Waiblingen

Waiblinger kämpft gegen Raser in seiner Straße

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Hans-Günter Aeckerle kämpft seit Jahren dafür, die Beinsteiner Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. „Das hier ist keine Rennstrecke“, sagt Hans-Günter Aeckerle. Der Anwohner der Beinsteiner Straße ärgert sich über Durchgangsverkehr und Raser vor seiner Haustür. Tempo 30 werde so gut wie nie eingehalten, sagt er. Seit Jahren liegt er deshalb mit der Stadt Waiblingen im Clinch. Die Verwaltung sagt: Baulich ist hier alles in Ordnung und lehnt weitere Maßnahmen ab.

Morgens und abends sei es besonders schlimm, sagt Hans-Günter Aeckerle. „Dann fährt hier wirklich ein Auto nach dem anderen“, präzisiert der Anwohner. Hinzu komme der Busverkehr zweimal in der Stunde. Natürlich verstehe er, dass die Beinsteiner Straße die Haupterschließungsstrecke für das Wohngebiet Kätzenbach sei, fügt er hinzu. Aber seiner Meinung nach nutzten auch jede Menge Pendler die Parallelstrecke zur Straße „An der Talaue“. Das dürfe nicht sein, findet Aeckerle. Denn darunter leide die Verkehrssicherheit, insbesondere nahe der Siechenhauskapelle, wo Kinder den Straßenüberweg nutzten, um ins Hallenbad zu gelangen.

Eine Straße ist dazu da, um befahren zu werden

„Kaum jemand hält sich an Tempo 30. Wenn kein Gegenverkehr kommt, wird hier durchgebrettert“, schildert Hans-Günter Aeckerle seine Beobachtung. Besonders schlimm werde es samstagabends ab 22 Uhr. „Da wird unsere Straße zur Rennstrecke und die Leute rasen, dass die Motoren nur so röhren.“ Zwar mache die Stadt regelmäßig Tempo- und Verkehrskontrollen, aber nach Aeckerles Ansicht zu Zeiten „wo der Verkehr nicht so stark ist“. Die Aussage, in der Straße gebe es keine gravierenden Verstöße, sei daher womöglich sachlich richtig - geht dem Vorsitzenden des Arbeitskreises „Waiblingen Engagiert“ jedoch nicht weit genug. Aus seiner Sicht müsste die Situation speziell zu Berufsverkehrszeiten überprüft werden.

Beim Ordnungsamt sieht man die Sache so: Die Beinsteiner Straße hat eine Funktion und zwar die Erschließung des Wohngebiets Ketzenbach und der Henri-Dunant-Straße. „Darum gibt es dort natürlich Verkehr“, sagt Ordnungsamtsleiter Oliver Conradt von der Stadt Waiblingen. Grundsätzlich sei eine Straße dazu da, befahren zu werden. Dass es auch mal Ausweichverkehr gebe, sei möglich, aber laut Daten der Stadt nicht die Regel. Dies sei vor der eigenen Haustür natürlich ärgerlich, aber objektiv betrachtet erfülle die Straße ihren Zweck.

"Der Umgang mit uns Bürgern ärgert mich"

Aeckerle moniert, dass die Daten der Kontrollen nicht öffentlich dargestellt würden. Er habe bereits versucht, über den Gemeinderat an die Informationen zu gelangen, ohne Erfolg. Das sei allerdings auch nicht der richtige Weg, sagt Conradt. „Wer Einsicht in die Daten möchte, kann einfach auf dem Rathaus vorbei kommen und bekommt dort Auskunft. Damit halten wir nicht hinterm Berg.“ Vielleicht habe es da ein Missverständnis gegeben - die Statistik dürfe jeder Bürger selbstverständlich einsehen.

„Ich fühle mit meinen Anliegen nicht ernst genommen. Der Umgang mit uns Bürgern ärgert mich“, sagt der Arbeitskreisvorsitzende Aeckerle. Sein Wunsch: Die Verwaltung solle sich überlegen, wie die Beinsteiner Straße so umgestaltet werden könne, dass Autofahrer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten müssen. „Man könnte die Straße zum Beispiel stellenweise verengen, verschiedene Bodenbeläge einsetzen oder ähnliches, wie es an anderen Stellen ja bereits getan wurde“, schlägt er vor. Eine weitere Idee Aeckerles wäre es, die Straße nur noch für Anlieger freizugeben, aber für den Durchgangsverkehr zu sperren.

Verwaltung: Im Schnitt keine hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen

Aus Sicht der Verwaltung ist die Straße bereits der Geschwindigkeitsbegrenzung angepasst. „Parken findet dort beispielsweise im Versatz statt, das nimmt schon mal Geschwindigkeit raus“, erklärt Conradt. Die Beinsteiner Straße entspreche in ihrer Gestaltung vielen anderen Straßen in ähnlicher Lage in Waiblingen. Im Schnitt gebe es dort, das besagen die Daten der Verkehrskontrollen, keine hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Seit gut zwei Jahren steht Hans-Günter Aeckerle wegen seines Anliegens mit der Stadt Waiblingen in Kontakt. Im vergangenen Jahr hat er einen Bürgerantrag gestellt, die Beinsteiner Straße zu einer verkehrsberuhigten Zone zu erklären. Dieser wurde abgelehnt. „Außerdem habe ich im Gemeinderat vorgesprochen“, ergänzt er. Das Thema soll nun im Ausschuss für Bildung, Soziales und Verwaltung des Gemeinderats behandelt werden.


Zu viele Autos

Ein weiteres Problem ist laut Hans-Günter Aeckerle, dass viele Autos an der Beinsteiner Straße geparkt werden. „Das macht es natürlich unübersichtlich“, sagt er.

Natürlich müssten die Anwohner mit ihren Autos irgendwohin. Das dürfe aber nicht zulasten der Verkehrssicherheit gehen.