Waiblingen

Was die Home-Office-Pflicht in Waiblingen für Stihl und Anwalt Sven Mühlberger bedeutet

Home-Office-Angebotspflicht
Arbeitnehmer sind verpflichtet, zu Hause zu arbeiten. Triftige Gründe können allerdings von der Pflicht befreien. © ZVW/Alexandra Palmizi

Das Home-Office hat mit der Corona-Pandemie eine neue Bedeutung bekommen. Weil zahlreiche Kontakte und Wege vermieden werden, hilft es, Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden. Wer bislang noch nicht zu Hause arbeitete, ist seit Ende April dazu verpflichtet. Mussten zuvor die Arbeitgeber überall dort Home-Office ermöglichen, wo es umsetzbar ist, nimmt die Corona-Notbremse der Bundesregierung auch die Arbeitnehmer in die Pflicht.

Arbeitnehmer müssen Home-Office-Angebot annehmen

Am 21. April hat der Bundestag das vierte Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite verabschiedet, einen Tag später wurde es vom Bundesrat bewilligt. „Dabei wurde die Home-Office-Angebotspflicht aus der Arbeitsschutzverordnung gestrichen und ins Infektionsschutzgesetz aufgenommen“, erklärt Sven Mühlberger, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei MS Concept Rechtsanwälte, die auch einen Standort in Waiblingen hat. Neu ist, dass die Arbeitnehmer ein Home-Office-Angebot auch annehmen müssen.

Zunächst bis zum 30. Juni gilt für beide Seiten, dass nur aus triftigen Gründen im Büro gearbeitet werden soll. Zwingende betriebsbedingte Gründe für Arbeitgeber, kein Home-Office anzubieten, sind zum Beispiel, wenn in den Betrieben dafür nötige Arbeitsmittel fehlen oder die vorhandene IT-Infrastruktur nicht ausreicht. Organisatorische Schwierigkeiten hingegen sind kein ausreichender Grund. Beschäftigte müssen ebenfalls zu Hause arbeiten, wenn dies möglich ist. Allerdings können sie das Angebot aus triftigen Gründen ablehnen. Dazu zählen laut Gesetz zum Beispiel räumliche Enge, Störungen durch Dritte oder eine unzureichende technische Ausstattung.

Waiblinger Anwalt: Das Gesetz ist ein zahnloser Tiger

Die im neuen Paragrafen 28 b Absatz 7 verankerte Home-Office-Angebotspflicht ist für den Waiblinger Anwalt Sven Mühlberger im Ansatz gut, in der Durchführbarkeit aber schwierig. Arbeitsrechtlich stelle sich die Frage, wer etwa kontrollieren solle, ob ein Arbeitnehmer aus triftigen Gründen oder willkürlich das Angebot ablehne, im Home-Office zu arbeiten. Noch entscheidender aus rechtlicher Sicht: „Ein Zuwiderhandeln zieht derzeit keine Sanktionen nach sich, weil das Gesetz nicht mit den entsprechenden Bußgeldvorschriften verknüpft ist. Damit ist es ein zahnloser Tiger und bringt, so wie es sich aktuell darstellt, nicht viel“, erklärt Mühlberger.

Keine Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern

Dies sei allerdings eher eine theoretische Frage denn ein praktisches Problem, sagt Mühlberger. In der Praxis wollten seine Mandanten, die Arbeitgeber sind, vor allem wissen, was zu tun sei. Grundsätzlich sei die Bereitschaft enorm hoch, Home-Office zu ermöglichen, schließlich wolle niemand einen Corona-Ausbruch in seinem Unternehmen riskieren. Auch Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern habe er in seiner Arbeit bisher nicht erlebt.

Ähnliche Erfahrungen hat das Unternehmen Stihl gemacht. Bisher habe es mit keinem  Beschäftigten deshalb Schwierigkeiten gegeben, sagt Sabrina Haufler, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. Die Beschäftigten, deren Arbeit sich im Home-Office ausüben lässt, blieben zu Hause und das Unternehmen prüfe sehr sorgfältig, ob eine Anwesenheit der Mitarbeiter im Betrieb unbedingt erforderlich ist. Generell seien flexible und mobile Arbeitszeitmodelle schon seit vielen Jahren gelebte Praxis, sagt Haufler.

Neunmal mehr Home-Working-Tage bei Stihl

„Während der Corona-Pandemie wird dieses Angebot von unseren Beschäftigten nun verstärkt genutzt. Die Zahl der Home-Working-Tage hat sich während der Pandemie verneunfacht.“ Um das technisch zu ermöglichen, habe Stihl im vergangenen Jahr die IT-Infrastruktur erheblich ausgebaut und den Beschäftigten zusätzliches Equipment für das Arbeiten zu Hause zur Verfügung gestellt, wie zum Beispiel Laptops, Bildschirme und Tastaturen. Während Bürotätigkeiten problemlos von zu Hause umgesetzt werden können, gibt es in einem Unternehmen wie Stihl natürlich Tätigkeiten, bei denen Home-Office nicht möglich ist, vor allem in der Produktion oder im sogenannten produktionsnahen Umfeld. Um auch dort das Ansteckungsrisiko zu minimieren, setzt der Waiblinger Motorsägenhersteller auf strenge Hygienemaßnahmen und das Angebot von Corona-Antigen-Schnelltests am Werksgelände.

Das Home-Office hat mit der Corona-Pandemie eine neue Bedeutung bekommen. Weil zahlreiche Kontakte und Wege vermieden werden, hilft es, Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden. Wer bislang noch nicht zu Hause arbeitete, ist seit Ende April dazu verpflichtet. Mussten zuvor die Arbeitgeber überall dort Home-Office ermöglichen, wo es umsetzbar ist, nimmt die Corona-Notbremse der Bundesregierung auch die Arbeitnehmer in die Pflicht.

Arbeitnehmer müssen Home-Office-Angebot

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