Waiblingen

Wasserpreis soll 2019 weiter steigen

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Hahn auf, Wasser raus: Das funktionierte zweimal in letzter Zeit für einige Winterbacher Haushalte nicht mehr - die Leitungen waren trocken. © Ramona Adolf

Weinstadt. Im Vergleich mit anderen Kommunen im Kreis ist der Wasserpreis in Weinstadt hoch – und trotzdem soll er von 2019 an weiter steigen. Die Stadtwerke wollen für den Kubikmeter künftig 2,62 Euro verlangen, 16 Cent mehr als bisher. Im Gegenzug sollen Leitungen komplett auf Kosten der Stadtwerke saniert werden – und dann auch in deren Eigentum übergehen.

Zur Grafik: Die Wassergebühren im Rems-Murr-Kreis im Vergleich

„Die Zahl hat sich fast verdoppelt“: Stadtwerke-Leiter Thomas Meier macht sich schon länger Sorgen um den Zuwachs bei den Rohrbrüchen im Weinstädter Wassernetz. 1999 waren es noch 58, im Jahr 2017 schon stolze 104. Das sorgt zum einen für Mehrarbeit bei den Stadtwerken. Zum anderen zeigt es, dass die Leitungen repariert werden müssen – doch die Motivation der Bürger hielt sich bislang in Grenzen. Immer wenn die Stadtwerke bei passender Gelegenheit nachfragten, ob Anwohner nicht ihre Leitungen sanieren lassen wollen, war die Nachfrage gering. Im besten Fall, berichtete Thomas Meier in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses, wollten 30 Prozent der angeschriebenen Bürger mitmachen. Viele haben eben die Kosten abgeschreckt – je nachdem, wie hoch der Eigenanteil der Hausbesitzer an der betroffenen Leitungsstrecke war. Im Fall eines Rohrbruchs rächte sich solch eine Haltung freilich – und die Bürger mussten dann zwischen 4000 und 20 000 Euro berappen.

„Die Leistungsfähigkeit der Mannschaft ist ausgereizt“

Nur bei den wenigsten Haushalten zahlten laut Geschäftsführer Meier Versicherungen die Rechnung. Für die Stadtwerke ist das wieder mit Aufwand verbunden, vor allem bei den vielen Eigentümergemeinschaften, die es in Weinstadt gibt. Denn die brauchen erst mal den Beschluss bei einer Versammlung, bevor das Rohr repariert wird. Das führte laut Meier dazu, dass die Stadtwerke Gebäude im Schnitt vier bis acht Wochen notversorgen mussten. So gab es in diesem Sommer nach Angaben des Geschäftsführers eine Woche, in der 25 Reparaturen nicht ausgeführt werden konnten, weil der Beschluss der Eigentümerversammlung noch nicht vorlag. „Die Leistungsfähigkeit der Mannschaft ist ausgereizt.“

Aus diesem Grund will Meier nun das bisherige System umstellen. Die Stadtwerke würden dann die Wasserleitung bis zur ersten Hauptabsperrvorrichtung im Gebäude übernehmen. Somit wäre dann auch der Hausanschluss im Eigentum des städtischen Eigenbetriebs. Dieser zahlt dann alles, was mit der Reparatur verbunden ist. Die Stadtwerke haben dann vor, bei jeder Gelegenheit, die sich auftut, 100 Prozent der Leitungen in einem Gebiet zu sanieren. Wie gesagt: Bisher lagen die besten Werte bei 30 Prozent.

All das wollen die Stadtwerke dadurch bezahlen, indem sie die Gebühren erhöhen. Die Verbrauchsgebühr für den Kubikmeter Wasser soll von 2,46 Euro auf 2,62 Euro steigen. Laut Stadtwerke-Chef Thomas Meier bedeutet dies für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt eine monatliche Mehrbelastung von 2,57 Euro. Mit Blick auf andere Kommunen im Kreis meinte er, dass die Weinstädter sicher nicht die Einzigen seien, die 2019 an der Gebührenschraube drehen würden.

Wassergebühren: Weinstadt gehört zu den teuersten Kommunen im Kreis

 

Weinstadt gehört bislang mit Backnang, Remshalden und Berglen in Sachen Wassergebühren zu den teuersten Kommunen im Rems-Murr-Kreis. Am günstigsten sind Kernen, Winterbach und Fellbach. Wenn Leute darauf verweisen, dass zum Beispiel Kommunen wie Fellbach wesentlich günstigere Wasserpreise anbieten (1,89 Euro Verbrauchsgebühr pro Kubikmeter statt bald 2,62 Euro in Weinstadt), dann empfindet Thomas Meier diesen Vergleich allerdings als unfair. So sei das Versorgungsnetz in Fellbach genauso lang wie in Weinstadt – aber „die Abnehmermenge ist doppelt so hoch“. Dazu kommt ein Mehraufwand bei der Infrastruktur. „Wir müssen 15 Hochbehälter unterhalten – und Fellbach hat drei.“ Wer Weinstadt mit Fellbach vergleicht, der vergleicht aus Meiers Sicht letztlich Äpfel mit Birnen.

Im Betriebsausschuss gab es von den Vertretern der vier Fraktionen Unterstützung für die Pläne der Stadtwerke. Er empfahl dem Gemeinderat daher einstimmig, in seiner Sitzung vom 13. Dezember die Gebührenerhöhung und das neue Sanierungssystem zu beschließen. CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger betonte indes, dass er sich freuen würde, wenn die Stadtwerke irgendwann ihren Wasserpreis wieder etwas absenken würden, sobald das neue System zu deutlich weniger Rohrbrüchen führt. Thomas Meier betonte daraufhin, dass bei 6300 Hausanschlüssen alles seine Zeit braucht. „Ich möchte nicht suggerieren, dass der Effekt übermorgen eintritt.“


Saffrichhof-Bewohner müssen zahlen

Stadtwerke-Chef Thomas Meier war es sichtlich unangenehm, als er in der Sitzung des Betriebsausschusses von Freie-Wähler-Fraktionschefin Isolde Schurrer auf den Saffrichhof angesprochen wurde. Die dortigen Wohnungseigentümer erhalten von den Stadtwerken noch in diesem Jahr einen Vorschlag, wie die Sanierung der Wasserleitung umgesetzt werden kann – mit dem Ziel des Abschlusses einer Erschließungsvereinbarung mit Kostenübernahme durch die Eigentümer.

Auch nach Umstellung auf ein neues Reparatursystem für die Weinstädter Wasserleitungen zahlen die Stadtwerke also im Fall des Saffrichhofs nicht für eine Sanierung. Laut Meier besteht kein Rechtsanspruch für die Bewohner, er stützt sich dabei unter anderem aufs Baugesetzbuch. Die Stadtwerke wollen nun mit den betroffenen Leuten Gespräche führen. „Das beschäftigt uns, das belastet uns auch.“