Waiblingen

Waiblingen: Streit am Alten Postplatz eskaliert, 21-Jähriger tritt gegen Kopf

Gewalt
Der Angeklagte trat auf den am Boden Liegenden ein, wodurch dieser sich Prellungen an der linken Schläfe und eine Schürfwunde zuzog (Symbolfoto). © ZVW/Alexandra Palmizi

„Du weißt, was du falsch gemacht hast, jetzt gilt es, dafür geradezustehen. Schau zu, dass du das, was du dir aufbaust, nicht wieder kaputtmachst.“ Mit dieser Empfehlung entließ der Waiblinger Amtsrichter Armin Blattner jüngst den 21-jährigen Angeklagten, der sich zum zweiten Mal wegen desselben Vorfalls vorm Amtsgericht Waiblingen zu verantworten hatte. Die Anklage lautete auf gefährliche Körperverletzung, begangen am Spätnachmittag des 15. Mai 2021 auf dem Alten Postplatz in Waiblingen.

Der Angeklagte war an diesem Tag mit seinem Bruder und einem Bekannten unterwegs, als sie sich einem 23-jährigen Mann gegenübersahen, mit dem er „noch etwas zu klären hatte“. Diese Klärung gestaltete sich zunächst in Form einer verbalen Auseinandersetzung, die sich in Form von Beleidigungen hochschaukelte und schließlich handfeste Formen annahm, so die Beschreibung des Ablaufs der Ereignisse durch den Angeklagten. Als sie der Kontrahent mit einem Teppichmesser bedrohte, gab das Trio zunächst Fersengeld.

Späteres Opfer greift mit Messer an

Nachdem die drei bei der nahe gelegenen Kreissparkasse Geld abgehoben hatten, sahen sie sich erneut mit dem Angreifer konfrontiert. Der war ihnen gefolgt und kam nun mit dem Messer in der Hand auf sie zugestürmt. Wie eine Zeugin der Polizei gegenüber angab, stieß er mit dem Messer mindestens zweimal in Richtung seiner Gegner. Der Bruder des Angeklagten erlitt eine leichte Schnittverletzung. Daraufhin zwangen die Brüder den Angreifer zu Boden, ihr Begleiter kickte das Messer weg. Der Angeklagte nutzte dann die kurze Zeitspanne bis zum Eintreffen der Polizei dazu, auf den auf dem Boden Liegenden einzutreten, wodurch dieser eine Schürfwunde und Prellungen an der linken Schläfe erlitt.

In einer ersten Verhandlung war das Verfahren gegen den damals arbeitslosen Angeklagten unter einer Auflage vorläufig eingestellt worden

Selbstverständlich dürfe man sich wehren, stellte dazu der Vertreter der Staatsanwaltschaft klar. „Aber es ging ja nach der Abwehr des rechtswidrigen Angriffs weiter.“ Und jemanden gegen den Kopf zu treten, der auf dem Boden liege, gehe überhaupt nicht. Eine Meinung, der sich auch der Richter anschloss. In einer ersten Verhandlung war das Verfahren gegen den damals arbeitslosen Angeklagten unter der Auflage vorläufig eingestellt worden, dass er zwanzig Stunden gemeinnützige Arbeit ableistet. Als er zwischenzeitlich eine Arbeitsstelle fand, beantragte er, diese Auflage in eine Geldbuße umzuwandeln. Trotz mehrerer Mahnungen bezahlte er die jedoch nicht. „Es blieb beim Wunsch, es kam kein Geld“, so der Richter. Somit musste erneut verhandelt werden.

Richter Armin Blattner: „Es gibt wichtige und sehr wichtige Schulden“

Er habe einfach keinen Überblick über seine finanzielle Situation und die Schulden, die sich bei ihm mittlerweile angesammelt hätten, rechtfertigte sich der junge Mann. Seit September habe er aber einen Ausbildungsplatz, somit ein monatliches Einkommen und sogar eine eigene Wohnung im Keller seines Elternhauses. Sein „Job“ mache ihm Spaß, er sei sich sicher, endlich angekommen zu sein. Somit sei er durchaus in der Lage, eine Geldbuße zu bezahlen. „Es gibt wichtige und sehr wichtige Schulden“, belehrte ihn der Richter. Die Schulden bei Gericht wären besonders wichtige Schulden gewesen, denn mit jeder Mahnung würde sich auch die Summe der Verbindlichkeiten erhöhen.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bestätigte dem jungen Mann, dass er mittlerweile gut unterwegs sei und sich „auf dem richtigen Weg“ befinde. Es werde mittlerweile auch Zeit, dass er in die Perspektive eines Heranwachsenden hineinwachse. Dennoch könne man ihn einem Erwachsenen nicht gleichstellen, sodass sie die Anwendung des Jugendstrafrechts auf ihn empfehle.

Termin bei der Schuldnerberatung

Dies wiederum war für Richter Blattner Anstoß, den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldbuße von 250 Euro zu verurteilen, zahlbar bis 31. März 2023 an die Sozialberatung Stuttgart. Darüber hinaus schrieb er ihm ins Urteil, dass er bis zum 31. Januar 2023 mindestens einen Termin bei der Schuldnerberatung wahrnehmen müsse. „Schulden können ordentlich Probleme bereiten“, so der Richter. „Und es ist in deinem Interesse, dass du deine Situation in den Griff kriegst.“ Und genau dafür sei schließlich die Schuldnerberatung da, sogar kostenlos beim Landratsamt. Da alle Verfahrensbeteiligten das Urteil akzeptierten und auf das Einlegen von Rechtsmitteln verzichteten, wurde es sofort rechtskräftig.

„Du weißt, was du falsch gemacht hast, jetzt gilt es, dafür geradezustehen. Schau zu, dass du das, was du dir aufbaust, nicht wieder kaputtmachst.“ Mit dieser Empfehlung entließ der Waiblinger Amtsrichter Armin Blattner jüngst den 21-jährigen Angeklagten, der sich zum zweiten Mal wegen desselben Vorfalls vorm Amtsgericht Waiblingen zu verantworten hatte. Die Anklage lautete auf gefährliche Körperverletzung, begangen am Spätnachmittag des 15. Mai 2021 auf dem Alten Postplatz in

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