Waiblingen

Waiblingen: Warum vier Salier-Schüler freitags demonstrieren

Fridays for Future Waiblingen Salier-Gymnasium_0
Aktiv gegen die Klimakrise: Hinten Quentin und Ann-Kathrin, vorne Fenno und Nelsa. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Sie werden bewundert und bestaunt, angefeindet und angemacht. Doch gleichgültig sind sie fast niemandem, die „Fridays for Future“-Jugendlichen, die Schüler also, die seit Monaten freitags die Schule schwänzen und gegen den Klimawandel protestieren. Vier davon sind Fenno, Nelsa, Ann-Kathrin und Quentin aus dem Salier-Gymnasium. Was ist es, das die vier zu ihrem Protest antreibt?

Der Klimawandel macht ihnen Angst. Und sie wollen etwas dagegen tun. „Manchmal“, sagt Fenno aus der 10. Klasse, „kann ich mich damit gar nicht so lange befassen, weil ich dann so deprimiert bin.“ Aufgeben ist für den Zehntklässler keine Option. Wie Nelsa, Ann-Kathrin und Quentin setzt er darauf, dass die andauernden Proteste der Jugendlichen die Politik zum Umdenken bringen. „Ich glaube, dass ich in 50 Jahren noch gut leben kann“, sagt Fenno. „Mit Einschränkungen aber“, ergänzt Nelsa: „Wenn wir die Klimakrise abschwächen wollen, müssen wir Autos und Flugreisen abschaffen.“

Selten reagieren Erwachsene so giftig wie bei den Freitagsdemos

Das sind Sätze, die viele Erwachsene auf die Barrikaden treiben. Selten reagieren die Alten auf die Jungen so giftig wie im Fall der „Fridays for Future“-Schüler. Was wird ihnen nicht alles vorgeworfen! Dass sie nur demonstrieren, um die Schule zu schwänzen; dass sie eigentlich gar kein echtes Interesse am Thema hätten; dass sie sich ansonsten mit Mamas Golf und Papas Daimler in der Gegend rumkutschieren lassen, zu Hause Energie verschleudern und in den Ferien vorzugsweise auf Fernreise gehen. Diese Vorwürfe können die Salier-Schüler kalt lassen. „Wir gehen auch zu den Demos, wenn wir keinen Unterricht haben“, stellt Nelsa klar. Selbst an Karfreitag seien sie dort gewesen, ergänzt Fenno. Bei einer kirchlichen Freizeit in Nagold in den Osterferien habe er gefragt, ob man nicht zur Demo gehen könnte. Es klappte: „Wir sind dann von dort aus nach Stuttgart gefahren.“

Diskussionen haben die vier Schüler auch in ihren eigenen Familien. Denn nicht alle Eltern finden die Freitags-Demos toll - die Eltern der vier stellen das Engagement ihrer Kinder für den Klimaschutz aber nicht infrage. „Meine Eltern sagen, ich kann mich politisch engagieren, wie ich will“, sagt der Siebtklässler Quentin. Mit den Konsequenzen des Schwänzens müssen die Schüler selbst klarkommen. Bei ihrer ersten Demo hätten sie noch das Ende der Schule abgewartet und seien erst dann nach Stuttgart gefahren. Doch da habe sich die Demo gerade aufgelöst, erzählt Ann-Kathrin. „Wir sind dann zu unserem Schulleiter Herrn Schey und haben gefragt, ob wir für die Demos eine Beurlaubung bekommen.“ Die hätten sie nicht gekriegt – allerdings auch noch keine Probleme bekommen.

"Bei mir in der Klasse interessiert sich keiner dafür"

Seit etwa einem Dreivierteljahr demonstrieren sie aktiv gegen die Klimakrise, doch neu ist ihr Interesse nicht. Schon zuvor, sagen sie, hätten sie die Nachrichten geschaut, Zeitung gelesen und sich für Politik interessiert. Ihre Mitschüler fänden’s überwiegend gut, wenn sie freitagvormittags den Unterricht verlassen, erzählt Nelsa. Den meisten Siebtklässlern dagegen sind die Demos noch ziemlich egal: „Bei mir in der Klasse interessiert sich keiner dafür“, sagt Quentin.

Mit den Demos wollen die Jugendlichen der Politik Druck machen – doch für den Klimaschutz haben sie auch ihr eigenes Leben umgestellt. Alle vier fahren ganz überwiegend Fahrrad oder mit dem ÖPNV, Nelsa wurde zur Vegetarierin, Quentin hat seinen Fleischkonsum halbiert, Ann-Kathrin hatte schon vor den Demos darauf verzichtet. Apropos Verzicht: Den üben sie auch beim Klamottenkaufen, kaufen jetzt secondhand oder im klimaneutralen Handel.

„Wir sind eine Sammelbewegung“, betont Quentin. Und zwar eine, die erste Erfolge hat: „Das Klimapaket der Bundesregierung hätte es sonst nie gegeben“, meint Quentin. Greta Thunberg, die große und von vielen Erwachsenen aber auch heftig attackierte Ikone der FFF-Bewegung, bewundern sie, auch wenn Quentin den Personenkult ausdrücklich ablehnt, der um die 16-jährige Schwedin getrieben wird. „Das gibt Raum für die Politik, auf ihre Person einzugehen anstatt auf die Themen.“

Warum so viele Erwachsene derart scharf auf Greta Thunberg und die „Fridays for Future“-Aktivisten reagieren? „Wir machen Druck“, stellt Nelsa nüchtern fest. Viele Erwachsene wollten sich eben nicht einschränken und ihre Gewohnheiten aufgeben, ergänzt Ann-Kathrin. Mit Verlaub: Darauf können die Jugendlichen keine Rücksicht nehmen. Jedenfalls dann nicht, wenn sie, wie Fenno hofft, in 50 Jahren noch ein gutes Leben haben wollen.


Waiblingen. Sie werden bewundert und bestaunt, angefeindet und angemacht. Doch gleichgültig sind sie fast niemandem, die „Fridays for Future“-Jugendlichen, die Schüler also, die seit Monaten freitags die Schule schwänzen und gegen den Klimawandel protestieren. Vier davon sind Fenno, Nelsa, Ann-Kathrin und Quentin aus dem Salier-Gymnasium. Was ist es, das die vier zu ihrem Protest antreibt?

Der Klimawandel macht ihnen Angst. Und sie wollen etwas

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper