Waiblingen

Waiblinger Postbote verschenkt Lesestoff

Postbote bringt Bücher am Welttag des Buches_0
Postbote Toni Lago bringt die Buchgeschenke der Post zum Welttag des Buches © Christine Tantschinez

Waiblingen. „Ich möchte Ihnen ein Buch schenken“, stellt sich Toni Lago, gut als Postbote in gelb-blauer Kleidung zu erkennen, an der Haustüre vor. „Und was muss ich jetzt dafür tun?“, geht eine Frau zunächst auf Distanz. Bei der Antwort „Nichts, nur lesen und freuen“ ist das Eis gebrochen.

Mit dem E-Fahrrad, seinem „gelben Blitz“, biegt Toni Lago in die Emil-Münz-Straße ein. In seiner gelben Postkiste liegen aktuelle und neue Bücher zwischen der üblichen Briefpost aus Rechnungen, Zeitschriften und Briefen. Weit vom Gründonnerstag-Einkaufstrubel entfernt erreichen die Buchgeschenke der Deutschen Post die Empfänger – zumindest jene, die anzutreffen sind, erhalten ein Buch persönlich überreicht vom „wandelnden Sonnenschein“ Toni Lago. Er ist immer fröhlich, nie um einen Spruch verlegen, im ganzen Quartier bekannt und beliebt – und vor Ostern als verfrühter „Osterhase“ von Bücherfans besonders gern gesehen.

„Ich habe mir gedacht, dass Sie das Buch freuen könnte“, spricht er eine Frau in der Blumenstraße an. „Das ist ja toll, ich hab’ so lange nicht mehr gelesen“, sagt sie. „Der Roman da, ich glaube, das wäre was für Frau Vollmer“ – schon läuft Toni Lago im Postboten-Schritt auf das Haus zu. Klingeln muss er nicht, Anneliese Vollmer läuft ihrem „Lieblingspostler“ schon entgegen. Den Titel „Neujahr“ von Juli Zeh kennt sie aus der Zeitung. „Wie schön, jetzt habe ich ja was zu tun über Ostern“, bedankt sie sich.

„Der passt, ich bin eh voll die Leseratte“

Die Morgensonne lacht und Toni Lago freut sich über alles: über das Wetter, den blühenden Obstbaum, die zwitschernden Vögel und über Hündin Amy, die ihn freudig begrüßt und nicht von seiner Seite weichen möchte. „Von wegen – der Postbote wird vom Hund gebissen“, witzeln Gudrun und Witolt Bobowski, die Halter von Amy. Sie schaut auf den Klappentext des Wälzers „Winterwundertage“ von Karen Swan: „Der passt, ich bin eh voll die Leseratte“, sagt Gudrun Bobowski und zählt auf, was ihr Lesehunger alles verschlingt: Krimis, Thriller, Romane – auch vor dicken Wälzern schreckt sie nicht zurück. „Früher hatte ich nie Zeit, aber seit die Kinder aus dem Haus sind, lese ich alles, was kommt.“

Toni Lago ist mit rund 30 Büchern für Erwachsene und Kinder unterwegs. Einige Bücher sind fest gebunden, auch inhaltlich erwartet die Beschenkten durchaus Handfestes: Bestseller-Autoren wie Juli Zeh, Wladimir Kaminer, Dörte Hansen und Michelle Obama. Die Tour wird nicht gekürzt, der Briefträger muss wegen des höheren Volumens und Gewichts ein paarmal häufiger nachladen und braucht etwas länger. „Aber ich kann Überstunden aufschreiben“, sagt er, dem das Erlebnis den Arbeitstag versüßt. „Es ist schön, wenn die Augen von Erwachsenen vor Freude glänzen.“

Wo er normalerweise vorbeiflitzt und die Briefe entweder durch angenehm breite Briefschlitze hineingleiten lässt oder sich mit veralteten Briefkastenanlagen und viel zu kleinen Einwurfschlitzen abmüht, klingelt er heute und blickt in viele erstaunte fröhliche Gesichter, hält ein nettes Schwätzchen. Zu den Beschenkten gehört auch Simone Holzwarth. „Ich freue mich total, konnte es im ersten Moment nur nicht glauben“, sagt sie. „Man kriegt ja nicht täglich was geschenkt, wie komme ich zu der Ehre?“, fragt sie. „Weil ihr euch immer freut und freundlich seid, wenn ich zur Tür reinkomme“, antwortet Toni, der vertretungsweise durch seinen ehemaligen Bezirk geht. „Ich lebe bei der Arbeit und nicht erst nach Feierabend, vor allem natürlich heute.“

Nach Dienstende, wenn alle Bücher verteilt sind, greift er nicht zum Buch. „Ich werde müde beim Lesen, ich brauche etwas zum Hören, ein Hörbuch wäre optimal“, sagt er lächelnd.