Waiblingen

Warum in der Neustädter Straße plötzlich Tempo 30 gilt - und das gleich beim Blitzer!

Tempo 30
Die Neustädter Straße aus Richtung Neustadt in Richtung Talstraße. © ALEXANDRA PALMIZI

So mancher Autofahrer reibt sich dieser Tage verwundert die Augen: Am Waiblinger Ortseingang aus Richtung Neustadt steht neuerdings ein „Tempo 30“-Schild – und das in nächster Nähe eines Blitzer-Kastens. Warum gilt in der Neustädter Straße plötzlich ein reduziertes Tempolimit und müssen ab sofort alle, die wie gewohnt 50 Stundenkilometer fahren, mit einem teuren Porträtfoto rechnen? Um das zu vermeiden, sahen sich schon einige zu plötzlichen Bremsungen genötigt.

Grund für die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit ist der Lärmschutz: Bei Messungen war der Abschnitt zwischen den Gebäuden Nr. 69 und 95 mit einer Länge von 170 Metern als Hotspot identifiziert worden. Die Lärmwerte liegen nach Einschätzung des Regierungspräsidiums „ausnahmslos“ im gesundheitskritischen Bereich von 65 Dezibel tags und 55 Dezibel nachts. Im Sommer 2020 hat unsere Zeitung von Anwohnern berichtet, die unter donnernden Tiefladern und Bussen leiden und deren Wohnungen erzittern „fast wie bei einem Erdbeben“.

Tempo 30 nur in eine Fahrtrichtung?

Bei den einen sorgt nun für Irritation, dass überhaupt plötzlich Tempo 30 gilt, wo bislang 50 galt. Andere wundern sich, dass das neue Tempolimit nur in einer Richtung, nämlich aus Neustadt kommend in Richtung Talstraßen-Kreisel, zu gelten scheint. Das freilich soll sich noch ändern – die Schilder in Richtung Neustadt folgen noch. Zwar gab es innerhalb der Stadtverwaltung Überlegungen, Tempo 30 nur in eine Fahrtrichtung auszuweisen. „Das wäre auch begründbar gewesen, aber nicht vermittelbar“, sagt Oberbürgermeister Andreas Hesky. Tatsächlich sei die Lärmbelastung auf einer Straßenseite höher als auf der anderen. Die Ausschilderung für beide Fahrspuren wird noch nachgerüstet.

„Angst“ vor dem Blitzer ist unbegründet

Nicht immer, wo sich Anwohner oder auch die Stadt Tempo 30 wünschen, lässt es sich umsetzen. Grundsätzlich hat das genehmigende Regierungspräsidium immer das Ziel, die für Straßen der jeweiligen Ordnung vorgesehene Höchstgeschwindigkeit möglich zu machen. Eine Ausnahme kann der Lärmschutz sein. Deshalb gibt’s im Fall der Neustädter Straße also grünes Licht - allerdings mit Einschränkungen: Die Stadt möge auch noch andere Möglichkeiten suchen, um den Lärm zu reduzieren – um dann wieder auf Tempo 50 zu erhöhen. So müssten im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsreduzierungen flankierende Maßnahmen wie Geschwindigkeitsmessungen, Parkierungskonzepte sowie andere bauliche Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Die Zustimmung gilt solange, bis sich an der Neustädter Straße etwas ändert. Wenn zum Beispiel die Fahrbahndecke erneuert wird, muss die Straßenverkehrsbehörde „unaufgefordert und baldmöglichst“ von neuem bewerten, ob Tempo 30 noch gerechtfertigt ist.

Wer diese Woche mit 50 Stundenkilometern am Starenkasten vorbeigefahren ist, kann sich entspannen. Mit Sicherheit wurde er nicht geblitzt. Warum? Aus zwei Gründen. Erstens steht der Blitzer vor dem Tempo-30-Schild, also noch im Bereich, in dem 50 gilt. Und, jetzt kommt’s: Der „Blitzer“ ist seit Jahren inaktiv – wie übrigens manch anderer seiner Art in der Stadt. Gemäß dem Blitzerkonzept aus dem Jahr 2015 repariert die Stadt Starenkästen, die kaputtgehen, nicht mehr – lässt sie aber zur steten Mahnung an potenzielle Raser stehen. Ein Grund dafür sind die hohen Wartungskosten. Anders sieht’s aus mit den modernen Säulenblitzern. Sie sind zwar teurer in der Anschaffung, aber weniger störungsanfällig und die Variante der Wahl, falls neue Blitzer-Standorte festgelegt werden.

Der SPD-Stadtrat und Neustädter Ortschaftsrat hat, wie er unlängst im Ratsausschuss sagte, erfreut festgestellt, dass die Forderung nach Tempo 30 zumindest an dieser Stelle erfüllt wurde. Seiner Beobachtung nach bremsen im Angesicht des neuen Verkehrszeichens viele Autofahrer abrupt ab, die von Neustadt heruntergebraust kommen. Von der Anregung, zur Warnung schon davor ein 50er-Schild aufzustellen, hält Baubürgermeister Dieter Schienmann indes nichts: „Das Ortseingangsschild ist das 50er-Schild.“ Eine weitere Warnung nach dem Motto „Achtung, gleich kommt ein Schild“ sei überflüssig.

So mancher Autofahrer reibt sich dieser Tage verwundert die Augen: Am Waiblinger Ortseingang aus Richtung Neustadt steht neuerdings ein „Tempo 30“-Schild – und das in nächster Nähe eines Blitzer-Kastens. Warum gilt in der Neustädter Straße plötzlich ein reduziertes Tempolimit und müssen ab sofort alle, die wie gewohnt 50 Stundenkilometer fahren, mit einem teuren Porträtfoto rechnen? Um das zu vermeiden, sahen sich schon einige zu plötzlichen Bremsungen genötigt.

Grund für die

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