Waiblingen

Wegen Missbrauchs Hilfsbedürftiger angeklagt

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Die Diakonie in Stetten. © Sarah Utz

Kernen.
Ein Heilerziehungspfleger soll wie berichtet in der Diakonie Stetten Kinder sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat jetzt Anklage erhoben. Der 33-Jährige war über eine Zeitarbeitsfirma bei der Diakonie Stetten beschäftigt gewesen. Laut Pressestaatsanwalt Jan Holzner lauten die Vorwürfe: schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in drei Fällen und sexueller Missbrauch von Kindern in einem Fall. Die Übergriffe sollen im Zeitraum zwischen Dezember 2015 und 18. September 2016 geschehen sein. Die Vorwürfe wiegen auch deshalb schwer, weil der Mann sich – sofern sich die Vorwürfe in einer Gerichtsverhandlung bestätigen – an Hilfsbedürftigen vergangen hat, die in einer geschützten Einrichtung leben.

Ferner wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen vor. Zudem soll der Heilerziehungspfleger kinder- und jugendpornografische Schriften besessen haben.

Beschuldigter bestritt Vorwürfe

Nun ist das Landgericht Stuttgart am Zug: Die vierte Strafkammer wird entscheiden, ob und wann ein Verfahren eröffnet wird. Der Beschuldigte war als Nachtwache bei der Diakonie Stetten beschäftigt gewesen. Er hat die Vorwürfe bestritten. Bereits ab September 2016 war der Mann nicht mehr bei der Diakonie Stetten beschäftigt. Erst viel später kam der Fall ins Rollen; offenbar haben sich zwei Betroffene, ein Junge und eine junge Frau, wegen Übergriffen beschwert, und das unabhängig voneinander.

Praxis in Sachen Zeitarbeit geändert

Im Herbst 2017 richtete die Einrichtung eine Hotline ein und informierte die Beschäftigten in einem Brief. Das Telefon stand nicht mehr still, bestätigte seinerzeit Diakonie-Sprecherin Hannah Kaltarar. Sie beschrieb den Beschuldigten seinerzeit als „unauffälligen Mitarbeiter“. Zur Frage, weshalb und in welchem Umfang die Diakonie Stetten Zeitarbeiter beschäftige, sagte die Sprecherin: „Der bundesweite Fachkräftemangel ist bei uns leider auch spürbar.“ Übers Jahr seien in der ganzen Diakonie Stetten circa 60 Zeitarbeiter beschäftigt, im Wohnbereich etwa zehn Vollzeitkräfte. Nachdem die Vorwürfe ans Licht kamen, änderte man die Praxis in Sachen Zeitarbeit: Die Einrichtung werde mit drei bis vier großen Firmen Rahmenverträge abschließen und dann vor allem mit diesen Firmen zusammenarbeiten, hieß es.