Waiblingen

Waiblinger Kitas im Kampf gegen Personalmangel und verkürzte Öffnungszeiten

Keine Gebührenerhöhung
Wegen der hohen Nachfrage nach Betreuungsplätzen besteht ein wachsender Bedarf an pädagogischen Fachkräften. © Adoebstock/ lordn

Die Corona-Inzidenz schießt in die Höhe, aber nicht nur die Pandemie macht den Kindergärten in Waiblingen zu schaffen. Der nasskalte November sorgt erst recht dafür, dass überall immer wieder Personal ausfällt. Immerhin ist es bislang noch nicht so hart gekommen, dass ganze Gruppen geschlossen werden müssen. Aber: In städtischen, kirchlichen und privaten Einrichtungen mussten Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Das bestätigt die Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr, die zugleich versichert: „Wir machen das stets in enger Abstimmung mit dem Elternbeirat.“ In den Gesprächen wird zum Beispiel diskutiert, ob eine Kita um acht statt um sieben Uhr öffnet oder um 15 statt um 17 Uhr schließt. Die Eltern legen Wert darauf, im Fall des Falles lieber frühzeitig über Einschränkungen informiert zu werden, sagt Erika Schwiertz, Fachbereichsleiterin Bildung und Erziehung.

Vorsorgliche Schließungen werden durch schnelle PCR-Tests vermieden

Was Corona anbelangt, erscheinen die Zahlen in den Kitas in Anbetracht der dramatisch hohen Inzidenz für den Rems-Murr-Kreis fast noch harmlos. Aktuell sind sieben Kinder und sieben Mitarbeiterinnen positiv getestet. Am härtesten traf es zuletzt die Kita Kirchäcker in Hohenacker. Nachdem drei Kinder sowie zwei Mitarbeitende positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, wurde die Einrichtung vorsorglich bis zum Vorliegen negativer PCR-Ergebnisse geschlossen. Erneut konnte durch die ultraschnellen PCR-Tests beim Bürgerzentrum Sicherheit geschaffen werden. Die vielen vorsorglichen Schließungen wie in der letzten Herbst-/Wintersaison, während derer viel länger auf die PCR-Ergebnisse gewartet wurde, konnten dadurch bislang vermieden werden. Generell bestehe eine hohe Testbereitschaft in den Familien. Zwei Tests die Woche sollen es sein. Wegen der guten Erfahrungen wird von einer Testpflicht bewusst abgesehen.

Dies alles vor dem Hintergrund, dass landesweit laut Bertelsmann-Stiftung bis 2030 rund 33 000 bis 44 000 Fachkräfte fehlen. Weshalb manche Kommunen Einrichtungen schließen oder für neu geschaffene Einrichtungen kein Personal finden. Szenarien, die Waiblingen bis auf weiteres erspart bleiben – zu spüren ist die Entwicklung gleichwohl.

So viele unbesetzte Stellen gibt es

In den 16 städtischen Kitas sind drei personell voll besetzt. Zehn Einrichtungen haben eine oder zwei offene Stellen, wobei diese laut Christiane Dürr in den überwiegend großen Häusern weniger ins Gewicht fallen, als es in kleinen, beispielsweise zweigruppigen Kindergärten der Fall wäre. In drei Kitas allerdings sind drei Stellen oder mehr unbesetzt. Vakanzen durch Schwangerschaft sind in der Berufsgruppe normal. Die Corona-Pandemie macht die Personalsituation insofern schwieriger, als das flexible Arbeiten in offenen Gruppen weniger geboten erscheint. Getrennte Gruppen erhöhen zwar den Infektionsschutz, sind aber personalintensiv.

Forderung an die Politik: Bezahlt auch die Azubis!

„Die Politik ist hier ganz stark gefragt“, sagt Christiane Dürr. Es geht um die Ausbildung, Studienplätze, Quereinsteigermodelle. „Wir brauchen eine Reform der klassischen Erzieherinnenausbildung.“ PIA 2.0. „Welcher junge Mensch macht heute noch eine Ausbildung, in der er erst im letzten Jahr eine Vergütung bekommt?“ Bis vor kurzem mussten er oder sie sogar noch Schulgeld bezahlen. So etwas sei schlicht „nicht zukunftsfähig“. Die andere Seite der Medaille: Eine neue Ausbildungsvergütung wird den Arbeitgebern, den Städten und Gemeinden zumal, Geld kosten. „Aber es führt kein Weg dran vorbei.“

Klassische Erzieherinnen-Ausbildung weniger gefragt

Als „absolutes Erfolgsmodell“ hat sich die praxisorientierte Ausbildung PIA bewährt, über die in Waiblingen langsam schon mehr Fachkräfte in den Erzieherinnen-Beruf kommen als über die klassische Ausbildung. Ursprünglich war PIA für Quereinsteiger und Studienabbrecher konzipiert – und wird allmählich zur Normalität.

Die Stadt Waiblingen hat an den Kitas 61 Ausbildungsplätze. Im Jahr 2021 starteten elf neue PIA-Teilnehmer und 22 Anerkennungspraktikantinnen. Im laufenden Jahr werden zehn Azubis als Fachkräfte übernommen. Mit Angeboten zur Gesundheitsvorsorge, mehrstufigen Leitungsstrukturen und Beratungsstellen für Leitungen und Eltern versucht die Stadt Waiblingen, Voraussetzungen für ein gutes Arbeiten zu schaffen. Unlängst hat die Stadt den Zuschlag bekommen zur Teilnahme am Programm „Trägerspezifische, innovative Projekte“ zur Personalgewinnung.

Die Corona-Inzidenz schießt in die Höhe, aber nicht nur die Pandemie macht den Kindergärten in Waiblingen zu schaffen. Der nasskalte November sorgt erst recht dafür, dass überall immer wieder Personal ausfällt. Immerhin ist es bislang noch nicht so hart gekommen, dass ganze Gruppen geschlossen werden müssen. Aber: In städtischen, kirchlichen und privaten Einrichtungen mussten Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Das bestätigt die Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr, die zugleich

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