Waiblingen

Was Wohnungseigentümer wegen Corona jetzt wissen sollten: Haus- und Grundbesitzerverein aus Waiblingen klärt auf

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Wer Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft ist, braucht derzeit Geduld. © Pixabay CCO

Wann endlich liegt die Einladung zur nächsten Eigentümerversammlung im Briefkasten? Mancher Wohnungsbesitzer fragt sich das seit Monaten – und wird mit Berufung auf Corona von seiner Hausverwaltung vertröstet.

Einigen mag das egal sein, für andere ist es ein Ärgernis. Wer gerne ein Gartenhäuschen in seinem Garten errichten will und dafür die Zustimmung der Wohnungseigentümergemeinschaft benötigt, der kann schnell mal genervt sein. Denn wer ohne Beschluss sein Gartenhäuschen baut, läuft Gefahr, dass nachher der Abriss droht, wenn sich andere Eigentümer gestört fühlen.

Auch sonst wirft die Corona-Zeit in Sachen Wohnungseigentümergemeinschaften viele Fragen auf. Martin Zerrer, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins Waiblingen, Winnenden und Umgebung (links), sowie der Waiblinger Anwalt Hendrik Leibfritz haben im Gespräch mit unserer Zeitung nun die wichtigsten Punkte erläutert.

Versammlungen theoretisch weiter möglich

Zunächst mal sind Eigentümerversammlungen nach wie vor auch im Teil-Lockdown weiter möglich, sofern den Teilnehmern feste Sitzplätze zugewiesen werden können und Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Nicht teilnehmen dürfen Menschen, die Kontakt mit einer an Covid-19 erkrankten Person hatten oder die selbst Symptome haben.

„Auch die Eigentümer sind nicht allzu scharf drauf“ 

Der Ärger über ausfallende Eigentümerversammlungen hält sich nach Angaben von Martin Zerrer indes in Grenzen. „Auch die Eigentümer sind nicht allzu scharf drauf.“ Wenn Eigentümerversammlungen stattfinden, dann vor allem mit unterschriebenen Vollmachten der einzelnen Eigentümer. Das hat den Vorteil, dass bei der Versammlung selbst kaum Leute physisch anwesend sein müssen. Und es muss kein großer Saal gemietet werden, für den dann gleich mal 1000 Euro fällig wären.

Ist der Verwalter dann noch handlungsfähig?

Wer sich Sorgen macht, dass eine Eigentümergemeinschaft wegen einer noch nicht stattgefundenen Versammlung handlungsunfähig wird, den kann Martin Zerrer beruhigen. Der Verwalter habe auch schon vor der Pandemie durchaus Möglichkeiten, schnell zu entscheiden – zum Beispiel bei einem Wasserrohrbruch. „Wenn Gefahr im Verzug ist, kann er immer handeln.“

Warum will kaum einer Online-Versammlungen?

Dass eine Eigentümerversammlung nur online abläuft, wäre theoretisch möglich – aber nur, wenn jeder Eigentümer zustimmt. Selbst wenn das der Fall wäre, gibt es eine weitere Hürde – den Datenschutz. „Das sind immer nichtöffentliche Sitzungen“, sagt Martin Zerrer. Wer kann hier garantieren, dass bei einer Videokonferenz nicht heimlich Leute mithören, die das gar nicht dürfen?

„Da verwechseln manche die Hausverwaltung mit dem Hausmeister“

Der Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins Waiblingen, Winnenden und Umgebung weiß, dass es auch in der Pandemie Klagen über Hausverwaltungen gibt. Da geht es dann zum Beispiel darum, dass der Rasen zu selten gemäht wird. „Da verwechseln manche die Hausverwaltung mit dem Hausmeister“, findet Martin Zerrer. Er gibt auch zu bedenken, dass manche kleinere Eigentümergemeinschaft auch froh sein müsse, überhaupt noch eine Hausverwaltung zu haben – und zwar aus wirtschaftlichen Gründen. „Einer hat mir gesagt: Unter zehn nehme ich nichts mehr an.“


Haus und Grund Waiblingen verzichtet selbst auf eine Mitgliederversammlung

Fakt ist, dass eine Hausverwaltung verpflichtet ist, einmal im Jahr eine Eigentümerversammlung abzuhalten – allerdings ist diese Pflicht laut Anwalt Hendrik Leibfritz wegen Corona in diesem Jahr erst mal ausgesetzt worden. Auch der Haus- und Grundbesitzerverein selbst verzichtet in diesem Jahr auf eine Versammlung für seine 5500 Mitglieder – und will nun am 1. April 2021 zwei Jahresversammlungen auf einmal abhalten.

Beratung am Telefon wird stark nachgefragt

Zu den persönlichen Beratungen kommen wegen Corona auch weniger Mitglieder, zumal diese nicht mehr spontan möglich sind, sondern nur noch nach Anmeldung. Dafür wird die zunächst vorübergehend eingeführte telefonische Beratung durch einen Anwalt am Dienstag von 10 bis 12 Uhr und am Donnerstag von 14 bis 16 Uhr fester Bestandteil des Angebots.

Müssen Eigentümer weiter Wohngeld an die Hausverwaltung zahlen?

Wohngeld müssen Eigentümer übrigens wie bisher an die Hausverwaltung zahlen. Der alte Wirtschaftsplan der Gemeinschaft gilt schließlich weiter. Wer seine Wohnung verkaufen will oder einen neuen Mieter sucht, kann weiter einen Makler beauftragen und diesen Wohnungsbesichtigungen organisieren lassen. Wichtig ist nur, dass für potenzielle Käufer respektive Mieter Einzeltermine vereinbart werden.


Sind Wohnungsübergaben derzeit zulässig?

Auch Wohnungsübergaben sind weiter zulässig, sofern der Mindestabstand eingehalten wird. Auch Umzüge dürfen von Umzugsunternehmen weiter angeboten werden. Vorsicht geboten ist allerdings derzeit bei privat organisierten Umzügen, da die maximal zehn erlaubten Helfer nur aus insgesamt zwei Haushalten kommen dürfen.

Allgemein findet es Martin Zerrer wichtig, sich als Wohnungseigentümer jetzt in Corona-Zeiten nicht wegen jeder Kleinigkeit bei der Hausverwaltung zu beschweren. „Man sollte gegenseitiges Vertrauen haben in den Krisenzeiten.“

Wann endlich liegt die Einladung zur nächsten Eigentümerversammlung im Briefkasten? Mancher Wohnungsbesitzer fragt sich das seit Monaten – und wird mit Berufung auf Corona von seiner Hausverwaltung vertröstet.

Einigen mag das egal sein, für andere ist es ein Ärgernis. Wer gerne ein Gartenhäuschen in seinem Garten errichten will und dafür die Zustimmung der Wohnungseigentümergemeinschaft benötigt, der kann schnell mal genervt sein. Denn wer ohne Beschluss sein Gartenhäuschen baut,

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