Waiblingen

Waiblinger Innenstadt: Wie können Geschäfte gegen die Online-Konkurrenz bestehen?

Weihnachtsshopping
Ist Waiblingen als Einkaufsstandort für die Zukunft gut aufgestellt? © ALEXANDRA PALMIZI

„Die Internetkonkurrenz ist nichts Neues mehr.“ Die meisten Waiblinger Händler hätten gelernt, damit umzugehen, meint Max Pfund vom Verein Innenstadtmarketing. Leerstehende Geschäfte machen ihm keine besonderen Sorgen - ein großes Thema der kommenden Jahre werde die Nachfolge bei Läden sein, deren Inhaber aus Altersgründen aufhören. 2023 soll der Handel in Waiblingens Zentrum unter anderem von einer dezentralen Kunstausstellung profitieren - und von einer Abholstation, in der Kunden rund um die Uhr ihre Einkäufe aus lokalen Geschäften abholen können.

„Wir haben in Waiblingen ja tatsächlich eine ganz gute Ausgangsposition - und sind froh, wenn die so bleibt“, sagt Max Pfund, der die Innenstadt-Händler vertritt und vernetzt. Selbst führt er das Haushaltswarengeschäft Villinger-Zeller. Klar könne die Mischung noch besser sein. Aber er höre von Kunden oft Sätze wie: „Waiblingen hat arg nachgelassen“, nach dem Motto: Früher war einkaufstechnisch alles besser. Frage er dann aber nach, was konkret die Waiblinger sich wünschen, komme zur Antwort immer nur etwas wie: noch ein Schuhgeschäft, noch ein Kleiderladen. „Die große Essenz, was fehlt, hat noch keiner geliefert“, so Pfund. „So schlecht aufgestellt können wir also nicht sein.“

Eine Kreisstadt muss Nischen bedienen

Es komme eben auch auf die Perspektive an. Dass heute spezielle Bedürfnisse bedient werden, sei für eine Kreisstadt wie Waiblingen wichtig. Als Beispiel nennt Pfund den E-Zigaretten-Laden „Vapers Dream“, den Mario Fazio 2019 in der Langen Straße eröffnet hat, wo bis 2018 „Messerschmied Eisele“ ansässig war.

So sieht es auch der städtische Wirtschaftsförderer Marc Funk: „Nach wie vor gibt es in Waiblingen, in der Innenstadt, den Ortschaften und auf der vielzitierten Grünen Wiese ein gutes Einkaufsangebot mit vielen Fach- und Spezialgeschäften, die es andernorts nicht gibt. Man denke nur an den Modelleisenbahnspielwarenladen in Beinstein, das Fischgeschäft oder die Chocolaterie in der Altstadt, ein Brautmodengeschäft oder eben ein Sportfachgeschäft, von dem es im Remstal nicht allzu viele mehr seiner Art gibt.“

Um gegen die Internet-Konkurrenz durch Amazon und Co. bestehen zu können, ist aus Max Pfunds Sicht eines zentral: Beratung. Ein Großteil der Läden habe gelernt, Schwerpunkte zu bilden und herauszustreichen, „was wir können, das Online nicht kann“. Und natürlich bieten auch viele stationäre Händler in der Zwischenzeit Online-Shopping oder die Lieferung nach Hause an. „Wir machen, was möglich ist, um Kundenwünsche zu erfüllen.“

Skepsis, ob ein gemeinsamer Lieferservice schnell genug wäre

Eher skeptisch ist Pfund momentan bei einem gemeinsamen Lieferservice der Händler. In der Pandemie habe man sich darüber oft Gedanken gemacht und es auch ausprobiert. Letztlich müsse das Liefern zu den Kunden nach Hause aber schnell gehen, und das Bündeln von Päckchen koste Zeit. Zudem könnten die Wegdistanzen innerhalb Waiblingens „heftig“ sein. Der einzelne Lieferservice sei dann bislang doch schneller. Bei Villinger-Zeller haben sich im vergangenen halben Jahr manche Kunden ihren Einkauf sogar gegen Aufpreis durch einen Paketdienst liefern lassen. Das sei noch ein ziemlich neues Phänomen, habe zuletzt aber zugenommen, berichtet Pfund.

Eine Art Zwischenschritt könnte eine geplante Abholstation sein. Kunden, die es etwa aus beruflichen Gründen nicht in ein Geschäft vor Ort schaffen, bekommen das Gewünschte hier von den Waiblinger Händlern hinterlegt. Auf Initiative von Max Pfund und Marc Funk könnte die „MyRenzBox“ der Firma Renz aus Kirchberg/Murr 2023 in der Fronackerstraße aufgestellt werden, gegenüber der Central-Apotheke und damit gut erreichbar. Im Januar soll es laut Max Pfund eine Infoveranstaltung für Geschäftsleute geben. Er habe schon von einigen gehört, dass sie mitmachen wollen. „Es sieht so aus, als könnten wir das jetzt endlich ausprobieren.“ Die Idee findet der Haushaltswarenhändler sehr charmant. „Mal sehen, wie die Kunden es annehmen.“

Neue Gebäude könnten positiv wirken

Apropos Fronackerstraße: Hier sowie im Bürgermühlenweg werden laut Wirtschaftsförderer Funk im kommenden Jahr „zwei neue Gebäude entstehen, deren Entstehungsgeschichte Jahre zurückliegt und deren Fertigstellung nun einen positiven Effekt für die Innenstadt haben wird.“ Erfreulich sei auch, dass der Remspark mit Kaufland seit kurzem einen neuen Eigentümer hat „und mittelfristig eine Lücke im Einkaufsangebot der Stadt geschlossen wird“.

Der Wirtschaftsförderer setzt auf engen Austausch und direkte Kommunikation mit den Betrieben. „Gerade in der Corona-Zeit haben wir nahezu täglich über Regelungen, Hilfen und Fördermöglichkeiten informiert. Für diese Kommunikationspolitik haben wir viel Zuspruch und positives Feedback erhalten. Auch nach Ende der Beschränkungen erhalten unsere Unternehmen (jeglicher Branchen) regelmäßig Informationen zu staatlichen Förderprogrammen.“ Wichtig für sie seien ein „klares ökonomisches Konzept und Profil“. Fehle das, „so wird es auch zum Ausscheiden aus dem Markt kommen“.

Eine große Herausforderung sehen beide, Wirtschaftsförderer Funk und Innenstadtmarketing-Vereinsvorsitzender Pfund, beim Thema Nachfolge. Geschäftsaufgaben in den letzten Jahren seien meist „mangels Nachfolge und nicht wegen unsicherer Geschäftsaussichten“ erfolgt, so Marc Funk. „Ohne Frage ist die Nachfolgeproblematik eine der größten Herausforderungen im Handel, da es immer weniger Menschen gibt, die sich im Einzelhandel selbstständig machen und die Filialisten in den letzten Jahren in einem schwierigen Umfeld ihre Expansionstätigkeit eingeschränkt haben.“

Max Pfund formuliert es so: „Junge Leute, die mutig sind und einen Laden aufmachen, wachsen nicht auf Bäumen.“ Nachfolge werde ein großes Thema der nächsten Jahre sein - „und vor allem, ab wann wissen wir es und wie kann man reagieren?“ Das, so der Kaufmann, sei eine „Gemeinschaftsaufgabe“, die alle in der Stadtgesellschaft angehe.

Für Wirtschaftsförderer Funk bleibt der Einzelhandel „zwar der Anziehungspunkt Nummer eins für die Innenstädte. Es ist aber zweifellos so, dass lebenswerte Innenstädte der Zukunft einen breiten Nutzungsmix und eine hohe Aufenthaltsqualität anbieten müssen. Die Waiblinger Innenstadt bietet eben diese hohe Aufenthaltsqualität und neben Einkaufsmöglichkeiten ein sehr gutes Gastronomieangebot, eine hohe Wohnqualität, den Wochenmarkt, Bildungseinrichtungen, Kulturangebote, Ärzte, Dienstleister, Beschäftigungsmöglichkeiten, eine gute Erreichbarkeit und mit der Talaue einen Grüngürtel, um den uns mehrere Städte beneiden.“

Für 2023 gehe er davon aus, dass Veranstaltungen, die Besucher in die Innenstadt locken, uneingeschränkt durchgeführt werden können. „Das ist für uns als Wirtschaftsförderungsgesellschaft und auch für den Handel wichtig.“ Und die Händler entwickeln auch eigene Konzepte: Zusammen mit dem Staufer-Gymnasium organisieren sie gerade eine dezentrale Kunstausstellung in ihren Läden. Noch laufe die Rückmeldungsphase, so Max Pfund. Auf den von den Geschäften zur Verfügung gestellten Flächen werden Staufer-Schüler dann individuelle Kunstprojekte umsetzen.

„Die Internetkonkurrenz ist nichts Neues mehr.“ Die meisten Waiblinger Händler hätten gelernt, damit umzugehen, meint Max Pfund vom Verein Innenstadtmarketing. Leerstehende Geschäfte machen ihm keine besonderen Sorgen - ein großes Thema der kommenden Jahre werde die Nachfolge bei Läden sein, deren Inhaber aus Altersgründen aufhören. 2023 soll der Handel in Waiblingens Zentrum unter anderem von einer dezentralen Kunstausstellung profitieren - und von einer Abholstation, in der Kunden rund um

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper