Waiblingen

Waiblingerin entwirft Korsagen

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In ihrem Atelier in Neustadt tüftelt die 27-jährige Serafina Conradt an neuen Modellen. Gerade steckt sie den Saum eines Korsagen-Kleides ab. © Ramona Adolf
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Serafina Conradt
Die meisten von Conradts Korsagen werden am Rücken geschnürt – hier das Modell „Red Flower“. © Palmizi / ZVW
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Serafina Conradt
Conradts Inspiration: Viele bunte Stoffe. © Palmizi / ZVW

Waiblingen-Neustadt. Sie ist Weiblichkeit pur – die Korsage. Doch während sie aus der Damenmode früherer Jahrhunderte kaum wegzudenken war, bleibt sie heutzutage meist ins Schlafzimmer verbannt. Das will die Modeschneiderin Serafine Conradt aus Neustadt nun ändern: In ihrem „Korsagelier“ stellt sie ausgehtaugliche Korsagen nach Maß her.

Video: Die Schneiderin Serafine Conradt aus Waiblingen entwirft maßgeschneiderte Korsagen.

Eine Korsage kleide jede Frau gut, findet Serafine Conradt. „Sie betont einfach die Stellen, die man als Frau gerne betont. Taille, Brust – man hat automatisch eine Sanduhrfigur.“ Und das sei nicht nur ein Kleidungsstück fürs Schlafzimmer, ganz im Gegenteil: „Man kann eine Korsage zur Jeans oder zum Rock tragen, direkt auf der Haut oder über einer Bluse. Egal wie, das sieht immer gut aus“, ist sie überzeugt.

Conradt repariert Lieblingsstücke ihrer Kunden

Vor gut einem Jahr hat die junge Mutter ihr Atelier in Waiblingen-Neustadt eröffnet. Dort näht sie maßgeschneiderte Korsagen und reproduziert oder repariert Lieblingsstücke. „Zum Beispiel kam mal eine Dame zu mir, die hatte einen Brandfleck mitten auf einem Kunstlederkleid und wollte wissen, was sich da machen lässt“, berichtet die 27-Jährige. Sie habe dann vorgeschlagen, den Fleck einfach auszuschneiden und den Rand mit einer Stickerei zu versehen, als sei das so vorgesehen gewesen. „Das kam gut an.“

Immer auf der Suche nach neuer Inspiration

Sich für solch knifflige Fälle Lösungen auszudenken, macht Conradt Spaß. Noch mehr Spaß aber hat sie daran, neue Korsagen zu entwerfen. Dafür ist sie immer auf der Suche nach neuen Ideen und Stoffen. Die Stoffe lagert sie in einem deckenhohen Schrank, der vor Stücken von Satin, Jacquard und Spitze, bunten Bändern, Bordüren und Schnüren schier überquillt. Die Ideen bewahrt sie eine Weile in ihrem Kopf auf – und setzt sie dann um. „Früher habe ich nur Maßanfertigungen angeboten, aber seit einigen Wochen habe ich jetzt auch Beispielmodelle im Programm“, berichtet die gelernte Modedesignerin und Maßschneiderin. Die Modelle haben vordefinierte Stoffe und Farben und werden bei Bestellung auf die Körperform der Kundin angepasst. Eine solche Korsage kostet etwa 100 Euro. Für ein Stück, das komplett nach Wunsch angefertigt wird, müssen die Kunden ab 150 Euro aufwärts berappen.

Auch aus ungewöhnlichen Stoffen lassen sich Korsagen nähen, zum Beispiel aus der ausrangierten Lieblingsjeans: „So was kann ich dann auch etwas günstiger anbieten, weil ich keinen Stoff kaufen muss“, sagt Conradt.

Im Schnitt sitzt sie drei Tage an einer Korsage

Im Schnitt drei Arbeitstage sitzt die Nadelkünstlerin an einer Korsage: Erst müssen Futter- und Oberstoff geschnitten und die Einzelteile zusammengenäht werden, dann die stützenden Stäbchen eingenäht und zuletzt das Bustier mit Fleece gepolstert werden, damit Nähte und Stäbchen nicht durchdrücken. „Bei mir ist alles Hand- und Maßarbeit“, erklärt Conradt. Das sei bei einer Korsage extrem wichtig – und genau genommen sei sie deshalb auf die Idee mit dem Korsagen-Atelier gekommen. Nämlich während ihres Studiums an der staatlichen Modeschule in Stuttgart. Dort belegte sie einen Kurs im Korsagen-Nähen und war sofort fasziniert von den vielen Gestaltungsmöglichkeiten. „Außerdem hatte ich mich selbst schon beim Einkaufen über Korsagen von der Stange geärgert. Die passen einfach nicht richtig“, moniert Conradt. Der Traum vom eigenen Atelier war geboren, und nach ihrem Abschluss im Herbst 2015 setzte sie ihn in die Tat um. Zwar habe es viele skeptische Stimmen gegeben, auch in ihrem näheren Umfeld, erzählt die Schneiderin. „Aber ich wollte das unbedingt machen.“ Auch, weil sie durch ihre Familie – Conradt lebt mit Sohn und Mann in Neustadt – ortsgebunden ist und im näheren Umkreis keinen Job finden konnte.

Noch reicht der Verdienst nicht für den Lebensunterhalt

Die frischgebackene Modedesignerin nahm also allen Mut zusammen und eröffnete im Januar 2016 „Sera’s Korsagelier“. Mit ihrem Handwerk führt sie eine Familientradition fort: „Meine Mutter und meine Oma haben immer viel genäht. Vor allem griechische Trachten, für ihr Hobby, den griechischen Volkstanz“, berichtet Conradt. „Nur mit dem Unterschied, dass ich das Nähen jetzt richtig gelernt habe“, fügt sie verschmitzt hinzu.

Zum Leben reicht das, was die Jungunternehmerin mit ihrer Schneiderei verdient, bislang nicht. „Ich kann das Atelier mietfrei nutzen, dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Sonst würde es nicht gehen“, sagt sie. Das Haus in der Straße im Bügel gehört ihrer Familie. Sie ist optimistisch: Ihr Ziel ist es, mit ihrem Geschäft irgendwann auf eigenen Füßen zu stehen. „Das ist mein Traum, dass ich von meinem Atelier leben kann.“ Und an dem halte sie fest, auch wenn der Anfang einer Selbstständigkeit oft schwer und vieles neu für sie sei. „Wenn ich sehe, wie toll eine Frau in ihrer neuen Korsage aussieht und wie glücklich sie ist, dann macht mich das einfach stolz“, schwärmt Conradt. Dann wisse sie wieder, dass es sich lohne, weiterzumachen.

Korsage oder Korsett

Im Unterschied zu einem Korsett wirkt eine Korsage nicht so stark formend, wie Serafine Conradt erläutert. „Ein Korsett oder Mieder wird sehr eng geschnürt, eine Korsage liegt zwar hauteng an und stützt durch die eingenähten Stäbchen etwas, engt aber nicht ein.“

Korsett oder Mieder werden zudem meist unter der eigentlichen Kleidung getragen, die Korsage normalerweise als Oberbekleidung.

Korsagen gibt es seit der Renaissance, Anfang des 16. Jahrhunderts trugen sie vor allem Edeldamen. Damals wurden teilweise Metallstreifen eingenäht, um – der Mode dieser Zeit entsprechend – den Busen abzuflachen. Das Korsett entstand erst Ende des 17. Jahrhunderts. Es wurde zumeist aus Leder und Fischgräten gefertigt.

Mehr über die junge Modeschneiderin gibt’s unter www.seras-korsagelier.de.