Waiblingen

Wegen Corona: Tafel in Waiblingen an neuem Standort

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Erika Severin, die Vorsitzende des Tafel-Vereins, freut sich über die neuen Räume. © Benjamin Büttner

Menschen stehen vor der Tür, im Hof, bis hinaus auf die Straße: Mit einem großen Kundenandrang hat der Tafelladen an diesem Donnerstag am neuen Standort in der Benzstraße wieder aufgemacht. Seit Juli waren die Räume des ehemaligen Gebrauchtwarenladens saniert und für die Tafel umgebaut worden. Möglich geworden war der Umbau dank einer 70 000-Euro-Spende des Fellbacher Immobilienunternehmers Harald Panzer. Bis zuletzt hatten die Macherinnen des Tafelladens geschuftet, um den Laden nach dem coronabedingten Umzug aus der Fronackerstraße so schnell wie möglich wiedereröffnen zu können. Denn der Druck, unter dem die Kunden stehen, ist groß: Sie sind darauf angewiesen, möglichst schnell wieder günstig einkaufen zu können. Besonders unangenehm war für sie, dass es kaum Ausweichmöglichkeiten gab.

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Die Kunden sind froh, dass der Laden wieder geöffnet ist. © Benjamin Büttner

Nun hat der Tafelladen wieder geöffnet, und Geschäftsführerin Petra Off ist glücklich darüber. „Für die Kunden ist das Einkaufen hier viel entspannter, weil man beim Warten nicht auf dem Präsentierteller steht“, sagt sie. Tatsächlich ist es für die Menschen, die sich in der Fronackerstraße geschämt hatten, vor dem Tafelladen gesehen zu werden, jetzt deutlich leichter: Durchgangsverkehr und Fußgänger wie vor dem Finanzamt gibt es nicht. So ruhig die Straße ist, so quirlig ist der Betrieb im Laden an diesem ersten Tag. Menschen schieben vollgepackte Einkaufswagen durch die Gänge. Diese sind deutlich breiter als im kleinen Laden in der Fronackerstraße. Keiner muss sich am anderen vorbeischieben. Der Verkaufsraum mit seinen großen Fenstern ist hell und freundlich.

Alle Ehrenamtlichen sind wieder an Bord

Ob Brot, Brötchen oder Kuchen, Gemüse, Salat und sogar bunte Topfpflanzen: Ein breites Warenangebot wartet auf die Kunden an diesem Tag. Die Waren aus den Supermärkten und von Selbstvermarktern aus der Umgebung werden vor Ort für den Verkauf aufbereitet. Vor allem dieser Nebenraum, in dem die gespendeten Lebensmittel sortiert und vorbereitet werden, war in der Fronackerstraße viel zu klein gewesen, um die geforderten Abstände einhalten zu können. Nach der Schließung des Ladens war die Tafel bis Anfang September in die Schulturnhalle am Staufer-Schulzentrum ausgewichen. Danach war der Tafelladen für drei Wochen geschlossen, damit der Umzug in die größeren Räume im Ameisenbühl organisiert werden konnte. Nun sind alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wieder an Bord, und Geschäftsführerin Petra Off freut sich sehr darüber. Anders als früher stehen für die Ehrenamtlichen nun auch Parkplätze zur Verfügung, erzählt sie, was für viele ein großer Vorteil sei.

Hauptsache, der Laden läuft

Ihr eigenes Büro ist am Tag der Wiedereröffnung noch nicht fertig eingerichtet, auf den Schreibtischen stapeln sich die Papiere, doch das interessiert die Tafel-Macherinnen wenig. Was für sie zählt, ist, dass der Laden läuft und die Kunden einkaufen können. „Ich hatte gedacht, der erste Tag geht ruhig los“, lacht Tafel-Vorsitzende Erika Severin. Aber schon morgens um acht seien die ersten Frauen vor der Türe gestanden. „Sie sind heilfroh, dass es wieder losging“, weiß auch Petra Off. Ein purer Stress waren die letzten Tage vor der Eröffnung, bei denen fast erwartungsgemäß noch einiges schiefging. „Es war knapp, aber es hat geklappt“, erzählt Erika Severin ein bisschen stolz. Auch das Kühlhaus sei noch nicht fertig. Erst am Vortag seien die Spülen und die Spülmaschinen angeschlossen worden. Bis zur offiziellen Eröffnung am 10. Oktober mit geladenen Gästen soll aber alles fertig sein.

Warum Harald Panzer 70 000 Euro spendete

Sponsor Harald Panzer, der eigenen Angaben zufolge gern im Hintergrund bleibt, wird allerdings nicht dabei sein. Wie berichtet, hatte der Immobilien-Unternehmer zuletzt vor allem mit Rieseninvestitionen in der Edelgastronomie in ganz Deutschland von sich reden gemacht. Auch in Waiblingen will er nach dem Hotel Bachofer einen zweiten Genusstempel einrichten: Im alten Apothekerhaus am Marktplatz 9, einem der ältesten Häuser der Altstadt, ist ein Lokal ebenfalls unter der Regie des Sternekochs Bernd Bachofer geplant. Dort wollte Panzer ursprünglich eine Tafel für bedürftige Leute einrichten. Aus Sicht von Stadtmarketing-Chef und Wirtschaftsförderer Marc Funk war das allerdings der falsche Standort. Panzer zeigte sich einsichtig, wollte seine Pläne aber nicht ganz fallenlassen. Stattdessen sponserte er den Umbau des Tafelladens im Ameisenbühl.