Waiblingen

Was sind das für Viecher bei mir zuhause?

1/2
Wespenspinne Waiblingen Beinstein_0
Wespenspinne, fotografiert am Hausweinberg in Beinstein. © Wolfgang Sieder
2/2
Bernstein-Waldschabe
Links die gute alte Kakerlake, und rechts ihre Doppelgängerin, die bernsteinfarbene Waldschabe. © ©manuela_merl - stock.adobe.com

Waiblingen. Sensiblen Gemütern kann da unwohl werden: Sieht das Viech am Fenster nicht verdächtig nach Kakerlake aus? Tatsächlich hat die Deutsche Schabe Besuch von Verwandten aus dem Süden bekommen. Anders als der einheimische Schädling ist die bernsteinfarbene Waldschabe völlig harmlos. Ebenso die farbenfrohe Wespenspinne.

Wespenspinne, Zebraspinne, Tigerspinne: „Argiope bruennichi“ trägt viele Namen. Angesichts der farbenfrohen Musterung der achtbeinigen Schönheit scheinen sie alle gleich treffend. Ein besonders hübsches Exemplar fotogafierte Zeitungsleser Wolfgang Sieder kürzlich in Beinstein: „Diese von uns noch nie gesichtete Spinnenart fanden wir gestern Abend in unserem Garten, wo sie zwischen Calendulapflanzen ihr Netz gespannt hatte.“

Bruno Lorinser, Waiblinger Nabu-Chef, bestätigt: „Eine sehr attraktive und interessante Art.“ Sie stammt ursprünglich aus südlicheren Gefilden, sei aber schon einige Zeit auch hierzulande heimisch. „Gerne auf Flächen mit Altgras, die gut besonnt sind.“ Die Beute der ausgewachsenen Wespenspinnen besteht überwiegend aus Feldheuschrecken. Ihre Ausbreitung bis nach Schleswig-Holstein sehen viele Experten in Zusammenhang mit der Klimaerwärmung. Ihr Gift ist für Menschen nicht gefährlich, und die Giftklauen können die Haut normalerweise gar nicht erst durchdringen.

Wald- und Küchenschabe: Kaum zu unterscheiden

Nicht ganz so schick und extravagant wie die Wespenspinne kommt eine weitere Südländerin dahergekrabbelt: die bernsteinfarbene Waldschabe. Einer ungeliebten alten Bekannten sieht sie zum Verwechseln ähnlich, weshalb der Waiblinger Kammerjäger Markus Staudenmayer Waldschabe und Küchenschabe „Geschwister“ nennt. Kakerlaken können Krankheiten übertragen und sich im Haus rasant vermehren – Waldschaben sind harmlos.

Optisch seien sie für den Laien kaum zu unterscheiden. Bessere Rückschlüsse lassen sich durch ihr Verhalten und den Fundort ziehen. So lässt sich die Mehrzahl diesbezüglicher Anfragen von verunsicherten Bürgern telefonisch klären. Die erste Begegnung mit Kakerlaken findet meistens nachts statt, denn die kleinen Biester scheuen das Licht. Der Bernsteinfarbenen kann der Mensch, der in der Nähe von Wald oder Büschen wohnt, am hellichten Tag begegnen. Sie tritt meistens vereinzelt auf und kann anders als die Küchenschabe fliegen.

Die Bernsteinfarbene findet im Haus keine Nahrung

„Ins Haus kommt sie höchstens aus Versehen“, sagt Markus Staudenmayer. Sorgen brauchen sich die menschlichen Bewohner wegen ein paar Exemplaren pro Woche nicht zu machen. Die Waldschaben finden im Haus keine Nahrung und können sich dort auch nicht vermehren. Einige aufgeschreckte Menschen entdeckten sie am Waschbecken und befürchteten, sie lebten in Massen im Abfluss. Tatsächlich kommen sie immer von draußen und suchen allenfalls ein Tröpfchen Wasser.

Bekämpfung ist nicht angezeigt, die Bernsteinfarbene gilt bei hoher Anzahl allenfalls als Lästling – nicht als Schädling. Manchmal kommt’s vor, dass Menschen sich zu sehr ängstigen und ekeln. In Ausnahmefällen präpariert der Kammerjäger dann Rollladenkästen, damit die ungebetenen Besucher draußen bleiben. Abhilfe können aber auch schon Fliegengitter an den Fenstern schaffen.

Wer ein geschultes Auge hat, sagt Nabu-mann Bruno Lorinser, kann die Waldschabe im Garten so oft antreffen, dass sie schon fast als „gemein“ im Sinne von stark verbreitet gelten kann. Auch er bekam schon Schaben-Fotos geschickt – und konnte die besorgten Leute immer beruhigen.


Zapfenwanzen

Die Waldschaben gehören zu den Neozoen, den eingeschleppten oder eingewanderten Tierarten.

Dr. Reinhold John von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg nennt auch die Südliche Eichenschrecke und die Amerikanische Zapfenwanze.

Als unbemerkte Passagiere in Reisegepäck oder auf Lkw machen solche Arten Strecke.