Waiblingen

Wechsel in der Lokalredaktion:  „jup“ verlässt die „Komfortzone“

Tafel
Für eine Reportage über den Waiblinger Tafelladen arbeitete Jutta Pöschko-Kopp dort selbst mit. © Benjamin Büttner

Sie hat die Lokalseiten der Waiblinger Kreiszeitung geprägt, fast täglich stand ihr Name über Aufmacherartikeln: Jutta Pöschko-Kopp. Nach 18 Jahren als Leiterin der Lokalredaktion stellt sie sich einer neuen Herausforderung und übernimmt zum 2. November die Leitung der Redaktion Schorndorf/Welzheim, die mit ihren beiden Titeln „Schorndorfer Nachrichten“ und „Welzheimer Zeitung“ ebenfalls zum Zeitungsverlag Waiblingen gehört.

Warum jetzt dieser Schritt? „Raus aus der Komfortzone“ lautet das Motto ihres selbst gewählten Wechsels. In Waiblingen führte sie ein gut funktionierendes und engagiertes Team von acht Kollegen, die in der täglichen Arbeit an einem Strang ziehen und bei denen auch die zwischenmenschliche Chemie stimmt – was beides maßgeblich als ihr Verdienst gesehen werden kann. Empathie und Klarheit zeichnen sie als Chefin aus: Jeder Mitarbeiter weiß, was von ihm erwartet wird, gleichzeitig lässt sie den persönlichen Gesprächsfaden nie abreißen, so dass sich alle als Menschen zum Team gehörig fühlen dürfen – nicht nur als austauschbare Personalstelle.

Gut vernetzt in Waiblingen, Weinstadt, Kernen und Korb

Ihr journalistisches Revier ist das Untere Remstal, wo sie so gut vernetzt ist, wie es nur irgend geht, Hinz und Kunz kennt und im Lauf der Jahre eine ungeheure Vielfalt an Nachrichten und berichtenswerten Themen aufgespürt hat. Das mit der „Komfortzone“ gilt also in doppeltem Sinn – geografisch und hinsichtlich des gewohnten Umfelds im Zeitungshaus.

Ihr Abitur hat sie am Remstal-Gymnasium in Weinstadt gemacht. Nach dem Studium absolvierte sie ein Volontariat beim Zeitungsverlag Waiblingen, zu welchem sie nach einer Zeit bei der Politikredaktion der Südwestpresse in Ulm aus privaten Gründen zurückkehrte. Viele Jahre berichtete sie auf der Weinstadt-Seite über ihren damaligen Wohnort, bevor sie in die Waiblinger Stadtredaktion wechselte. Heute hat Jutta Pöschko-Kopp drei erwachsene Söhne und wohnt mit ihrem Mann in Rommelshausen. Seit Juni ist sie auch stellvertretende Chefredakteurin des ZVW.

Plastikfrei leben

Mit stets kritischem Blick begleitet sie die Kommunalpolitik – ohne die Berichterstattung auf diese zu verengen. Maßgeblich gestaltete sie den „Relevanzprozess“ der Redaktion mit und stellte ihn bei einem Modellseminar für Journalisten vor: Weg vom klassischen Terminjournalismus und raus auf die Suche nach den Themen, welche die Leser wirklich bewegen, sie in ihrer Lebenswelt betreffen – zum Beispiel Leerstände im Einzelhandel, Verkehr und der Mangel an Wohnraum. Umwelt und Ökologie „verpackte“ sie in einen mehrteiligen Selbstversuch, plastikfrei zu leben. Über das Tagesgeschehen hinaus brach die Katholikin die großen Fragen nach Gott und der Welt aufs Lokale herunter. Gleichzeitig fielen die „soften“ Themen nie unter den Tisch. Ihre Leidenschaft fürs Gärtnern topfte sie in unterhaltsam geschriebene, lesernahe Serien um.

Meinungsstark und ohne Angst vor Gegenwind

Ein redaktionelles Markenzeichen von Jutta Pöschko-Kopp sind ihre Meinungsartikel zu kontroversen Debatten. Den zur Gartenschau geplanten „Zug der Mütter“ in Weinstadt kritisierte die dreifache Mutter als antiquiert. In der Flüchtlingskrise bezog sie klar Position gegen scheinheilige Argumente von „besorgten Bürgern“. Meist bahnten diese Texte sich zwei, drei Tage vorher im Kollegengespräch an, bis nach einer vermutlich halb durchwachten Nacht der Anruf kam „Ich komme heute später.“ Dann wurde, schon lange vor der Pandemie, im Home-Office gearbeitet, bis um die Mittagszeit das Werk vollbracht war – geschliffen formuliert und präzise argumentiert. Immer stießen diese Kommentare auf lebhaftes Echo – beileibe nicht bloß auf Zustimmung. Gegenwind weiß sie selbstbewusst und schlagfertig zu kontern. Künftig dürfen sich die Schorndorfer auf Pöschko-Koppsche Meinungsartikel gefasst machen.

All das werden wir, die Lokalredaktion Waiblingen, vermissen – den Schorndorfer Kollegen und Lesern sei’s gegönnt. Die ressortinterne Tradition des Umtrunks zum Feierabend am Freitag jedoch werden wir, sofern es die Corona-Situation erlaubt, weiter hochhalten. Weil umso besser zusammenarbeitet, wer gemeinsam lachen und tratschen kann.

Stimmen zweier Weggefährten

OB Andreas Hesky: „Guter Lokaljournalismus setzt aus meiner Sicht Interesse, Offenheit und eine gute Vernetzung, ohne sich vereinnahmen zu lassen, voraus. Das alles kann ich Frau Pöschko-Kopp bestätigen, die ich als interessierte, engagierte Journalistin erlebt habe. Die Menschen via Tageszeitung für Kommunales zu begeistern, zu informieren und ausgewogen Themen darzustellen, ist ihr gelungen. Sie ist eine Vertreterin der vierten Gewalt, wie man sie sich wünscht, auch wenn mir nicht jeder Artikel uneingeschränkt gefallen hat, was aber in der Natur der Sache liegt, so dass dies ein Lob ist, weil Hofberichterstattung niemandem hilft. Demokratie lebt vom Diskurs, sachlich, offen und fair - das sind die Markenzeichen von Frau Pöschko-Kopp. Ihr weiterhin alles Gute!“

Pfarrer Franz Klappenecker: „Deutlich spüre ich, dass sie fehlen wird. Ihr Werkzeug waren ein Block und ein Stift. Genauso elementar und auch direkt waren ihre Gedanken und Fragen beim Sinnieren übers Fasten und Schenken, Weihnachten und Ostern. So ist sie unserem Alltag und Festtag auf den Grund gegangen. Dankbar entdecke ich die Spuren, die sie hinterlässt. Remstalaufwärts mit dem Segen von oben, das wünsche ich ihr!“

Die neuen Zuständigkeiten in der Lokalredaktion Waiblingen

„Jutta Pöschko-Kopp hat in den vergangenen Jahren die Neuausrichtung unserer lokalen Inhalte mit Erfolg vorangetrieben. Ich freue mich deshalb, dass sie jetzt die Leitung der wichtigen Redaktion Schorndorf und Welzheim übernimmt. Ihr bisheriger Stellvertreter Andreas Kölbl wird künftig die Redaktion Waiblingen leiten. Damit liegen zwei Schlüsselpositionen des Verlages in guten Händen.“ Das sagt Frank Nipkau, der Chefredakteur des ZVW und damit der Waiblinger Kreiszeitung.

Der 50-jährige Andreas Kölbl steht für Kontinuität in der Lokalredaktion. Sein Ziel ist, gemeinsam mit einem jungen, motivierten Team moderne, an Relevanz-Themen orientierte Print-Berichterstattung zu betreiben und den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten.

Die Tagesproduktion und die Themenplanung steuert seit einem Jahr – und gefühlt schon viel länger – Daniel Hertwig (32 Jahre). Gemeinsam mit Andreas Kölbl wird sich künftig unser langjähriger Weinstadt-Beauftragter Bernd Klopfer (38) um Waiblingen kümmern. Was mitnichten bedeutet, dass die Weinstadt-Seite verwaist: Der Handball-Crack und bisherige Kernen/Korb-Redakteur Sebastian Striebich (32) nimmt sich ihrer an. Über Kernen und Korb schreibt vornehmlich unsere Jungredakteurin Keziban Bitek (28). Die Kielerin hat mit Beginn 2018 ihr Volontariat beim ZVW absolviert.

Unabhängig von diesen Zuständigkeiten bleiben die Kollegen mit ihren Aufgaben nicht allein. Unterstützt werden sie unter anderem durch Lynn Bareth (23), die wohl als erste Volontärin der ZVW-Geschichte ihr Berufsleben im Home-Office starten musste – im April 2020 wegen des ersten Corona-Lockdowns. Sie schaffte den Einstieg trotzdem prima. Vertretungsweise wird das Ressort unterstützt von den Redakteurinnen Lea Krug und Annina Baur.