Waiblingen

Waiblingerin hängt in den USA fest: Bei einer Rückkehr in die Heimat riskiert sie, ihren Verlobten nicht mehr sehen zu können

Nathalie Riedl in den USA
Victor Machado und Nathalie Riedl leben in Atlanta, in diesem Jahr wollten sie aber mindestens zweimal nach New York fliegen, wo 2019 dieses Foto entstanden ist, auf dem berühmten Times Square. Corona machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. © Privat

„Ich habe immer gesagt, es ist egal, ob ich in Hamburg wohne oder in Atlanta – wenn was ist, fliege ich eben rüber.“ Schon immer war das die Philosophie von Nathalie Riedl. Zumindest bis die Corona-Pandemie das weltweite Reisen auf ein Minimum heruntergefahren hat. „Seit Covid ist nichts, wie es war“, sagt Riedl in einem Videotelefonat mit unserer Zeitung. Die 29-jährige Waiblingerin lebt nun seit fast drei Jahren in den USA. Ihre Reiselust, die sich bereits während ihres Studiums im Fach International Management zeigte, verschlug sie in den Bundesstaat Georgia. Sie hat dort mit ihrem Verlobten Victor Machado ihr Glück gefunden – doch sie möchte unbedingt zurück in die Heimat.

Nicht zu Hause: Beerdigung und Hochzeit verpasst

Im April starb ihr Opa, zur Beisetzung im Mai konnte sie nicht kommen. Bald heiratet ihre Tante, auch bei diesem Familientreffen wird sie nicht dabei sein. „Dass ich nicht nach Hause kommen kann, ist schwierig für meine Eltern und für mich“, sagt Nathalie Riedl. „Das Schlimmste daran ist, dass man nicht weiß, wann man sich wiedersieht.“ Gerade als Einzelkind sei das hart.

Ihr geht es wie vielen Deutschen, die in der Corona-Zeit im Ausland leben. Das bekommt sie auf der Arbeit mit. Die 29-Jährige arbeitet in Atlanta für MHP Americas Incorporated, ein Beratungsunternehmen der Porsche AG. Doch sie befindet sich in einer besonderen Situation, sagt sie, schließlich ist ihr Partner US-Amerikaner. Über die Arbeit lernten die beiden sich kennen. Der 30-Jährige arbeitet als Unternehmensberater für Porsche Consulting Incorporated. Sie haben nicht die gleiche Staatsbürgerschaft und damit nicht die gleichen Rechte. Beide dürfen sie theoretisch nach Deutschland einreisen, müssen sich dann aber in eine 14-tägige Quarantäne begeben, weil der Bundesstaat Georgia vom Robert-Koch-Institut aktuell als Risikogebiet geführt wird. Aber: „Ich könnte nicht mehr zurück“, sagt Riedl. Sie müsste ihren Partner in den USA zurücklassen und könnte ihren Job verlieren, sagt die 29-Jährige. Und das will sie nicht.

Reicht eine Verlobung als Grund für die Einreise?

Seit dem 13. März gilt in den USA laut Auswärtigem Amt ein Einreiseverbot für Personen, die sich innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise in die USA in Deutschland oder einem anderen Schengenstaat aufgehalten haben. Ausgenommen sind US-Staatsbürger – Victor Machado könnte also in sein Heimatland zurückkehren – und Personen, die in einem nahen Verwandtschaftsverhältnis zu einem US-Staatsbürger stehen. Als Riedl aber bei der US-Botschaft nachfragte, ob eine Verlobung als Einreisegrund ausreiche, bekam sie keine Rückmeldung. Ihr Verlobter schrieb sogar einem Senator, berichtet sie. Dieser habe ihnen von einer Reise nach Deutschland und zurück abgeraten.

Dabei ist ein Besuch in der Heimat in diesem Jahr besonders wichtig für Nathalie Riedl – aus mehreren Gründen. Sie und ihr Verlobter wollen heiraten. „Ich kann nicht nach Hause kommen und meine Familie sehen. Ich kann nicht mit meiner Mama an einem Tisch sitzen und die Hochzeit planen, geschweige denn ein Kleid mit ihr aussuchen“, sagt sie. „Das ist ganz übel.“

Die kirchliche Trauung ist für Juni 2021 im Schloss Ludwigsburg geplant. Corona-bedingte Probleme mit diesem Termin befürchtet Riedl nicht: „Die Zahlen in Deutschland sehen ja sehr gut aus. Ich denke, bis Juni sollte sich das Ganze wieder gelegt haben, hoffentlich wird es einen Impfstoff bis dahin geben.“

Sie macht sich Sorgen, dass die Eltern nicht zur Hochzeit kommen dürfen

Geht es um die standesamtliche Trauung, schwingen aber Sorgen mit: Die Trauung sollte erst in Waiblingen stattfinden, doch das geht nicht. Das Standesamt teilte der 29-Jährigen mit, dass sie oder ihr Verlobter für eine Trauung in Deutschland einen Wohnsitz im Land haben müssen. „Deshalb haben wir uns dazu entschieden, in den USA zu heiraten“, sagt Riedl. Die standesamtliche Hochzeit soll im November über Thanksgiving stattfinden, dem groß gefeierten Erntedankfest. „Ich möchte aber schon meine Eltern dabeihaben“, sagt Riedl. Nach aktuellem Stand dürfen diese allerdings nicht einreisen. „Ich schaue jeden Abend, ob es vom Weißen Haus irgendwelche Neuigkeiten gibt.“

Denn die Regeln ändern sich aktuell schnell. Einen Tag nach dem Videotelefonat mit unserer Zeitung gibt es eine neue Einschränkung für Bürger aus Georgia. Reisen sie in die Bundesstaaten New York, New Jersey oder Connecticut, müssen sie sich erst in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Georgia ist wie andere Südstaaten besonders stark von der Corona-Krise getroffen. Seit knapp zwei Wochen steigen die Fälle der Infizierten wieder an. Aktuell gibt es laut der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege in Georgia 84 237 bestätigte Covid-19-Fälle und 2827 Todesopfer (Stand zum Redaktionsschluss am Donnerstagabend). Die Stadt Atlanta gehört zum größten Teil zum Fulton County. Mit 7277 bestätigten Fällen und 314 Toten ist dieser Bezirk im Bundesstaat Georgia einer der am schlimmsten von Corona getroffenen. „Meine persönliche Meinung ist, dass es nach dem Nationalfeiertag am 4. Juli noch mal schlimmer wird, weil dann jeder verreist“, so Riedl. Sie glaubt, dass der Umgang mit dem Virus eine Sache der Kultur ist: „Als Deutscher ist man sehr regelkonform, in den Südstaaten sieht man alles etwas lockerer.“ Ihre Meinung: „Ich finde, die Regeln hätten noch viel strikter sein sollen.“

Für den 30. Geburtstag in die Heimat?

Neben ihrer Hochzeit ist ihr 30. Geburtstag am 16. Juli ein weiterer Grund für Nathalie Riedl, zurück nach Waiblingen zu kommen. „Ich habe mich seit Jahren darüber gefreut, meinen 30. Geburtstag zu Hause zu feiern. Ich hoffe immer noch darauf, dass es vielleicht irgendwie klappt“, sagt die Waiblingerin. „Das Größte für mich wäre, nach Hause zu kommen und alle zu sehen.“

Was sie neben ihrer Familie noch vermisst? „Das Essen fehlt manchmal – vor allem ein gutes Sauerteigbrot und Erdbeeren“, sagt sie. „Die schmecken hier nicht.“

„Ich habe immer gesagt, es ist egal, ob ich in Hamburg wohne oder in Atlanta – wenn was ist, fliege ich eben rüber.“ Schon immer war das die Philosophie von Nathalie Riedl. Zumindest bis die Corona-Pandemie das weltweite Reisen auf ein Minimum heruntergefahren hat. „Seit Covid ist nichts, wie es war“, sagt Riedl in einem Videotelefonat mit unserer Zeitung. Die 29-jährige Waiblingerin lebt nun seit fast drei Jahren in den USA. Ihre Reiselust, die sich bereits während ihres Studiums im Fach

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