Waiblingen

Was isst Waiblingen im Herbst?

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Buntes Gemüse auf dem Waiblinger Wochenmarkt. © Danny Galm
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Besonders begehrt sind die Weintrauben am Marktstand von Karlheinz Medinger. © Habermann / ZVW
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Zwischen das Gemüse mischen sich am Stand von Eberhard Burtsche schon Weihnachtsgestecke. © Habermann / ZVW
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Alles rund um die Hagebutte gibt's bei Latzkos. © Habermann / ZVW
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Im Betrieb der Mayers ist die Zeit der Apfelernte. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Der Sommer ist vorbei, die nasskalte Jahreszeit hat begonnen. Die Zeit der Erdbeeren, Kirschen und Tomaten ist längst vorbei. Doch auch im Herbst tragen die einheimischen Felder, Sträuche und Bäume Früchte: Sellerie, Kohl, Hagebutten und Kürbisse haben jetzt Saison. Ein herbstlicher Rundgang über den Wochenmarkt

Im 360 Grad-Video: Ein Rundgang über den Waiblinger Wochenmarkt.

Trotz des Nieselwetters herrscht ein buntes Treiben auf dem Waiblinger Marktplatz. Junge Mütter mit ihren Babys im Tragetuch schlendern zwischen den Marktständen umher, Großväter schieben ihre regensicher eingepackten Enkel im Kinderwagen über das Kopfsteinpflaster und ältere Damen verstauen ihre Einkäufe sorgsam im Einkaufstrolley. Besonders groß ist der Andrang gerade an einem kleinen Stand am Rande des Wochenmarkts. Dort werden unter einem kleinen Schirm in einfachen Holzkisten Weintrauben, Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln angeboten.

„Gestern bei der Weinlese hatten wir noch Glück mit dem Wetter“, erzählt Karlheinz Medinger einem älteren Herrn, während er kleine Bleigewichte auf eine Waagschale stellt, um ein Pfund Trollinger Trauben abzuwiegen. Heute sei es ja schon etwas ungemütlich, fährt er fort. Aber er sei zufrieden. Sein Stand feiert in diesem Jahr 40-jähriges Jubiläum, 1976 hatte sein Onkel zum ersten Mal den Waiblinger Wochenmarkt beschickt. „Ich bin schon fast genauso lange dabei“, berichtet der 60-jährige Nebenerwerbswengerter. Zu kaufen gibt es an seinem Stand ausschließlich saisonale Produkte aus eigenem Anbau: „Heute habe ich meine letzten Trauben dabei. Wenn die aus sind, dann gibt’s keine mehr. Die Lese ist jetzt rum“, erklärt er.

"Hier gibt’s noch richtige Marktfrauen, das finde ich schön"

Wegen dieser netten kleinen Gespräche liebt Lotte Eisemann den Einkauf auf dem Wochenmarkt. „Ich wohne nicht weit weg, mittwochs und samstags mache ich immer meine Runde über den Markt“, sagt sie. Ihr gefalle die Vorstellung, dass ihr Gemüse aus den kleinen Gärten rings um Waiblingen kommt. „Hier gibt’s noch richtige Marktfrauen, das finde ich schön, irgendwie ländlich.“ Die großen Händler hingegen meide sie: „Da könnte ich ja genauso gut in den Supermarkt gehen“, sagt die Waiblingerin.

Auch Tanja Gallinat und ihr Mann schätzen die Produkte aus der Region, die auf dem Wochenmarkt angeboten werden. „Ich finde, die Waren halten auch länger“, sagt sie, während ihr Mann hinter der kleinen Tochter hersprintet, die an einem Gemüsestand etwas entdeckt zu haben scheint. Gemüse, Eier, Fleisch, all das hole sie am liebsten auf dem Markt – einerseits, um die Landwirte im Kreis zu unterstützen, andererseits wegen des besseren Geschmacks.

"Die Hagebutte wird leider oft unterschätzt"

Hägenmark, Hagebuttenkernöl, Hagebuttenkerntee, Hagebuttenfruchtschnitten und sogar Seife aus den kleinen roten Früchtchen gibt es ein paar Meter weiter am Stand der Familie Latzko. „Die Hagebutte wird leider oft unterschätzt, dabei sind das richtige Vitamin-C-Bomben“, erklärt Patrick Latzko. Seine Familie betreibt in fünfter Generation eine Imkerei und Hagebuttenverarbeitung in Bad Boll. Alle zwei Wochen bauen sie ihren kleinen Marktstand auch in Waiblingen auf. Erntezeit ist von Ende August bis Mitte September: Drei bis vier Wochen verbringt die gesamte Familie plus Erntehelfer dann in den drei Hektar großen Hagebuttenplantagen, denn alles wird von Hand geerntet.

Aber nicht nur für die Abwehrkräfte sind Hagebutten gut, sprudelt Latzko weiter. „Das Pulver kann zum Beispiel rheumatische Beschwerden lindern und der Tee wirkt entwässernd.“ Hagebutten könne natürlich auch jeder selbst ernten – am besten nach dem ersten Frost, dann seien sie weicher und die Kerne und Härchen ließen sich besser vom Fruchtfleisch trennen. Dabei sollte tatsächlich sorgsam vorgegangen werden: Aus den Kernen lässt sich hervorragendes Juckpulver herstellen.

Geheimtipp des Marktbeschickers: Grünkohlchips zum Selbermachen

Nebenan türmen sich Brokkoli, Rote Bete, Wirsing, Sellerie, Steckrüben, Kürbisse und die unterschiedlichsten Kohlsorten auf dem Stand von Eberhard Burtsche und seiner Frau Annette. Buschig und dunkelgrün ragt Grünkohl aus einem mit Wasser gefüllten Eimer. „Das ist mein Geheimtipp“, sagt Burtsche. „Grünkohlchips. Die kann man ganz einfach im Backofen selber machen.“ Und er sei ein richtiger Rosenkohl-Fan, jeden Herbst treffe er sich mit Freunden zum großen Rosenkohlessen.

Am allerliebsten aber isst er die kleinen Kohlköpfchen als Salat, nach dem Rezept seiner Frau. „Wie sie den genau macht, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall kommen Zwiebeln, Speck und Crème Fraiche rein“, schwärmt Burtsche. Auch sein Betrieb ist ein Familienbetrieb: Er betreibt ihn in dritter Generation und war selbst schon als Kind mit auf dem Markt, mit seinen Eltern und Großeltern. Zu kaufen gibt es bei ihm auch Feld-, Löwenzahn- und Zuckerhutsalat. „Die haben alle jetzt Saison und weil sie im Freien auf dem Feld wachsen, bleiben sie auch ein paar Tage frisch“, erläutert Burtsche. Rot-, Weiß- und Spitzkohl sowie Kürbisse ließen sich sogar über den ganzen Winter ziehen: „Richtig eingelagert halten sie sich bis zu vier Monate lang.“

"Bei uns haben vor allem die Äpfel gerade Hochkonjunktur"

Quitten, Quittengelee, Äpfel und Birnen aus Großheppach gibt es am Nachbarstand, bei der Familie Mayer. „Bei uns haben vor allem die Äpfel gerade Hochkonjunktur, wir sind mitten in der Ernte“, berichtet Martina Mayer. Ihr Lieblingsapfel ist der Elstar. Am Stand teilt er sich den Platz mit Boskoop, Rubinette, Gala Royal und Jonagold.

Auch die Familie Mayer hat ein Lieblingsrezept: Quittengelee. „Das macht man am besten aus Quittensaft, man braucht also einen Entsafter“, erklärt Mayer. Der Saft werde dann mit Gelierzucker im Verhältnis zwei zu eins eingekocht. „Das Gelee bleibt lange haltbar, so hat man länger etwas von den Quitten.“ Denn die Quittensaison, die sei jetzt vorbei.

Markt in Waiblingen

Der Wochenmarkt auf dem Marktplatz, der Langen und der Kurzen Straße findet immer mittwochs und samstags, jeweils von 7 bis 13 Uhr, statt.

Der Hagebutten-Stand der Familie Latzko ist am Mittwoch, 23. November, Mittwoch, 7. Dezember, und Mittwoch, 21. Dezember, vor Ort. Die auch als Hägen bekannten roten Früchte lassen sich nicht nur zu Marmelade oder Gebäck verarbeiten, auch Wildsoßen geben sie eine fruchtige Note.