Waiblingen

Wegen Corona nimmt kaum ein Unternehmen noch Praktikanten - ein Waiblinger Realschulrektor appelliert deshalb an die Wirtschaft

KeinSchulpraktikum
Bei einem Praktikum können erste berufliche Erfahrungen gemacht werden. © Adobestock/

Eigentlich wären die Acht- und Neuntklässler der Staufer-Realschule derzeit in den verschiedensten Betrieben und Institutionen, um dort ein Praktikum zu machen. Doch daraus wurde wegen des Coronavirus nichts. Der Rektor der Schule, Axel Rybak, hat eine klare Haltung, wo es bald wieder hingehen muss, und richtet einen Appell an die Wirtschaft.

Den passenden Beruf zu finden ist für die meisten jungen Menschen ohnehin eine große Herausforderung. Möglichkeiten gibt es theoretisch viele, doch sich auf einen Weg festzulegen, das fällt vielen schwer. Orientierung bieten Schülerpraktika, die in allen Schulformen vorgesehen sind. Für ein oder zwei Wochen stellen die Schulen ihre Schüler vom Unterricht dafür frei.

Ausgerechnet jetzt, wo der Teil-Lockdown vieles lahmlegt und es gilt, die Kontakte besonders einzuschränken, hätten die Praktika der Staufer-Realschüler stattfinden sollen. Schon in den Wochen und Monaten zuvor waren viele Unternehmen extrem zurückhaltend, wenn es darum ging, zusätzliche Personen in ihre Werkstätten und Büros aufzunehmen. Spätestens seit der neuen Verordnung ist es in den meisten Bereichen kaum noch möglich.

Nur ein Schüler von Rybak hat einen Platz gefunden

Nur ein einziger Schüler hat einen Platz gefunden, er ist vom Unterricht freigestellt worden, erklärt Rybak. „Wir versuchen, individuelle Lösungen zu finden“, sagt er. Alle anderen müssen jetzt die Schulbank drücken, aus der Praktikumswoche für alle wurde nichts. Die Situation sei nicht nur für die Jugendlichen schade, in der Schule habe das einige Planungen durcheinandergebracht, wie Schulleiter Rybak erzählt.

Die Zeit in den Unternehmen halte er für enorm wichtig, erklärt der Schulleiter. „Es ist eine Möglichkeit, sich im Betrieb vorzustellen“, sagt er. Immer wieder sei auch ein Ausbildungsverhältnis zustande gekommen. Deshalb haben aus seiner Sicht nicht nur die Schülerinnen und Schüler etwas von dem praktischen Einblick, auch Unternehmen könnten sich ein Bild machen und womöglich eine Fachkraft für die Zukunft gewinnen.

Axel Rybak hofft, dass sich die Corona-Lage bis im Frühjahr so entspannt hat, dass Praktika wieder möglich sind. Er appelliert an die Betriebe in der Umgebung, den Einblick dann auch endlich wieder zu ermöglichen.

Nur Einzelne konnten ein Praktikum machen

Auch für viele Schülerinnen und Schüler der Staufer-Gemeinschaftsschule fiel die praktische Erfahrung weg. Eine geplante Praktikumswoche für die Achtklässler im Februar musste komplett ausfallen. Im Oktober konnten sie diese auf freiwilliger Basis aber nachholen. Immerhin Einzelne hätten wertvolle Erfahrungen sammeln können, erklärt Konstantinos Vavelidis, der an der Schule für die Berufsorientierung zuständig ist. Neben dem klassischen Praktikum mussten zuletzt aber auch andere Angebote, wie Betriebsbesichtigungen und Jobmessen, ausfallen. Für die Achtklässler dieses Schuljahres seien die Praktika nun im Februar angesetzt.

Anette Schanbacher, die Leiterin der Berufsberatungsstelle bei der Agentur für Arbeit in Waiblingen, bestätigt, was die beiden Schulen berichten. Einen Praktikumsplatz zu finden sei momentan nahezu unmöglich. Nur noch in wenigen Bereichen haben junge Menschen derzeit Glück. Beispielsweise in manchen Handwerksbetrieben werden nach wie vor Praktika angeboten, erklärt die Expertin. Auf einer Baustelle im Freien sei das Infektionsrisiko schließlich auch geringer.

Schanbacher appelliert ihrerseits an die Schulleitungen, sich untereinander abzusprechen, wann ihre Praktikumswochen stattfinden. So könne verhindert werden, dass die Schülerinnen und Schüler bei den Firmen in allzu große Konkurrenz treten müssen. In der Vergangenheit habe das nicht immer reibungslos funktioniert, deutet sie an.

Ferien für Praktika nutzen, empfiehlt die Expertin von der Arbeitsagentur

Die Fachfrau rät den Schülerinnen und Schülern dazu, auch mal die ein oder andere Ferienwoche für eine praktische Erfahrung zu nutzen. Die nahenden Weihnachtsferien seien dafür zwar weniger gut geeignet, weil viele Unternehmen ihren Betrieb teilweise herunterfahren. Doch in den Oster- und Pfingstferien sei das auch hoffentlich hinsichtlich des Corona-Infektionsgeschehens wieder möglich.

Gezielt versuche die Arbeitsagentur in Waiblingen derzeit, Beratungen übers Telefon oder einen Video-Kanal anzubieten. Auf diese Weise versuche Anette Schanbacher und ihr Team, den Jugendlichen zu signalisieren, dass sie mit der großen Herausforderung nicht alleine sind.

Eigentlich wären die Acht- und Neuntklässler der Staufer-Realschule derzeit in den verschiedensten Betrieben und Institutionen, um dort ein Praktikum zu machen. Doch daraus wurde wegen des Coronavirus nichts. Der Rektor der Schule, Axel Rybak, hat eine klare Haltung, wo es bald wieder hingehen muss, und richtet einen Appell an die Wirtschaft.

Den passenden Beruf zu finden ist für die meisten jungen Menschen ohnehin eine große Herausforderung. Möglichkeiten gibt es theoretisch viele,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper