Waiblingen

Waiblinger Oberbürgermeister a. D.: Das neue Leben des Andreas Hesky

EhepaarHesky
Andrea und Andreas Hesky entspannt auf ihrer Terrasse: Lange Zeit war das ein seltenes Vergnügen. © Gaby Schneider

Vor einem halben Jahr war Andreas Hesky als Oberbürgermeister noch Chef von 1408 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Waiblinger Stadtverwaltung (inklusive Eigenbetriebe). Sein Arbeitspensum bis zum letzten Tag war legendär. Doch inzwischen ist eingetreten, was er selbst und viele andere sich kaum vorstellen konnten: Er hat sich, gemeinsam mit seiner Frau, eingerichtet im Ruhestand. Eine Umstellung, keine Frage. Aber das Ehepaar genießt sichtlich den neuen Zeit-Wohlstand. Die oft 80-stündige Dienstwoche ließ wenig Raum für ein Familienleben. „Jetzt ist alles irgendwie neu“, sagt Andrea Hesky lächelnd.

Den Traumberuf als OB aufzugeben, fiel durchaus schwer. Das spürte Andreas Hesky besonders deutlich, als er das Dienstzimmer räumte, das über Jahre mindestens eine Art zweites Wohnzimmer war. „Aber es war eine freiwillige Entscheidung, ich wurde ja nicht abgewählt.“ Und sie war wohlüberlegt. Ernsthafte Zweifel an einer Wiederwahl hatte er nicht, die Stimmung stand nicht nach einem Wechsel. Obwohl vor jeder Wahl immer Respekt geboten sei, schließlich könne immer auch unerwartet ein aussichtsreicher Gegenkandidat auftauchen. Weitere acht Jahre im Amt wollte der 58-Jährige sich aber nicht mehr antun – und einen Wahlkampf für nur eine halbe Amtszeit auch nicht.

16 Jahre war Andreas Hesky OB in Waiblingen, davor drei Jahre Erster Bürgermeister in Ludwigsburg und von 1992 bis 2003 Bürgermeister in Wendlingen. Spätestens seit der Ludwigsburger Zeit lagen seine Hobbys – die Orgel und der Bootsmodellbau – auf Eis. Die Kinder Kerstin (heute 29 Jahre) und Oliver (31 Jahre) mussten ihren Vater auch an den Wochenenden meistens entbehren. Wenn sie bei Freunden zu Besuch waren, berichteten sie anschließend erstaunt: „Da war der Papa zu Hause!“

Mit dem Wohnwagen unterwegs

Ihren Jahresurlaub verbrachten die Heskys schon in den vergangenen Jahren gerne mit dem eigenen Boot in Kroatien. Dort geht’s in Kürze auch wieder für zwei Wochen hin. Zum Ruhestand hat sich das Ehepaar aber auch wieder einen Wohnwagen-Anhänger angeschafft. Denn: „Wir sind begeisterte Camper.“ Eine erste Fahrt führte nach Neckarzimmern bei Heilbronn, eine weitere in den Schwarzwald. Irgendwann geht’s mit dem Wohnwagen nach Frankreich. Als der bisherige Rathauschef mit dem Boot den Neckar hochfuhr, postete er schöne Fotos auf Facebook - und erntete regen Zuspruch. „So viel Resonanz habe ich auf meine dienstlichen Posts nicht bekommen.“ Das Altstadtfest verpassten die Heskys – weil sie im Urlaub waren. Absicht oder Fluchtgedanken hegten sie nicht: „Wir nutzen einfach gerne die Vorsaison.“

Planspiel an der Hochschule Ludwigsburg

Doch der frischgebackene „Oberbürgermeister a. D.“ macht nicht nur Urlaub. Die Arbeit als Kuratoriumsvorsitzender der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung erfordert deutlich mehr Zeit als erwartet und verschaffe ihm spannende Einblicke in die Stiftungsarbeit. Nicht zuletzt fungiert er weiter als Kreisrat und als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Regionalparlament. An der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg wartet eine neue Aufgabe auf ihn: Gemeinsam mit einem hauptamtlichen Lehrbeauftragten betreut er Studierende an zwei Wochentagen von Oktober bis Dezember bei einem Planspiel, in dem es um Politik und Verwaltung geht. Nicht nur 2022, sondern auch in den folgenden Jahren. Einen Vollzeitjob hat er derzeit nicht in Aussicht – und nach eigenem Bekunden drängt es ihn auch nicht danach. In Anbetracht der Pension, die ihm nach 30 Jahren als Bürgermeister zusteht, besteht finanziell keine Notwendigkeit.

Mails an die Stadtverwaltung verkneift er sich

Seit er keinen Dienst-Parkplatz unter dem Rathaus mehr hat, geht Andreas Hesky auch gerne zu Fuß in die Innenstadt oder fährt Rad. „So sieht man die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive.“ Mails ans Rathaus mit Verbesserungsvorschlägen oder wegen falsch parkender Autos verkneift er sich. „Ich habe großes Vertrauen in die Stadtverwaltung und in den Gemeinderat.“ Ohnehin hat er sich vorgenommen, es ebenso zu halten wie seine Vorgänger: Er wird sich nicht in Kommunalpolitik und Amtsgeschäfte einmischen. Mit seinem Nachfolger Sebastian Wolf sei er „zufrieden“.

Vor einem halben Jahr war Andreas Hesky als Oberbürgermeister noch Chef von 1408 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Waiblinger Stadtverwaltung (inklusive Eigenbetriebe). Sein Arbeitspensum bis zum letzten Tag war legendär. Doch inzwischen ist eingetreten, was er selbst und viele andere sich kaum vorstellen konnten: Er hat sich, gemeinsam mit seiner Frau, eingerichtet im Ruhestand. Eine Umstellung, keine Frage. Aber das Ehepaar genießt sichtlich den neuen Zeit-Wohlstand. Die oft

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