Waiblingen

Was tut Waiblingen gegen das Artensterben?

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Symbolbild. © Laura Edenberger
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Ein ökologischer Baustein: Das Beweidungsprojekt in der Talaue.

Waiblingen. Flächenverbrauch, Klimaveränderungen, Lichtverschmutzung und Landwirtschaft: All das trägt bei zum dramatischen Sterben auf Wiesen und Feldern. Für den Schutz der Insekten hatte die ALi-Fraktion einen Masterplan für Biodiversität beantragt. Jetzt hat der Landschaftsökologe Jürgen Stotz im Auftrag der Stadt die städtischen Maßnahmen und ihre Vorhaben vorgestellt. Ein Masterplan wird nicht aufgestellt, dafür wird die Stadtverwaltung aber regelmäßig über ihre Aktivitäten zur Förderung der Artenvielfalt berichten.

Außerdem werden 20 000 Euro für die Fortschreibung der Strategie sowie für Bürgerkonzepte zum Naturschutz bereitgestellt. Das ist das Fazit der Diskussion im Planungsausschuss. Unter anderem soll ein Wettbewerb über insektenfreundliche Gärten ausgelobt werden. Ein Vorschlag, der quer durch die Fraktionen Gefallen fand.

Die Leitbilder sind in Waiblingen vorhanden, die Programme ebenso. Zudem wurde in den vergangenen Jahren bereits eine Vielzahl konkreter Maßnahmen für den Artenschutz umgesetzt, resümierte Landschaftsökologe Jürgen Stotz in der Sitzung. Als Beispiele nannte er unter anderem den Gewässerentwicklungsplan, die Renaturierung des oberen Kätzenbachs, die des Schüttelgrabens und der Rems vom Häckerwehr bis zur Firma Stihl sowie deren Durchgängigkeit an der Vogel- und Stietzmühle, am Häckerwehr und an der Hahn’schen Mühle.

Künftig wird geprüft, was die Maßnahmen bringen

Dazu kommen diverse Pflegekonzepte, das Beweidungsprojekt Talaue, Blühmischungen im Eisentalpark, der Bau des Alvariums, Maßnahmen zur Biodiversität im Rahmen der Fortschreibung des Landschaftsplanes sowie Kooperationen mit Nabu und BUND. Monotone Grünflächen im Stadtbild würden kontinuierlich umstrukturiert, resümierte Stotz. Bausteine für biologische Vielfalt seien vorhanden, müssten für eine Biodiversitätsstrategie aber besser strukturiert und zusammengeführt werden. Sein Vorschlag für die Zukunft: Ob die Maßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen, soll anhand eines Monitorings auf repräsentativen Flächen überprüft werden. Außerdem schlug er mehr Öffentlichkeitsarbeit wie Bürgerinformation, Schulgarten- und Hausgartenprojekte sowie Schulungen für städtische Mitarbeiter vor.

Einen Extra-Masterplan soll es dagegen nicht geben: „Wir haben schon viel getan“, argumentierte Baubürgermeisterin Birgit Priebe. „Bei null anzufangen macht aus unserer Sicht da wenig Sinn.“ Künftig solle jährlich über die Aktionen berichtet werden, was ALi-Rätin Iris Förster ausdrücklich lobte. Zudem schlug sie vor, vier bis fünf Flächen auszuwählen, überprüfbare Ziele zu formulieren und diese auszuwerten, außerdem statt eines Blumenschmuckwettbewerbs insektenfreundliche Vorgärten zu prämieren. Die von der Verwaltung dafür vorgesehenen 5000 Euro seien dafür aber zu wenig. Förster beantragte im Namen ihrer Fraktion insgesamt 20 000 Euro und erhielt dabei Unterstützung von CDU-Chef Siegfried Kasper.

Nicht ausruhen

SPD-Rat Urs Abelein lobte den guten Überblick, den Stotz gegeben habe, mahnte aber, sich auf dem Erreichten nicht auszuruhen. Sein Vorschlag: Bei städtischen Grundstücken solle die Pacht erlassen werden, wenn dort kein Glyphosat verwendet wird. Außerdem sollten auf städtischen Flächen Monokulturen ausgeschlossen sein. Birgit Priebe versprach, die Vorschläge zu prüfen.

Kritik kam dagegen von ALi-Chef Alfonso Fazio. Viele Aktionen seien lediglich Ausgleichsmaßnahmen für Versiegelungen an anderer Stelle gewesen, ätzte er, was Birgit Priebe zurückwies. Der Gartenwettbewerb wird aufgenommen, das Monitoring in Teilbereichen umgesetzt: „Von einer Bestandsaufnahme auf allen Flächen wären wir aber überfordert. Wir müssen welche rausgreifen und im Ausschuss wieder berichten, was gut funktioniert oder nicht.“

Was Insekten zum Leben brauchen

Offene Bodenstellen, hohes Gras, Blühendes und Verblühtes, das „Unkraut“ zwischen den Pflastersteinen. Blühstreifen mit regionalen Samen, einheimische Sträucher und Bäume, weniger häufiges Mähen und mehr „Unordnung“, empfahl der Hohenheimer Professor Steidle bei einer Diskussion im Bürgerzentrum. Die Gärten wie Naturschutzgebiete zu pflegen, vor allem aber solle man endlich mit den richtigen Schritten anfangen. „Wir sollten was machen. Und wir sollten es schnell machen. Noch zehn bis 15 Jahre, um umzusteuern. Wir haben nicht mehr viel Zeit.“