Waiblingen

Waiblinger Schwimmvereine verärgert über gesenkte Wassertemperatur in den Bädern

Schwimmkurs
Schwimmtrainerin Katrin Breyer mit Kindern im Lehrschwimmbecken in Neustadt. Die Kinder zeigen sich im 26 Grad kalten Wasser tapfer. © ALEXANDRA PALMIZI

Rund 26 Grad anstatt 28 zum Schwimmen in vielen Waiblinger Becken – Schwimmvereine in Waiblingen zeigen sich über den Schritt der Stadtwerke empört, mit welchem Energie eingespart werden soll, wie es das Bundeswirtschaftsministerium Ende März mit dem Ausrufen der Frühwarnstufe gefordert hatte. Damals hatten die Stadtwerke unmittelbar als Folge die Temperaturen gesenkt und das Außenbecken geschlossen. Seither finden Schwimmer im Schwimmerbecken des Hallenbads rund 26 Grad vor, anstatt wie bisher 28 Grad. Das gilt auch für die Schul- und Lehrschwimmbecken in Hegnach und Neustadt. In Bittenfeld sind es 30 anstatt 32 Grad, ebenso im Nichtschwimmerbecken des Waiblinger Hallenbads.

Die Temperatursenkung würde Konsequenzen für den Schwimmunterricht nach sich ziehen. „Es wird länger dauern, bis Kinder die Fertigkeit im Wasser erlernt haben“, sagt Birgit Hettich von der Schwimmschule des VfL. Dabei sei die Warteliste nach der langen Pause während der Corona-Pandemie ohnehin sehr lang.

Viele Eltern beschweren sich bei den Vereinen über die Situation in den Bädern

Eine Beobachtung, die auch andere Vereine so wiedergeben. „Ich war selber zweimal mit den Jüngsten im Bad, die rund fünf Jahre alt sind“, sagt Heinz Ensen, Vorsitzender der Schwimmfreunde Hegnach. Ein gewohnter Unterricht über 40 oder gar 45 Minuten sei nicht möglich, da die Kinder früher müde seien, demnach unkonzentrierter. Zwischendurch versuchen sie sich unter der warmen Dusche aufzuwärmen, was das nachfolgende Schwimmen noch schwerer mache. Eine Tatsache, die genauso zur Energieverschwendung führe, meint der  Ausbildungsleiter der DLRG-Ortsgruppe Bittenfeld Christian Sachers. Dass Kinder frühzeitig aus dem Training aussteigen, „bremst den Trainingseffekt massiv aus!“, sagt er. Eltern beschweren sich, weil Kinder nach dem Training „durchgefroren sind“!

Letztendlich müsse unterschieden werden zwischen jemandem, der regelmäßig und viel im Verein schwimmt wie etwa den Wettkampfschwimmern, und solchen, die im Alter von vier oder fünf Jahren erst ans Wasser gewöhnt werden müssen, betont Birgit Hettich, welche die Organisation der VfL-Schwimmschule unter sich hat. „Kinder haben kein Fett auf den Rippen“, erklärt sie. „Jedes vierte oder fünfte Kind sagt: Da gehe ich nicht mehr hin!“

Eine weitere Frage, die sich alle Vereine stellen, ist: Wie wird es im Herbst? Aktuell nehmen viele Schwimmbegeisterte die kalten Wassertemperaturen bei den recht warmen Außentemperaturen „mit einem Murren hin“, wie es Heinz Ensen von den Schwimmfreunden Hegnach beschreibt. „Ab Herbst rechne ich aber mit einer deutlich reduzierten Anzahl an erwachsenen Kursteilnehmern im Bereich Aquafitness. Das ist schon so absehbar!“, sagt er.

Die VfL-Schwimmschule, die überwiegend das Bad in Neustadt nutzt, hat Eltern geraten, dass Kinder in kurzen Neoprenanzügen oder zumindest Neopren-T-Shirts zum Unterricht erscheinen.

Allerdings müsse man hierbei wissen, dass sich die Wasserlage mit dem Stück Stoff am Körper verändere, betont Hettich. Die Gefahr dabei sei, dass Kinder in Panik geraten können, wenn sie einmal ohne solch einen Anzug ins Wasser gehen.

Vereine benötigen nun mehr Personal je Kursstunde

Während eines Kurses sind Schwimmtrainer auf mehr Personal angewiesen. Schließlich müsse eine Person mit den schlotternden Kindern zu den Duschen huschen, eine weitere Person achtet im Becken darauf, dass Kinder in Bewegung bleiben, damit sie nicht so stark frieren, erklärt Katrin Breyer, die als Schwimmlehrerin und C-Trainerin in der VfL-Schwimmschule arbeitet.

Was alle Vereine den Stadtwerken vorwerfen, ist, wie der Umgang miteinander abgelaufen ist. „Als die Information über den Hauptverein kam, war es schon passiert“, sagt Birgit Hettich von der Schwimmschule des VfL.

Der SV Waiblingen verzeichnet wöchentlich, laut Aussage des Vorsitzenden Anto Schiller, rund 700 Menschen, welche die Bäder in Waiblingen zu Kurszeiten nutzen. Dafür bezahle der Verein jährlich einen fünfstelligen Betrag an die Stadtwerke. „Es gab kein persönliches Gespräch, in welchem die Situation erklärt wurde, nur eine Benachrichtigung per E-Mail – das stößt mir auf!“, sagt er. Das sei kein guter Umgangston.

„Alles wäre anders abgelaufen, wenn wir vier Wochen Zeit gehabt hätten, uns mit der neuen Situation auseinanderzusetzen“, betont Birgit Hettich von der VfL-Schwimmschule. Man hätte Kinder auf die Veränderung vorbereiten können, der Schockmoment wäre vielleicht nicht so schlimm gewesen. Sie sei sich auch sicher, dass „wir das hinbekommen und irgendwann wieder alle Kinder ins Wasser gehen, aber das wird seine Zeit dauern“, sagt sie.

27 Grad im Schwimmbecken sollten es schon wieder werden

„27 Grad sollten es schon wieder werden“, sagt Schwimmlehrerin Katrin Breyer. Ein Grad wärmer wäre vom Gefühl her deutlich angenehmer, meint sie. „Hier wird an falscher Stelle gespart!“, betont Birgit Hettich.

Dass Energie eingespart werden muss, darüber sind sich alle Beteiligten einig, vor allem nachdem das Wirtschaftsministerium die Gründe für die ausgerufene Frühwarnstufe benannt hatte. Damals hieß es, dass die Gasversorgung für Deutschland zwar aktuell gesichert sei, dennoch jeder „Gasverbraucher von der Wirtschaft bis zu Privathaushalten seinen Verbrauch so gut wie möglich reduzieren“ sollte.

Anstoß hierfür war die Ankündigung Russlands, die Bezahlung der Gasimporte nur noch in Rubel zu akzeptieren, was die G7-Staaten ablehnten. Daraufhin hatten die Stadtwerke als Energielieferant und Bäderbetreiber die Temperaturen in den Schwimmbecken reduziert.

„Wir haben dafür Verständnis. Auf der anderen Seite hat man das Gefühl, dass es einen im Kontext der Corona-Pandemie der vergangenen zwei Jahre härter trifft als andere“, sagt Christian Sachers von der DLRG-Ortsgruppe Bittenfeld. „Denn während der Rest der Sportwelt aufatmet und wieder weitgehend normal trainieren kann, stehen wir vor dem nächsten großen Problem!“

Rund 26 Grad anstatt 28 zum Schwimmen in vielen Waiblinger Becken – Schwimmvereine in Waiblingen zeigen sich über den Schritt der Stadtwerke empört, mit welchem Energie eingespart werden soll, wie es das Bundeswirtschaftsministerium Ende März mit dem Ausrufen der Frühwarnstufe gefordert hatte. Damals hatten die Stadtwerke unmittelbar als Folge die Temperaturen gesenkt und das Außenbecken geschlossen. Seither finden Schwimmer im Schwimmerbecken des Hallenbads rund 26 Grad vor, anstatt wie

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