Waiblingen

Waiblinger Autokino hat neu eröffnet: Ist der durch Corona verursachte Hype schon vorbei?

Autokino
Das Waiblinger Autokino bei der Rundsporthalle wird von den Lochmann-Filmtheaterbetrieben organisiert. © ALEXANDRA PALMIZI

Auf dem Festplatz bei der Rundsporthalle ist pro Vorstellung Platz für 100 Fahrzeuge. Doch die zwei Premierenabende, an denen sechs Kinofilme gezeigt wurden, brachten zusammen genommen nur knapp 150 Zuschauer. Ist der Autokino-Effekt fürs Erste verpufft?

Auenwald machte vor sieben Wochen den Anfang

Anfang Mai wünschten sich die Menschen sehnlichst etwas Zerstreuung nach wochenlanger Corona-Häuslichkeit, da kam das Autokino wie gerufen. Sieben Wochen, nachdem die kleine Gemeinde Auenwald bei Backnang als erste im Kreis Filme und kurz darauf auch ein Kulturprogramm zeigte, gingen vergangenen Freitag in Waiblingen die Lichter der LED-Wand an.

Einige Wochen seien ins Land gegangen auf der Suche nach einem geeigneten Platz fürs Autokino, sagt Erik Oberthür, der Bereichsleiter der Traumpalast-Kinos im Rems-Murr-Kreis. Die erste Option, der Park-and-ride-Parkplatz auf dem Gelände einer alten Ziegelei beim Bahnhof sei von Anfahrtssituation, Gestaltung und Größe her nicht geeignet gewesen. „Vor sechs Wochen wäre der Platz zu klein gewesen, es hätte nicht funktioniert“, so Oberthür. Auf dem Festplatz bei der Rundsporthalle wurden die Veranstalter WTM Waiblingen und die Lochmann-Filmtheaterbetriebe dann aber fündig. Sponsoren und Unterstützer des Waiblinger Autokinos sind die Josef-Wund-Stiftung gGmbH, Wohninvest und der Zeitungsverlag Waiblingen.

Kulturprogramm gibt es ebenfalls

Die dort fürs Autokino mit Hinweisschildern ausgewiesene Parkfläche wird an beiden Premierenabenden nicht ausgereizt. „Die Luft ist vielleicht etwas raus“, vergleicht Erik Oberthür die Besucherzahl mit den vollen Parkplätzen in Schorndorf und Schwäbisch Gmünd vor zwei Wochen – auch hier haben die Lochmann-Filmtheaterbetriebe die Organisation der Autokinos abgewickelt. Ende Mai, als die Entscheidung für Waiblingen gefallen sei, hätten sich noch deutlich mehr Menschen ein Autokino gewünscht.

Keine neuen Filme

Inzwischen sind aus Sicht Oberthürs „die Lockerungen so weit vorangeschritten, dass sich die Leute jetzt wieder woanders treffen können und in die Biergärten können“. Erklärbar sei die aktuelle Flaute auch mit dem Filmangebot: Viele Filme, die in Waiblingen zu sehen sind, seien schon in anderen Autokinos gelaufen. Neue Filme bekämen sie derzeit nicht rein. „Wir spielen das, was vor den coronabedingten Schließungen in den Kinos lief, die ersten dieser Filme gibt es teilweise schon online“, so Oberthür weiter.

"Kultur kommt ins Auto"

Hoffnungsvoll stimmt Erik Oberthür die Zahl der gebuchten Plätze fürs Kulturprogramm „Kultur kommt ins Auto“ an drei Sonntagen. Am Samstag zeichnet sich ab, dass der Lokalmatador Christoph Sonntag, der den Auftakt machte, in ein Meer aus Motorhauben blickt und agiert. Oberthür ist zuversichtlich, dass nach schleppendem Start auch viele Cineasten den Weg vor die Großleinwand finden: „Unser Ziel ist es, trotz nachlassender Nachfrage mit einer Null rauszukommen.“

"Wir sind absolute Cineasten"

Die Stimmung unter den Premierengästen spricht auf jeden Fall fürs Autokino: Viele Generationen sind vertreten, SUV neben Stadtflitzerle, jeder genießt das Flair und die besondere Stimmung, geborgen und im intimen Rahmen einen Film anzuschauen. „Wir sind absolute Cineasten, uns hat das Kino sehr gefehlt“, sagen Anke und Yvonne, zwei 30-Jährige aus der Waiblinger Kernstadt und aus Hohenacker. „Cool, dass man den Traumpalast unterstützen kann, wenn gerade die ganze Branche flachliegt“, meint Yvonne. Dass der Film „A star is born“ älteren Datums ist, störe sie nicht: „Er stand auf der Liste an Filmen, die wir unbedingt sehen wollen und damals haben wir ihn verpasst.“

Autokino
Im Autokino kommt der Ton für den Film aus dem eigenen Autoradio. © ALEXANDRA PALMIZI


„Ich glaube, wir sehen trotzdem alles“

Auch aus dem Fahrzeuginneren von Sandra Rosenberger und Tina Schmoll dringt fröhliches Gelächter. Sie amüsieren sich über die Kinderfingerabdrücke und einige nicht mehr rechtzeitig entfernte Insektenreste auf ihrer Autoscheibe. „Ich glaube, wir sehen trotzdem alles“, sagen die beiden „Mamis“ aus Spiegelberg. Sie genießen „Mädels-Abend“ und „kinderfreie Zeit“ – eventuell mit der Option „Verlängerung“ nach dem Film, mit einem Drink irgendwo. Das alternative Kinoangebot sei „eine gute Gelegenheit, mal wieder etwas zusammen zu machen“. Das freundliche Personal habe sie zusätzlich in Beststimmung gebracht, wie sie sagen. „Wir waren auf einen der hinteren Plätze eingestellt, aber weil wenig los ist, haben sie uns einen in der ersten Reihe gegeben, trotz SUV.“

„Ich habe heute frisches süßes Popcorn gemacht“

Stadtgeländewagen gab es noch nicht, als Karin Häußermann und Uwe Riehs öfter mal im Autokino in Kornwestheim waren. „Lang, lang ist’s her“, spielen sie mit gewinnendem Lächeln und alterslosem Charme auf ihr Alter an. Sie kennen noch „die Zeiten“ – ja, welche eigentlich? Da habe man ein Sektle mitgenommen, sagt sie. „Und dann halt die Erste-Freundin-Phase“, deutet er die heimlichen frühen Knutschzonen an.

Als Viel-Kinogänger hat auch Ehepaar Jahn aus Waiblingen die „Sehnsucht gepackt“, sie haben Getränke und was zum Knabbern eingepackt – der guten alten Popcorn-Kinotradition folgend: „Ich habe heute frisches süßes Popcorn gemacht“, teilt sie freudestrahlend mit. Autokino sei „anders als früher“, aber immer noch anziehend für sie: „Man kann es sich gemütlich machen, miteinander reden, etwas essen und trinken, ohne andere zu stören.“