Waiblingen

Waiblingen: Zimmermann nach Gerüst-Sturz im Rollstuhl - Gericht sucht Schuldigen

Rollstuhl Behinderung symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Pixabay/ Sabine Genet (CCO)

Seit dem Sturz von einem Baugerüst in Fellbach ist ein Zimmermann auf einen Rollstuhl angewiesen. Schuld will keiner sein. Vor dem Amtsgericht Waiblingen rückte jetzt die Ehefrau des angeklagten Bauunternehmers in den Fokus.

Familienvater mit vier Kindern aus Waiblingen verliert „Traumberuf Zimmermann“

Ein Familienvater mit zwei Kindern aus Waiblingen hat seinen rund 30 Jahre lang ausgeübten „Traumberuf Zimmermann“ verloren, weil er von einem nicht gesicherten Baugerüst in Fellbach gestürzt ist.

Vor der Strafabteilung des Waiblinger Amtsgerichts will keiner dafür verantwortlich sein, dass der Zimmermann jetzt im Rollstuhl sitzt und nicht weiß, ob er seine Beine jemals wieder bewegen kann.

In diesem Fall hat am zweiten Verhandlungstermin nun der Angeklagte seine Ehefrau als Verantwortliche benannt. Sowohl er als auch sie sind Inhaber von Firmen in der Baubranche. Der mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesene Zimmermann hat seine Zeugenaussage als Geschädigter längst gemacht und kommt als Zuhörer weiterhin mit einem Krankentransport und seiner Ehefrau, die ihn pflegt, als Zuhörer zu den Strafgerichtsverhandlungen in seiner Sache.

Arbeitsunfall: Aus sieben bis acht Metern gefallen und zum Pflegefall geworden

Für seinen Arbeitsunfall bezahlt bislang noch die Berufsgenossenschaft, die den Ausgang des Strafverfahrens jedoch abwartet. Ohne Schuldspruch hat der durch den Sturz vom Gerüst nun zum Pflegefall gewordene Handwerker so gut wie keine Chance, zivilrechtlich an irgendeine Schadenswiedergutmachung oder Schmerzensgeld zu kommen.

Irgendjemand, so lautet die große Frage bei der Waiblinger Justiz, müsse doch der Verursacher dafür sein, dass der 52-jährige Zimmermann im Dezember vergangenen Jahres bei Dacharbeiten auf eine nicht gesicherte Bodenplatte trat und mit dieser aus etwa sieben bis acht Metern Höhe in den ersten Stock des mehrstöckigen Gebäudes in Fellbach-Oeffingen gefallen ist. „Ich nicht“, sagte der Angeklagte auch am zweiten Verhandlungstag.

Angeklagter schiebt Schuld auf Ehefrau

Eine Einstellung dieses Strafverfahrens auf fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen kommt für den Waiblinger Richter Fabian Lindner nicht infrage und für die Stuttgarter Staatsanwaltschaft erst recht nicht. Damit kam der Angeschuldigte nach seinen Unschuldsbekundungen (er sei nur einmal kurz auf dieser Baustelle aufgetaucht) in Zugzwang und benannte nach mehreren Unterredungen mit seinem Anwalt außerhalb des Gerichtssaales seine Ehefrau als angebliche Verantwortliche für den folgenschweren Sturz des Waiblingers vom Baugerüst.

Die Ehefrau, nach Ausführungen des Verteidigers keine als Geschäftsführerin eingesetzte „Strohfrau“, soll nun kurz vor Weihnachten in den Zeugenstand des Waiblinger Amtsgerichts kommen.

Polizist: "Planken waren nicht gesichert"

Polizeibeamte, die an der Absturzstelle waren, haben alle als Zeugen ausgesagt. „Die Planken des Gerüstes waren nicht gesichert“, sagte beispielsweise ein 26-jähriger Polizist vom Revier Fellbach. „Die Baustelle wies anscheinend Mängel auf und wurde entsprechend geschlossen.“

Der Zimmermann, so der Polizeibeamte weiter, sei durch ein Fenster weit oben in die erste Etage abgestürzt. Als Richter Lindner ihm Beweisbilder von der Absturzstelle vorlegte, sagte der Polizist dazu: „Man konnte überall rausfallen, wo Gerüstteile fehlten.“

In diesem Fall hätten vor allem die Arretierungen für die Bodenplatten des Baugerüstes gefehlt.

Bei seiner Beschuldigtenvernehmung, so der Polizeibeamte weiter, habe der Angeklagte zugegeben, dass das Baugerüst nicht freigegeben war. Eine Bescheinigung auf Freigabe des Gerüstes für Arbeiten habe er vergeblich vom Angeklagten angefordert.

Seit dem Sturz von einem Baugerüst in Fellbach ist ein Zimmermann auf einen Rollstuhl angewiesen. Schuld will keiner sein. Vor dem Amtsgericht Waiblingen rückte jetzt die Ehefrau des angeklagten Bauunternehmers in den Fokus.

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