Waiblingen

Waiblinger Restaurants: Vorratskammer und Brunnenstuben brauchen Luca-App nicht

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Julia Krehl (rechts) vom Waiblinger Restaurant „Die Vorratskammer“ findet das baldige Aus für die Luca-App gut – und da ist sie nicht die Einzige in der Branche. © ZVW/Gabriel Habermann

Bis Ende März kann die Luca-App in Baden-Württemberg von der Gastronomie noch genutzt werden – dann endet der Vertrag mit dem Land. Julia Krehl vom Restaurant „Die Vorratskammer“ aus Waiblingen trauert der App zur Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen nicht nach – ganz im Gegenteil: Nach eigenen Angaben wurde sie bislang nie vom Gesundheitsamt wegen eines Corona-Falls kontaktiert. „Dadurch, dass wir nie angefragt wurden, habe ich mir schon gedacht, es bringt nichts.“

Julia Krehl und ihr Partner Robert Kudin hatten früh auf die Luca-App gesetzt, als diese eingeführt wurde. Sie sollte dafür sorgen, dass die Zettelwirtschaft bei der Erfassung der Kontaktdaten endet – und die Gesundheitsämter schnell informiert werden.

Am Anfang, erinnert sich Julia Krehl, musste sie vielen Gästen erst mal erklären, wie alles funktioniert. Pro Tag investierte sie nach eigenen Angaben allein 30 bis 45 Minuten für das Thema Kontaktnachverfolgung.

Trend zur Reservierung in der Gastronomie

Das hat sich längst gebessert – und das liegt an einem neuen Trend: 90 Prozent der Gäste würden mittlerweile reservieren. „Selbst wenn die Leute einen Kaffee trinken, rufen sie an“, sagt Julia Krehl. Sprich: Sie hat die Kontaktdaten von den meisten sowieso schon. Die Luca-App ist in den Fällen also gar nicht nötig. Und dann gab es ja immer schon jene Gäste, welche die App nicht verwenden möchten – und das waren laut Julia Krehl nicht wenige. Für diese wurden weiterhin vorgefertigte Formulare vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verwendet.

Reservierungen helfen dabei, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden

Unabhängig von Corona gefällt es Julia Krehl, dass mittlerweile so viele Kunden reservieren. Auf diese Weise können sie und ihr Mann den Einkauf viel besser planen – mit der Folge, dass weniger Lebensmittel übrig bleiben. Das spart Geld und tut auch der Umwelt gut. Auch beim Einsatz des Personals können die beiden Waiblinger Gastronomen besser planen – und dann auch schon mal Mitarbeitern kurzfristig eine längere Pause genehmigen. Beim Essen zum Mitnehmen bitten Julia Krehl und Robert Kudin ihre Gäste, am Vortag oder wenigstens einige Stunden vorab anzurufen – das hilft schließlich auch beim Planen.

Dass das Land den Vertrag mit der Luca-App nicht mehr verlängert hat, findet Julia Krehl gut. „Ich bin froh, dass sie wegfällt.“ Dass die Landesregierung derzeit überlegt, dem Beispiel von Rheinland-Pfalz zu folgen und die Kontaktnachverfolgung in der Gastronomie generell abzuschaffen, begrüßt die Chefin der Vorratskammer ebenfalls.

Brunnenstuben haben Luca-App schon 2021 wieder abgeschafft

Thorsten Beyer von den Brunnenstuben in Beinstein hat sich schon 2021 entschieden, die Luca-App nicht mehr zu nutzen. Nicht wenige ältere Kunden hätten diese sowieso nicht verwenden wollen. Laut Thorsten Beyer sind die erfassten Kontaktdaten in den Beinsteiner Brunnenstuben in der Pandemie kein einziges Mal von den zuständigen Behörden gebraucht worden. Keinen einzigen Anruf, sagt Thorsten Beyer, habe er bekommen.

Cavos in der Bahnhofstraße: Luca-App wird gar nicht genutzt

Geschäftsführer Konstantinos Tsantos vom „Cavos“ in der Bahnhofstraße hat in seinem Restaurant die Luca-App sowieso nicht verwendet. Man habe immer die Zettel genutzt – und da habe sich auch nur eine Person damit beschäftigen müssen. Der Aufwand war also vertretbar.

Bernd Bachofer trauert der Luca-App ebenfalls nicht nach

Der Waiblinger Gastronom Bernd Bachofer wird die Luca-App ebenfalls nicht vermissen. Er habe mitbekommen, dass Behörden die Daten der Luca-App ohnehin kaum noch nutzen würden. Die Gesundheitsämter im Land konzentrieren sich bei der Kontaktnachverfolgung schließlich schon seit längerem auf größere Corona-Ausbrüche und gefährdete Gruppen wie etwa Bewohner von Pflegeheimen. Genutzt wird die Luca-App von Bachofers Gästen allerdings schon. Nur drei-, viermal, erinnert sich der Gastronom, hätten Kunden darauf bestanden, ihre Daten auf einem Zettel einzutragen.

Wenn die Luca-App wegfällt, bedeutet das für Bernd Bachofer aber kaum Mehraufwand. Bei ihm ist die Zahl der Menschen, die spontan im Restaurant vorbeikommen, ohnehin überschaubar. „90 Prozent reservieren vorher.“

Bis Ende März kann die Luca-App in Baden-Württemberg von der Gastronomie noch genutzt werden – dann endet der Vertrag mit dem Land. Julia Krehl vom Restaurant „Die Vorratskammer“ aus Waiblingen trauert der App zur Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen nicht nach – ganz im Gegenteil: Nach eigenen Angaben wurde sie bislang nie vom Gesundheitsamt wegen eines Corona-Falls kontaktiert. „Dadurch, dass wir nie angefragt wurden, habe ich mir schon gedacht, es bringt nichts.“

Julia

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