Waiblingen

Waiblinger Mehrgenerationenhaus im September bezugsbereit

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Eigentümer und Bewohner vor ihrem fast fertigen neuen Zuhause. © Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Singles und Familien, Senioren und junge Leute, Flüchtlinge und Menschen mit Behinderung, Eigentümer und Mieter: Ein Querschnitt durch die Gesellschaft soll es sein, der im September ins Mehrgenerationenhaus „Woge zwei“ einzieht. 30 Erwachsene und zehn Kinder wollen dort bewusst in guter Nachbarschaft leben.

Von außen betrachtet, wirkt die „Woge zwei“ noch wie eine einzige Baustelle, doch der äußere Eindruck täuscht. Innen stehen schon die ersten Betten, Sofas und Kühlschränke. Die künftigen Bewohner sind fest entschlossen, ihr neues Zuhause in den nächsten Wochen zu beziehen. Nach vier Jahren Planungsphase geht’s jetzt zum besonders stressigen und, wie bei jedem Umzug, sicher auch etwas chaotischen Schlussspurt.

Dennoch: Die Woge zwei ist kein Neubau wie jeder andere, sondern nach der benachbarten Woge eins das zweite echte Mehrgenerationenhaus in Waiblingen, zwischen Friedhof und Röte-Kindergarten an der Alten Rommelshauser Straße gelegen. So verschieden die Bewohner auch sind, haben sie doch einen gemeinsamen Wunsch: nicht in Anonymität zu leben.

Gemeinschaftsraum und Spielzimmer als Plus

Die Abkürzung Woge steht für „Wohnen in Gemeinschaft“ – und der Team-Gedanke hat sich schon in der Vorbereitung entwickelt. „Die mehrjährige Arbeit am gemeinsamen Projekt hat die Leute zusammengebracht“, sagt Christoph Benner, der mit Frau und Sohn einzieht. Für Ole Förster, der nach Jahren in Ravensburg in die Nähe seiner Familie zurückgezogen ist, macht die gegenseitige Unterstützung den Charme der Woge aus. Er will in der Garten-AG mitschaffen und bietet an, älteren Bewohnern am Computer zu helfen. Die „Gärtner“ sind im Gespräch mit dem Naturschutzbund Nabu, weil sie ökologisch sinnvolle und heimische Bäume und Sträucher anpflanzen wollen, die wiederum die Gemeinschaft weiter gedeihen lassen. Zum Beispiel Apfelbäume, deren Ernte dann im Team in der Küche verarbeitet wird.

„Jeder engagiert sich in einer Gruppe und bringt sein Wissen, von Brandschutz über Handwerkliches und IT bis Recht, ein“, sagt Christine Felsinger über das Engagement der Gruppe. Mit ihrem Mann verlässt die 52-Jährige die Altbauwohnung in Stuttgart und deren „100 Treppen“, die für sie langfristig ebenso wenig eine Perspektive sind wie eine biedere Neubausiedlung mit Schlafstadt-Charakter. Besonders die bunte Bewohner-Mischung gefällt der Verlagsmanagerin und dem Juristen, der als Geschäftsführer der Bau- und Hausgemeinschaft viel Zeit investiert. Die Bauherren genießen mit 4000 Euro pro Quadratmeter (inklusive Tiefgargen-Stellplatz) Preise leicht unter Marktniveau und können mehr als beim standardisierten Bauträger-Gebäude eigene Ideen im Grundriss, bei Fenstern und Parkett verwirklichen.

Kehrseiten

Kehrseiten sind eben der Zeitaufwand und teils lange Diskussionen – wobei sich die Woge-Leute von der auf Mehrgenerationen-Häuser spezialisierten Pro-Genossenschaft versichern ließen, zu den unkomplizierten und harmonischen Hausgemeinschaften zu gehören.

Herz des Mehrgenerationen-Hauses wird der Gemeinschaftsraum, der für Versammlungen und Partys genutzt wird Ein Spielzimmer für die Kinder grenzt an, das die Bewohner aber auch zeitweise als Gäste-Appartement buchen können. Der soziale Aspekt der neuen Wohnform kommt außerdem in der Inklusions-Wohnung zum Tragen, in der vier leicht behinderte Menschen wohnen, die einer Arbeit nachgehen und sich selbst versorgen können.

Und mehr noch: Lehrerin Jenny Poole, Bewohnerin der Woge eins, hat eine Wohnung in der Woge zwei gekauft, die sie als WG an zwei mit ihr bekannte Flüchtlinge vermietet.

Selbst die knifflige Frage nach der Energieversorgung hat die Baugemeinschaft selbst gelöst. Drei Bewohner vertieften sich in die Finessen der Heiztechnik und besuchten eigens eine Messe. Im Ergebnis brummt im Heizungskeller leise ein kleines Blockheizkraftwerk der Stadtwerke.

Genossenschaft

Die Pro-Wohngenossenschaft hat sich auf Mehrgenerationenhäuser spezialisiert. Projekte hat sie in Stuttgart, Schorndorf, Ludwigsburg und Esslingen realisiert.

Die Genossenschaft unterstützt Initiativen für gemeinschaftliche Wohnprojekte durch: Beratung, Konzeptentwicklung, Planungshilfe, Abstimmung mit Städten und Gemeinden, Moderation bei Konflikten, Beratung zu Finanzierung und Fördermöglichkeiten sowie Bau in enger Zusammenarbeit mit der Projektgruppe.