Waiblingen

Weiter Diskussion um Anwohnerparken

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Rita Negele-Strauß steht vor ihrer Praxis. Hier hätte sie gerne reservierte Parkplätze für ihre schwer kranken Patienten. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Die Besitzerin einer Lymphdrainage-Praxis an der Fuggerstraße ist empört: Schon seit langem versuche sie, Parkplätze für ihre Patienten zu bekommen, doch stoße damit nur auf taube Ohren. Von der Verwaltung fordert sie nun einen Lösungsvorschlag.

In der Diskussion um die neue Parkregelung in der Fuggerstraße meldet sich nun die Besitzerin der Praxis zu Wort. Die Aussage des Leiters der städtischen Abteilung Ordnungswesen, Oliver Conradt, bei ihrem Angebot handele es sich um „Wellness“ empfindet sie als Unverschämtheit: „Da hat jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht“, schimpft Rita Negele-Strauß. Ihre Patienten seien zumeist schwer krank – und auf einen nahen Parkplatz angewiesen.

Rita Negele-Strauß ist sauer

In ihr Lymph- und Wundtherapiezentrum kämen beispielsweise Menschen mit offenen Wunden, die seit Jahren nicht heilten, oder Krebspatienten, die von der Bestrahlung in der Chemotherapie starke Verbrennungen hätten. „Diese Patienten sind auf die Lymphdrainage angewiesen, das hat mit Wohlfühl-Massage überhaupt nichts zu tun“, bekräftigt sie. Oftmals seien gerade diese Patienten stark geschwächt und sehr schlecht zu Fuß. Der Weg von der Marktgarage den Berg hinauf bis zu ihrer Praxis sei für sie schlichtweg nicht zu bewältigen.

Negele-Strauß ist sauer. Auch ihre Patienten seien entsetzt gewesen, als sie den Artikel in der Zeitung gelesen hätten. „Das sind Menschen mit teils starken Schmerzen. Wir begleiten hier auch Palliativpatienten. Da finde ich solche Aussagen höchst unangebracht“, sagt die Praxischefin in Bezug auf Conradts Worte. Sie erwarte von ihm nun zwar keine Entschuldigung, dafür aber einen Vorschlag, wie ihre Situation gelöst werden könne.

Im öffentlichen Verkehr keine Garantie auf Parkplätze

Die Stadtverwaltung habe nicht die Absicht gehabt, die Qualifikation oder Bedürftigkeit zu beurteilen, teilt Conradt über die Pressestelle der Stadt mit. „Frau Negele-Strauß hat uns ebenfalls mitgeteilt, dass sie von Beruf Masseurin und medizinische Bademeisterin sei.“ Im öffentlichen Verkehr gebe es allerdings keine Garantie auf einen Parkplatz in unmittelbarer Umgebung des Ziels, führt der Abteilungsleiter weiter aus und verweist auf die nahen „Parkmöglichkeiten auf bewirtschafteten Flächen und in den Tiefgaragen“. Ein weitergehender Parkplatzbedarf müsse privat abgedeckt werden.

Patientenparkplatz lasse sich nicht realisieren

Negele-Strauß führt an, sie habe genau das bereits mehrmals versucht: Als sie die seit 1980 bestehende Massage-Praxis im Jahr 1991 übernommen und nach und nach in ein Lymphtherapiezentrum umgewandelt habe, habe sie versucht, vor der Tür Parkplätze für ihre Patienten anzumieten. Damals habe die Aussage der Verwaltung gelautet, dass dort Parken überall erlaubt sei und deshalb keine Notwendigkeit bestehe, Parkflächen zu reservieren. Anlässlich der neuen Parkregelung habe sie dann erneut nachgefragt, berichtet Negele-Strauß. „Beim Ordnungsamt hat man mir geantwortet, dass man nicht verantwortlich für meine Praxis und meine Patienten ist.“ Auch andere Möglichkeiten habe sie bereits in Betracht gezogen, allerdings als unmachbar wieder verworfen. So lasse sich zum Beispiel ein Patientenparkplatz hinter dem Haus trotz des genügend großen Gartens nicht realisieren. Der Grund: Die Durchgänge zwischen den Häusern sind zu schmal, es passt kein Auto hindurch.

Laut Aussage der Stadtverwaltung ist das Ausweisen von privaten Stellplätzen auf einer öffentlichen Parkfläche aber nicht möglich, dies sei in der Straßenverkehrsordnung so geregelt. „Frau Negele-Strauß wurde empfohlen, auf die städtische Parkierungsgesellschaft zuzugehen“, so Conradt.


Die Parkregelung

  • Die neue Parkregelung in der Fuggerstraße gilt seit Mittwoch, 19. Juli.
  • Dort dürfen nur noch Inhaber eines Parkausweises der Zone 1 parken, das bedeutet Anwohner der Waiblinger Altstadt und umliegender Wohnstraßen. Nach Auskunft der Stadt soll die Regelung den Parkdruck mildern: Auswärtige sollen in den nahen Parkhäusern parken.
  • Vor Inkrafttreten der neuen Regelung hat die Verwaltung Infozettel aufgehängt.