Waiblingen

Warum ist in der Villa Roller noch immer nichts los?

Juze Villa Roller
Tischfußball ist wieder möglich – die Spieler werden aber mit einer Plexiglas-Scheibe, die an der Decke hängt, voneinander abgeschirmt. Villa-Roller-Leiterin Martina Schreier, Karl-Henning Reuter und Julia Martinitz von der städtischen Kinder- und Jugendförderung erklären die Regeln. © Gabriel Habermann

Wer in diesen Tagen das Jugendzentrum „Villa Roller“ am Alten Postplatz besuchen möchte, muss sich vorerst keine Sorgen machen, dass er nicht eingelassen wird. Zwar dürfen sich inklusive Mitarbeiter gleichzeitig nur neun Personen im Haus aufhalten – doch derzeit gibt es keinen großen Andrang. Dabei haben laut Leiterin Martina Schreier vor Corona zwischen 40 bis 60 Jugendliche täglich die Villa besucht. Wo bleiben diese Mädchen und Jungen?

"Wie bekommen wir die Jugendlichen ins Haus?"

Hängt es womoglich damit zusammen, dass es coronabedingt keine Süßigkeiten und kein Glas Cola mehr gibt? Oder haben manche Jugendliche vielleicht in der Corona-Pause eine andere Beschäftigung für sich entdeckt? Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendförderung suchen die Antworten auf diese Fragen. „Das ist immer noch ein großes Thema: Wie bekommen wir die Jugendlichen ins Haus?“, sagt Karl-Henning Reuter. Er leitet die Kinder- und Jugendförderung Waiblingen.

Soziale Arbeit lebt von sozialer Nähe

Obwohl die Sozialpädagogen bemüht gewesen seien, den Kontakt zu den Jugendlichen auch während der Krise via Internet oder Telefon aufrechtzuerhalten, sei es zu einem abrupten Beziehungsabbruch gekommen. Jeder Mitarbeiter der Kinder- und Jugendförderung mache sich „tolle Gedanken“, um attraktive Angebote für die Jugendlichen zu entwickeln. Denn: „Die soziale Arbeit lebt von sozialer Nähe“, sagt Karl-Henning Reuter.

Auch im Juze gilt die Abstandsregelung

Apropos Nähe: „Auch hier gilt die Abstandsregelung“, sagt Villa-Leiterin Martina Schreier. „Es sind Umgangsformen, die die Jugendlichen in der Villa Roller nicht gewohnt sind.“ Auch dass es jetzt beispielsweise an der Theke keine Getränke oder keine Snacks mehr gebe, sei neu für die Besucher des Hauses. Überall hängen Schilder mit Hygienebestimmungen. „Auch diese Schilderflut ist coronageschuldet“, sagt Schreier. Doch damit der Jugendtreff für die Besucher seine Türen überhaupt wieder habe öffnen dürfen, sei das Ganze erforderlich gewesen.

Tischkicker mit Plexiglas, Playstation mit Abstand

So wie weitere Maßnahmen: Die Mitarbeiter haben eine Sofalandschaft, die davor zum gemütlichen Kuscheln einlud, in vier Teile zerlegt und mit einem gewissen Abstand im Raum verteilt. Über den Tischkicker haben sie eine Trennvorrichtung aus Plexiglas gehängt. Zwischen den beiden „Playstation-Stühlen“, wie sie die Leiterin des Hauses nennt, liegt nun ein Holzbrett auf dem Boden, um auf den erforderlichen Sicherheitsabstand aufmerksam zu machen. Nach jedem Gebrauch werden die Controller, die Eingabegeräte zum Steuern des Videospiels, desinfiziert oder ausgetauscht.

Keine Anmeldung erforderlich

„Die Ungezwungenheit fehlt schon“, sagt Martina Schreier. Früher habe man Spielgeräte einfach an den Freund weitergegeben – heute ist das nicht mehr möglich. Dennoch freut sie sich darauf, wieder mit den Jugendlichen von Angesicht zu Angesicht sprechen zu können. Wer vorbeikommen will, kann es tun, und zwar ohne sich anmelden zu müssen. Das war in der ersten Woche der Wiedereröffnung noch anders. Wer möchte, darf sich natürlich weiterhin vorher ankündigen. Pflicht ist hingegen, dass jeder, der die Einrichtung am Alten Postplatz betritt, sich in eine Liste einträgt – mit Namen, Kontaktdaten und Besucherzeit, wie beim Restaurantbesuch.

Erst mal Hände waschen

Als nächster Schritt folgt dann: „Wir schicken einen direkt zum Händewaschen“, sagt Martina Schreier. Gerätschaften würden zwar nach jeder Nutzung gereinigt, dennoch erfolge eine zusätzliche gründliche Reinigung zwischen den einzelnen Schichten der Villa-Mitarbeiter.

Diese sind im Einsatz von 14 bis 15.30 Uhr, von 16.30 bis 18 Uhr und außer an Dienstagen von 19 bis 20.30 Uhr. „Damit der Betrieb weiter erhalten werden kann, falls eine Schicht erkranken sollte“, erklärt Karl-Henning Reuter.

Hausinternes Tonstudio bleibt bis auf weiteres geschlossen

Worauf die Jugendlichen weiterhin verzichten müssen, ist das hausinterne Tonstudio, obwohl es dazu laut Martina Schreier viele Anfragen gibt. Bis es weitere Lockerungen gibt, müssen sich die Besucher also mit der Musik, die aus den Lautsprechern klingt, zufriedengeben.

Darf man dazu eigentlich tanzen? „Die Tanzfrage hat sich nicht gestellt“, sagt Karl-Henning Reuter. Das sei bisher kein Thema bei den Jugendlichen gewesen.

Jugendtreffs geöffnet

Derzeit haben neben der Villa Roller folgende Jugendtreffs geöffnet: Beinstein, Hohenacker, Neustadt und Forum Nord. Von dieser Woche an öffnen auch die Jugendtreffs in Hegnach und in Bittenfeld ihre Türen.