Waiblingen

Waiblingen will wieder Gold - aber nicht alle mögen den Energiespar-Award

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Vertreter von Projektbau Pfleiderer und der Stadt Waiblingen bei der Einweihung des klimaneutralen Wohngebiets Hoher Rain an der Schorndorfer Straße im September 2021. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wegen des Ukraine-Krieges und der steigenden Preise ist Energiesparen das Gebot der Stunde. Waiblingen muss damit nicht erst anfangen: Seit vier Jahren trägt die Stadt beim Wettbewerb „European Energy Award“ stolz das Prädikat Gold. International belegt sie damit unter 1600 Kommunen Rang 108, in Baden-Württemberg den fünften. In einer neuen Runde will sich Waiblingen weiter verbessern - aber es gibt auch kritische Stimmen.

In der ganzen Bundesrepublik sind aktuell 49 Kommunen mit dem EEA in Gold ausgezeichnet. Baubürgermeister Dieter Schienmann nimmt die Erfolge als Verpflichtung, weiterzumachen. Als oberstes, vom Gemeinderat gestecktes Ziel gilt, für das Rathaus wie für die ganze Stadt, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden. In Sachen Klimaschutz in der Verwaltung selbst ist der European Energy Award das „Maß aller Dinge“, meint Klaus Läpple, Abteilungsleiter Umwelt. Ihn zu bekommen, sei „kein Selbstläufer“. Um bei der nächsten Bewertung wieder Gold zu erreichen, möglichst bei höherer Punktzahl, verordnet sich die Stadt ein „energiepolitisches Arbeitsprogramm“ als Auftrag bis zum Jahr 2025. Zuletzt bekam Waiblingen 78,3 von 100 Punkten. Tübingen schaffte 82.

Stadt in der Vorbildfunktion

Der Stadtverwaltung sieht sich beim Klimaschutz in einer Vorbildfunktion und versucht, Entwicklungen in privaten Sektoren zu beeinflussen – etwa durch Vorgaben zu klimaneutralen Baugebieten oder durch Förderprogramme für Fotovoltaik, Solarthermie oder Gebäudedämmung.

Gestartet werden soll eine neue Solaroffensive mit Fotovoltaik-Checks für Privatleute, einem Förderprogramm und weiteren Anlagen auf städtischen Gebäuden. Unter anderem soll der Wasen-Parkplatz mit einer PV-Anlage überdacht werden. Die Diskussion über die Windkraft auf der Buocher Höhe wird wieder aufgenommen. Teil des Arbeitsprogramms ist auch der neue Verleih von Elektrorollern. Das von der Rathaus-Belegschaft gut nachgefragte Dienstfahrradprogramm wird fortgeführt. In den Ortschaften werden weitere Car-Sharing-Angebote geschaffen.

Beschlüsse auf Klima-Relevanz prüfen

Weitere stadteigene Gebäude gilt es zu sanieren. Künftig sollen außerdem Beschlussvorlagen der Ratsgremien auf ihre Relevanz für das Klima geprüft werden. Städtische Mitarbeiter und insbesondere Hausmeister werden im Hinblick auf Klimaschutz und Energiesparen geschult.

Klimaschutz ist mehr als Energie sparen

Das energiepolitische Arbeitsprogramm ist zwar einstimmig beschlossen. Was aber nicht heißt, dass damit auch jede Einzelmaßnahme verbindlich beschlossen wäre. Laut Baubürgermeister Schienmann müssen zur Umsetzung Baubeschlüsse und Vergabebeschlüsse gefasst werden. Neues Personal wird zunächst nicht notwendig, zumal Waiblingen erst zwei neue Stellen für den Klimaschutz geschaffen hat. Eine davon hat ihre Aufgabe darin, sich um das Thema klimaneutrale Verwaltung zu kümmern. Die andere soll den Klimaschutz verstärkt in die Stadt-Öffentlichkeit bringen.

Inzwischen stößt der Energy Award aber auch auf Skepsis: Energiesparen sei nicht deckungsgleich mit Klimaschutz, betonten einige Stadträte. Urs Abelein etwa warb dafür, mehr Flächen für Solarthermie nutzbar zu machen. Der Bau von Blockheizkraftwerken gehe „absolut in die falsche Richtung“: Sie arbeiten zwar effizient, werden aber mit Gas, also fossil, betrieben - zumindest nach heutigem Stand. Nach Ansicht von Tobias Märtterer (Grünt-Fraktion) berücksichtigt der Energy Award zwar Energiesparen und Energieerzeugung, aber nicht den ebenfalls klimarelevanten Faktor der Flächenversiegelung.

Wegen des Ukraine-Krieges und der steigenden Preise ist Energiesparen das Gebot der Stunde. Waiblingen muss damit nicht erst anfangen: Seit vier Jahren trägt die Stadt beim Wettbewerb „European Energy Award“ stolz das Prädikat Gold. International belegt sie damit unter 1600 Kommunen Rang 108, in Baden-Württemberg den fünften. In einer neuen Runde will sich Waiblingen weiter verbessern - aber es gibt auch kritische Stimmen.

In der ganzen Bundesrepublik sind aktuell 49 Kommunen mit dem

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