Waiblingen

Was tun bei Sturmschäden?

Sturm Joachim tangiert Waiblingen....
Symbobild: Habermann. © Nicole Heidrich

Waiblingen. Sturmtief Susanna zieht derzeit über Deutschland und lässt auch den Rems-Murr-Kreis nicht aus. Eine Unwetterwarnung für Waiblingen gibt es zwar nicht, dennoch weist der Deutsche Wetterdienst auf die Gefahr von Sturmschäden hin: Böen von bis zu 72 Stundenkilometern werden erwartet. Was also tun, wenn der Schaden da ist?

Bislang habe er noch keine Schadensmeldungen erhalten, sagt Werner Oswald, Generalvertreter der Allianz in Waiblingen. „Für die nächsten Tage rechne ich aber mit Meldungen, vor allem aus dem Umland“, ergänzt er. Dann muss seine Versicherung einspringen: „Bei Sturm kann niemand haftbar gemacht werden, man bezeichnet das als unabwendbares Ereignis. Deshalb greift hier die Gebäude- oder Kfz-Versicherung“, erläutert er. Wichtig sei aber, dass Schäden durch Sturm im Versicherungsvertrag eingeschlossen seien.

Helmut Leib, Abteilungsleiter Sachschaden der WGV, rät deshalb, zu kontrollieren, ob auch am Haus angebrachte Gegenstände wie Holzverkleidungen, Bleche oder Markisen versichert sind. „Gerade im Hinblick auf die Wetteränderung der letzten Jahre empfehle ich, in diesem Punkt nicht an der Versicherungssumme zu sparen“, sagt er. In den letzten Jahren hätten Schäden durch Stürme, Hagel und Ähnliches spürbar zugenommen.

„Das Sturmtief Susanna ist nicht vergleichbar mit dem Ausmaß vergangener Stürme, wie beispielsweise Lothar“, sagt er. Er rechne deshalb nicht mit besonders vielen Schadensmeldungen, aber doch mit einigen: „Vor allem wird es da um vom Dach gewehte Ziegel gehen und um Bleche und Holzbretter, die sich gelöst haben“, vermutet er. Oder um Autos, die von Ästen, Bäumen oder herumfliegenden Gegenständen getroffen wurden.

Die Schäden, sind sich die beiden Experten einig, sollten zunächst dokumentiert werden. „Ich empfehle, mehrere Fotos zu machen, auf denen der Schaden gut erkennbar ist“, sagt Werner Oswald von der Allianz. Der nächste Schritt sei, den Schaden der Versicherung möglichst bald zu melden und auch die Fotos mitzuschicken. „Dann lasse ich am besten einen Kostenvoranschlag in der Autowerkstatt, oder im Falle eines Schadens am Gebäude, von einem Handwerker machen“, rät Oswald. Helmut Leib von der WGV weiß: „Es ist gut, sich mit seiner Versicherung abzusprechen, bevor Reparaturen in Angriff genommen werden – auch bei kleineren Summen.“ Sonst besteht die Gefahr, am Ende auf den Kosten sitzenzubleiben. Eine Ausnahme sind allerdings Reparaturen zur sogenannten Schadensminderung.

Schaden gering halten

Die dürfen nämlich sofort durchgeführt werden. „Der Versicherte ist verpflichtet, den Schaden möglichst gering zu halten“, erklärt Leib. Das bedeutet konkret: Wenn die Gefahr besteht, dass durch ein abgedecktes Dach oder ein kaputtes Fenster beispielsweise Regenwasser ins Haus läuft, darf sofort ein Handwerker beauftragt werden, die entsprechenden Stellen abzudichten. „Solche Notreparaturen werden dann im Normalfall auch von der Versicherung bezahlt“, so Versicherungsexperte Oswald. Vor der endgültigen Reparatur oder einer aufgrund des Schadens gegebenenfalls notwendigen Renovierung sollte man aber einen Kostenvoranschlag bei der Versicherung einreichen. Bei größeren Summen kann es vorkommen, dass vorab ein Gutachter den Schaden beurteilt.

Besser vorsorgen

Einen Haken hat die Sache übrigens: Damit die Versicherung überhaupt zahlt, muss mindestens Windstärke 8 geherrscht haben. Erst dann spricht man von Sturmschäden. Bei weniger starkem Wind haftet der Besitzer des Objekts, das den Schaden verursacht hat, wie Werner Oswald erklärt. „Und der ist oft gar nicht so einfach zu ermitteln.“ Generell gelte: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Bei angekündigtem Starkwind oder Sturm könne es also durchaus sinnvoll sein, lose Gegenstände von der Terrasse oder dem Haus zu entfernen oder das Auto in einer Garage zu parken.

Die Windstärke

Angegeben wird die Windstärke in Stundenkilometern oder anhand der sogenannten Beaufort-Skala. Windstärke 0 steht für Windstille, von einem Orkan spricht man bei Windstärke 12, bzw. Windgeschwindigkeiten von mehr als 117 Stundenkilometern.

Andreas Friedrich, Pressesprecher des DWD, hält die Angabe in Stundenkilometern für sehr anschaulich: „Jeder Autofahrer weiß, wie es ist, bei 70 Stundenkilometern den Kopf aus dem Fenster zu strecken.“

Für den Rems-Murr-Kreis warnt der DWD vor „markantem Wetter“, also Windstärke 8. Entscheidend für die Wetterwarnungen sind laut Friedrich die „Spitzenböen“, die manchmal nur wenige Sekunden dauern, aber große Schäden verursachen können.