Waiblingen

Warum es in Waiblingen kein städtisches Verbot von Einwegverpackungen gibt

Einweggeschirr
Müllberg aus Einwegverpackungen, © dpa/Robert Guenther

Spaziergänger in der Innenstadt oder in der Talaue konnten das Phänomen immer wieder „bewundern“: Während der Corona-Zeit hat der Müll in Waiblingen und anderenorts zugenommen wie nie zuvor. Der Verband kommunaler Unternehmen schätzt, dass Einwegverpackungen wie Becher und Essensboxen, Plastikteller und Besteck bis zu ein Fünftel der Abfälle in Parks, öffentlichen Plätzen und Straßen ausmachen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Müllmenge seit Januar 2020 um bis zu 60 Prozent gestiegen ist. Dass der Abfall nervt und außerdem unnötig ist, dürfte fast schon Konsens sein. Daher verwundert es zunächst ein bisschen, dass der Waiblinger Gemeinderat vor einiger Zeit ein städtisches Verbot von Einwegprodukten abgelehnt hat. Aber nur auf den ersten Blick, denn: In der Praxis wird es schon umgesetzt.

"Grüne" Einwegverpackungen sind nicht die Lösung

Einweg- durch Mehrwegprodukte zu ersetzen, das ist das Ziel. Die ALi-Fraktion hatte daher gefordert, die Stadt Waiblingen solle für alle Veranstaltungen im öffentlichen Raum und für alle öffentlichen Gebäude ein Einwegverbot verhängen. Betroffen wären auch alle Weihnachtsmärkte, Sportveranstaltungen, Feste und Märkte. „Wir alle leiden unter diesen Müllmengen, die uns aus den verfügbaren Mülleimern entgegenquellen“, argumentiert die Alternative Liste um Alfonso Fazio. „Die Papierkörbe sind durch die voluminösen Verpackungen und die schiere Menge des Abfalls ständig überfüllt.“ Vermeintlich “grüne” Einwegverpackungen, die plastikfrei sind, böten keine Lösung, zumal sie das gleiche Volumen hätten, und für die Herstellung würden Ressourcen wie Wasser und Energie verschwendet – und zwar für einen kurzen Gebrauch.

Stichproben-Kontrollen beim Altstadtfest

Grundsätzlich hat die Stadt Waiblingen für Veranstaltungen, bei denen unter anderem Alkohol ausgeschenkt wird, ohnehin festgelegt: „Es soll nur Mehrweggeschirr (das heißt kein Einwegglas, keine Dosen, Papp- und Kunststoffbehältnisse) verwendet werden. Beim Altstadtfest beispielsweise wird dies stichprobenartig überprüft.

Bei städtischen Kultur- und Sportveranstaltungen wird ausschließlich Mehrweggeschirr verwendet. So etwa beim Waiblinger Kultursommer mit den Fantastischen Vier. Die WTM hat bei den Verträgen zum Weihnachtsmarkt und zum Staufer-Spektakel die Pflicht zum Nutzen von Mehrweggeschirr aufgenommen. Für den Oster- und Martinimarkt soll die Pflicht künftig ebenfalls vertraglich gesichert werden. Kontrollen gebe es zwar stichprobenartig, jedoch räumt die Stadtverwaltung ein, dass es an personellen Ressourcen für eine lückenlose Überprüfung mangele. Ein Mehrwegbechersystem für Kaffee zum Mitnehmen („Recup“) sei im Aufbau.

Trinkwasserspender für Schulen

In den Schulen werden sukzessive Trinkwasserspender installiert, an denen die Schüler eigene Flaschen auffüllen können. Auch bei Schulveranstaltungen ist Einwegmüll zu vermeiden. Die Schulen haben hierfür Gläser und Teller selbst im Bestand, teilweise werde Geschirr auch angemietet – Teilweise komme es dennoch vor, dass Einwegplastikbecher eingesetzt werden. Das soll sich durch neue Vorgaben ändern.

Im Alltag wird in den Kitas und den Einrichtungen der offenen Kinder-und Jugendarbeit nur Mehrweggeschirr verwendet. Gleiches gelte auch für Feste und Ähnliches. Allerdings bringen Kinder- und Jugendliche einiges an Einwegverpackungen mit. Daher wird entsprechend Aufklärungsarbeit betrieben. Bundesweit sind seit 1. Juli 2021 einige Einwegkunststoffartikel nicht mehr erhältlich, Restbestände dürfen aber noch verkauft werden.

Spaziergänger in der Innenstadt oder in der Talaue konnten das Phänomen immer wieder „bewundern“: Während der Corona-Zeit hat der Müll in Waiblingen und anderenorts zugenommen wie nie zuvor. Der Verband kommunaler Unternehmen schätzt, dass Einwegverpackungen wie Becher und Essensboxen, Plastikteller und Besteck bis zu ein Fünftel der Abfälle in Parks, öffentlichen Plätzen und Straßen ausmachen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Müllmenge seit Januar 2020 um bis zu 60 Prozent gestiegen

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