Dankbarkeit für die Sicherheit in Deutschland“ aufkommen, berichtet er. Ihm sei klar geworden, dass es nicht selbstverständlich sei, sich immer sicher zu fühlen und Unterstützung vom Staat zu erhalten.

„Es hat mich direkt angesprochen“: Für Nicolas Kriesten ist das Praktikum bei der Organisation „Young Bafana Soccer Academy“ in Südafrika, in der Nähe von Kapstadt, genau das Richtige. Der 22-Jährige aus Waiblingen-Neustadt trainiert dort Fußball mit Kindern und Jugendlichen, deren Familien oft arm sind und in Townships leben. Kriesten, der noch mindestens bis Februar in Südafrika bleibt, hat uns geschildert, was er dort erlebt.

Der 22-jährige Neustädter, der in diesem Jahr seine

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