Waiblingen

Was folgt aus den schweren Unfällen bei Aspach?

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Jüngster verheerender Unfall auf dem Autobahnzubringer nach Mundelsheim. Was tun? Kommt der Ausbau? © Mathias Ellwanger

Aspach. Die Polizei steht mal wieder vor einem Rätsel. Der Verursacher des jüngsten Unfalls auf dem Autobahnzubringer weiß angeblich selber nicht, warum er auf die Gegenfahrbahn geriet. Der Polizei freilich ist zu gut bekannt, dass es sich bei dieser Landesstraße um einen notorischen Unfallschwerpunkt handelt. Es gibt kurzfristige Maßnahmen, ansonsten sollte sich die Politik gefordert fühlen.

Fatal, und beinahe letal. Gestern hatten wir noch den Polizeibericht wiedergegeben, dass aus „bislang unbekannter Ursache“ der Mercedes beim Parkplatz „Karlshof“ auf die Gegenfahrbahn geriet und frontal mit einem Lupo kollidierte. Die verheerende Folge: Der Lupo-Lenker ist lebensgefährlich verletzt, die Beifahrerin schwer. Den Mercedes-Fahrer traf es leicht. Er konnte am Donnerstag eingehend befragt werden. Es bleibt freilich dabei, er kann sich offenbar auch nicht erklären, warum er plötzlich zu weit rüberkam. Und dann hat’s schon geknallt, so seine Aussage.

Zunächst einmal sind das Aussagen, denen die Polizei immer mehr misstraut. Kaum ein Unglücksfahrer, so erklärt es der Polizeisprecher Holger Bienert, gibt hernach zu, dass er in dem Moment am Smartphone rumgefingert hat, dass er sich mit der Bordunterhaltung beschäftigt hat, auf dem Navi navigierte. „Sie sagen es in der Regel nicht von sich aus.“ So weit nebenbei.

Bienert kann aber voll und ganz bestätigen, dass diese Straße wie kaum eine andere im Kreis beobachtet gehört. Und auch wird. Regelmäßige Verkehrsschauen bestreifen diesen langgezogenen Unfallschwerpunkt. Die Verkehrspolizisten im Kreis klären auf. In den Spitzenzeiten am Tag sind es pro Stunde 1200 bis 1300 Autos. Der meist gerade Streckenverlauf verleitet zu einem hohen, oft zu hohen Tempo. Die Polizei, sagt deren Sprecher, wisse das und setzte deshalb auch öfters die Radaranlage ein. Geschwindigkeit und fehlender Abstand sind ein Problem, aber auch die Versuchung, auf dieser recht langen Strecke ohne Überholstreifen schnell noch einen Lkw hinter sich zu lassen. So kam es innerhalb der Serie mit vier Unfällen in zwei Monaten unlängst zu einem fatalen Absturz. Bei der Hardtwaldkreuzung wurde ein Lkw-Fahrer von einem Autofahrer geschnitten, der wegen Gegenverkehr schnell wieder rüberziehen musste. Der Lkw-Fahrer wich nach rechts aus mit seinem 40-Tonner. Der kippte um und kippte dabei auch seine Ladung in die Landschaft.

Am Montag soll endlich die Ampel in Betrieb gehen

Ein absoluter Unfallschwerpunkt über Jahre hinweg ist die Einfahrt der Kreisstraße 1118 bei Kleinaspach. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Immerhin steht jetzt dort eine Ampelanlage. Aber die Inbetriebnahme hat sich verzögert, Grün, Gelb, Rot wird es erst ab Montag, wenn das Wetter gut bleibt. Am Sonntag sollen noch die Kontaktschleifen eingebaut werden, informiert Marina Nicklaus, Sprecherin des Landratsamts. Der jüngste schwere Unfall trug sich just kurz vor der Abzweigung nach Kleinaspach zu, auf der Höhe des Parkplatzes Karlshof. Aber hier handelt es sich nicht um einen Zusammenstoß mit einem, der aus Kleinaspach einmündete. Aber vielleicht hätte allein das Auftauchen einer Signalanlage den Mercedesfahrer vom Gas runtergehen lassen. Wobei, die Verkehrsschauen hatten zur Folge, dass das Landratsamt eben auch hier Schilder aufstellen ließ: Tempo 60 gilt.

Dass was gemacht werden muss, dass es bald zum Ausbau dieser hochbelasteten Strecke kommen muss, ist mal wieder allen klar, die näher dran sind. Bienert spricht von „schweren Unfällen in Abständen“. Das Problem verschärft sich mit jedem Jahr, in dem wieder ein Teilstück der B 14 um Backnang herum ausgebaut ist.

Es ist wahrlich eine Option für Reisende, die aus Heilbronn kommen, in Mundelsheim abzuzweigen, vor allem wenn es dann zwischen Backnang und Waiblingen flutscht.

Es bleibt sicher nicht bei diesen 1300 Autos in der Stunde.

Gezerfe um Straße

Für den Backnanger CDU-Landtagsabgeordneten Wilfried Klenk ist die aktuelle Landesregierung schuld. Sie habe den Ausbau der Autobahn auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Im Programm bis 2019 findet sich keine Trasse im Kreis, damit auch nicht die oberneuralgische Verbindung Backnang - Mundelsheim.

Es ist das altbekannte Zuschieben des Schwarzen Peters. Zu CDU-Zeiten musste der jeweilige CDU-Regionalfürst nur laut schreien, und dann bekam er seine Lieblingsstraße wenigstens in einen Plan geschrieben. Der Backnanger SPD-Abgeordnete Gernot Gruber weist dann immer darauf hin, dass Grün-Rot ja den Landesstraßen-Etat angehoben hat. Freilich für Sanierungen

Längst gibt es Besorgte, die vor dem vierspurigen Ausbau der Landesstraße warnen. So der Leutenbacher Bürgermeister. Damit komme es zum großen Nordostring und seine Bürger können dann gar nicht mehr schlafen. Und was würde das für das Nadelöhr Kappelbergtunnel bedeuten?