Waiblingen

Was kommt zwischen Fronackerstraße und Bahnhofstraße?

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An der Ecke Fronackerstraße / Blumenstraße könnte großflächiger Einzelhandel entstehen. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Es ist die letzte Einkaufslage außerhalb der Altstadt und damit ein Filetstück in Waiblingen. Ein Plan für die künftige Entwicklung im Quartier zwischen der Fronackerstraße und der Bahnhofstraße existiert allerdings nicht. Nach etlichen Bauanfragen – aktuell für einen Lebensmittelmarkt und für Wohnungsbau – soll nun ein Rahmenplan die Züge der künftigen Bebauung festlegen.

Wie hoch, wie massiv kann und soll gebaut werden? Was fügt sich noch ein zwischen den anderen Häusern? Und wie könnte das Quartier in absehbarer Zukunft aussehen, wie in 30 Jahren? Das sind die Fragen, mit denen sich Stadt und Gemeinderat derzeit auseinandersetzen. Aktuell liegen Anfragen für einen Lebensmittelmarkt mit Wohnungen an der Ecke Blumenstraße / Fronackerstraße und für Wohnbebauung an der Unteren Lindenstraße vor. Beide Vorhaben sind teilweise mit fünf und sechs Etagen geplant und wären aus städtischer Sicht städtebaulich nicht verträglich.

Fast alle Grundstücke in Privatbesitz

Kleine Parzellen, im Innern eine fast hundertprozentige Versiegelung, eine Mischung aus alten, teils leer stehenden und neueren Gebäuden. Aber auch sehr viele Bäume hat Planer Thomas Herrmann vom Büro „ars Herrmann und Hornung“ im Gebiet ausgemacht. Außer dem Spielplatz an der Lindenstraße sind alle Grundstücke in Privatbesitz. Eine Riesenchance steckt nach Ansicht Herrmanns in dem Quartier, weil es die einzige Einkaufslage außerhalb der Altstadt sei.

In der Sitzung stellte Thomas Herrmann zwei Varianten eines Rahmenplans vor (siehe Grafik). Variante eins platziert einen 1600 Quadratmeter großen Supermarkt oder alternativ dazu großflächigen Einzelhandel längs zur Blumenstraße. In der zweiten Variante ist der Supermarkt leicht verschoben an der Ecke Blumenstraße / Fronackerstraße vorgesehen. Ein Fußweg zieht sich durchs Quartier. Die Bebauung entlang der Bahnhofstraße ist relativ dicht, mit einer klaren Raumkante an der Straße. Punkthäuser sind im Innern des Viertels vorgesehen. Mit Schwung wird das gesamte Viertel überplant – und damit auch die Grundstücke, die jetzt nicht und vielleicht nie zur Verfügung stehen. Diese Variante könne für die künftige Bebauung eine gute Lösung sein, aus heutiger Sicht aber nur als langfristiges Szenario fungieren, betont die Verwaltung aus diesem Grund in den Sitzungsunterlagen. Beiden Varianten gemeinsam ist eine zweite Grünfläche zusätzlich zum Spielplatz, vor allem aber erlauben sie höhere Gebäude: Maximal vier Etagen mit einem zurückgesetzten Dachgeschoss sind möglich.

Keine Entscheidung über Lebensmittelmarkt

Der Ausschuss nahm die Varianten sichtlich beeindruckt zur Kenntnis. Eine Entscheidung wurde indes vertagt. Gar nicht zur Debatte stand die Frage, ob in der Nähe von Tegut ein weiterer Lebensmittelmarkt sinnvoll ist, hier müsse ohnehin zuerst ein Marktgutachten eingeholt werden, so Baubürgermeisterin Birgit Priebe.

Klarheit schaffen, welche Konzepte gewollt werden

„Es ist eine Riesenchance, ein Stück Stadt zu entwickeln“, befand Sabine Wörner (SPD). Bevor das Gebiet entwickelt werde, müsse aber klar sein, ob Wohnungen, Büros, Läden, Einzelhandel, Grünflächen oder alternative Konzepte gewollt seien. „Mir ist der Rahmenplan ein Schritt zu früh“, sagte sie und forderte, zunächst die Bürger ins Boot zu holen. CDU-Chef Siegfried Kasper sprang ihr bei. Ein Rahmenplan sei zwar nur der erste Schritt, gleichwohl ramme er Pflöcke ein, so der CDU-Sprecher. Für die ALi kündigte Christina Schwarz an, dass ihre Fraktion den Rahmenplan erweitern und die ganze Fronackerstraße und Bahnhofstraße mit einbeziehen wolle.

Auch die FDP und die Demkratischen Freien Bürger (DFB) wollten über die Varianten noch nicht abstimmen. Bei der scheidenden Baubürgermeisterin rannten sie damit offene Türen ein: „Es ist richtig, das Thema mit meinem Nachfolger anzugehen“, so Priebe in ihrer letzten Sitzung in Waiblingen. Allerdings warnte sie vor Bürgerbeteiligung, wenn es um private Grundstücken gehe: „Ich kann mir auch viele Gedanken über meines Nachbarn Grundstück machen ...“ Gemeint hätte sie die Grundstückseigentümer und deren Nachbarn, stellten Wörner und Kasper klar.


Der Rahmenplan

Der Rahmenplan stellt die Grundlage für eine künftige Bebauung dar. Er beschreibt die gewünschte städtebauliche Entwicklung hinsichtlich Baustruktur und städtebaulicher Dichte. Maßstab für die Höhenentwicklung ist die viergeschossige Bebauung im Quartier und in der Umgebung. Die städtebauliche Dominanz der Querspange soll nicht fortgesetzt werden. Höhere einzelne Gebäude an der Ludwigsburger Straße sollen ebenso wenig ein Maßstab sein.

Mit dem Rahmenplan sollen die Bahnhofstraße, die Blumenstraße und die Fronackerstraße in ihrer Funktion als Einkaufsstraße gestärkt werden. Wie schon mit der Ansiedlung des Hotels, soll die Albert-Roller-Straße weiter aufgewertet werden.

Der Rahmenplan berücksichtig die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes mit darüberliegenden Wohnungen, beziehungsweise von großflächigem Einzelhandel, kombiniert mit Wohnungen. Dabei konzentriert sich der Rahmenplan auf Höhe und Dichte. Die verkehrlichen Folgen des Marktes, die Zufahrt und die Anlieferung müssen im weiteren Verfahren berücksichtigt werden. Sie sind nicht Gegenstand des Rahmenplans.

Die zweite Variante ist eine Zukunftsvision, baut aber auf der ersten auf.