Waiblingen

Warnstreik am Montag: Viele Kitas geschlossen, Staus in Stuttgart

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Sandra Simatic ist eine von vielen Müttern, die auf die Kinderbetreuung angewiesen ist, weil beide Elternteile arbeiten. Und nicht überall können Großeltern einspringen. © Mathias Ellwanger
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B 14 © Mathias Ellwanger
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Zahlreiche Kitas im Kreis werden am 25. April bestreikt. © Mathias Ellwanger
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Auch am Rems-Murr-Klinikum Winnenden wird gestreikt. © Mathias Ellwanger
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Komplett bestreikt am Montag: das Weinstädter Kinderhaus Benzach. © Mathias Ellwanger
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Der Warnstreikaufruf von Verdi. © Mathias Ellwanger
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Keine Busse und Straßenbahnen am Montag. © Mathias Ellwanger

Rems-Murr-Kreis. Am Montag streiken Beschäftige des öffentlichen Diensts im gesamten Kreis. Auch die Stuttgarter Straßenbahnen und Busse stehen still. Auf den Straßen der Landeshauptstadt herrschte am gesamten Montagmorgen Verkehrschaos.

Die Streiks haben den öffentlichen Nahverkehr in Stuttgart am Montagmorgen weitgehend zum Erliegen gebracht. Erst gegen die Mittagszeit hatte sich die Lage auf den Straßen wieder normalisiert. Busse und Bahnen der Stuttgarter Stadtbahnen verkehren nicht. Nur S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht von den Warnstreiks betroffen. Beide werden deutlich stärker frequentiert, verkehren aber weitgehend pünktlich.

Stand: 17 Uhr, Quelle: Google Maps

Rems-Murr-Kliniken kaum betroffen

Auch im Rems-Murr-Kreis hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Beschäftigte im öffentlichen Dienst dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Die Rems-Murr-Kliniken werden zum Tiel bestreikt. Laut Klinik-Chef Marc Nickel sei diese aber "insgesamt nur sehr wenig vom Verdi-Streik betroffen" Der Krankenhausbetrieb laufe reibungslos weiter. "Wir können die medizinische Versorgung unserer Patientinnen und Patienten jederzeit sicherstellen."

Neben den Kliniken beteiligen sich im Kreis auch Mitarbeiter der Sozialdezernats an dem Streik. Die Mülldeponien Kaisersbach und Schorndorf sind am Montag geschlossen. Wer dringend Müll zu entsorgen hat, sollte nach Backnang-Steinbach und Winnenden-„Eichholz“ ausweichen.

Betroffen von Streiks sind auch die Kindertagesstätten. In vielen Einrichtungen geht der Betrieb jedoch ganz normal weiter. Elf Kitas sind unseren Informationen zufolge komplett geschlossen, weitere elf zumindest teilweise bestreikt. Welche Kitas an dem Streik teilnehmen, können Sie hier nachlesen.

Verständnis und Ablehnung bei den Eltern

Verständnis für die Erzieherinnen und Kritik an den Streiks hält sich, so ein erstes Zwischenfazit, bei den Eltern die Waage. Von voller Unterstützung für die Erzieherinnen bis verständnisloser Ablehnung findet sich alles. „Ich habe kein Verständnis – jetzt nicht mehr", sagt eine Mutter, die ihr Kind in das Waiblinger Kinderhaus am Wasserturm bringt. Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Doch mit dem erneuten Streik ist für sie das Fass übergelaufen. Schon vergangenes Jahr hatten die Eltern einen langen Arbeitskampf aushalten müssen, das habe sie noch verstanden, und sich folglich an keiner Unterschriftenaktion zur Beendigung des Streiks beteiligt. Wie andere Eltern stört sie besonders, dass die Streiks immer so kurzfristig stattfänden.

„Sehr überraschend“ kam der neuerliche Tarifkonflikt aus Sicht von Nadine Sicilia. Bei weiteren Streiks müssten nach Möglichkeit ihr Mann oder die in Teilzeit arbeitende Oma einspringen. Für die Erzieherinnen hat sie trotz der Tariferhöhungen von 2015 immer noch Verständnis. Für das, was sie leisten, seien sie noch immer schlecht bezahlt.

In Schorndorf werden die Kindergärten Rainbrunnen, Konnenberg, Ziegelgraben, Burgstraße und Stadthaus sowie die Kitas Sonnenbogen Wirbelwind bestreikt. Im Wirbelwind ist eine Notgruppe mit 30 Plätzen eingerichtet, die ursprünglich nur für die Kindergartenkinder vorgesehen war. Da aber am Montag noch Plätze frei waren, können jetzt auch Hortkinder versorgt werden. Bisher halten sich die Elternproteste offenbar in Grenzen: Nach Auskunft von Cornelia Metzger, Leiterin der Abteilung Kindergärten und Jugend, hat sich bei der Stadt Schorndorf  bisher nur eine Mutter beklagt, dass sie zu spät über Streik informiert war. 

Darum geht es bei dem Tarifstreit

In dem Tarifstreit fordert Verdi unter anderem sechs Prozent mehr Lohn und dass die Ausbildungsvergütungen um 100 Euro pro Monat angehoben werden. Zudem fordert die Gewerkschaft Maßnahmen gegen grundlose Befristungen von Arbeitsverträgen. Die Arbeitgeber haben rund drei Prozent Lohnsteigerung für zwei Jahre angeboten.

Mehr als 4500 Gewerkschafter bei zentraler Kundgebung

In Stuttgart fand gegen 11 Uhr eine zentrale Kundgebung der Gewerkschaft vor dem Stuttgarter Rathaus statt. Am Montagmittag hat Cuno Hägele von Verdi noch keinen Überblick, wie viele Warnstreikende aus dem Rems-Murr-Kreis nach Stuttgart zur Versammlung gekommen sind. Es müsse aber ein "erklecklicher Anteil" sein, sonst käme es nicht zu einer solch massenhaften Kundgebung. Insgesamt versammeln sich im Foyer des Ufa-Palastes nach seinen Angaben 4 500 bis 5 000 Verdi-Gewerkschaftsmitglieder.

Damit müssen nach seiner Rechnung auch Abordnungen aus den Kliniken Winnenden und Schorndorf dabei sei. Er ist erstaunt über den Zulauf selbst. "Super gut", sei die Beteiligung, "es sind mehr gekommen als erwartet". In der Klinik Ludwigshafen sei es zu Stationsschließungen gekommen, die Zahl der Beteiligten von den Stuttgarter Kliniken schätzt Hägele auf rund 500. Cuno Hägele ist der Vorsitzende von Verdi Stuttgart. Die Geschäftsleitung der Rems-Murr-Kliniken kündigte für heute Mittag eine Übersicht an, wie viele ihrer Beschäftigten im Warn-Ausstand sind.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.